21.04.2006

meine Endlos-Story für Lesewütige

das kostet zwar nen bisschen Zeit aber ich hoffe es lohnt sich - Fortsetzungen schreib ich jeweils einfach in Kommentare, das nimmt sonst zuviel Platz ein. Viel Spaß beim Lesen! :-)



Erster Teil: die Welt des realen Lebens

*Kapitel 1 - Erinerungen*

Seufzend stand die junge Frau auf – wieder ein kalter, einsamer Tag in dieser merkwürdigen Welt, die so ganz anders war als Norrath, wo sie aufgewachsen und zu Hause war.

Spöttisch lächelnd betrachtete sie sich im Spiegel und streckte ihre Glieder. „Ach wie gut, dass niemand weiß...“ murmelte sie vor sich hin, während sie ihr sonst flammendrotes Haar bürstete. Wo hatte sie diesen Vers nur schon einmal gehört? Ach ja, in einer dieser Geschichten, die hier kleinen Kindern erzählt wurden und in denen ihr sonst so stolzes Volk zu unwirklichen Märchengestalten und Fabelwesen gemacht wurde. Wieder seufzte sie, als sie ihren Dolch weglegte, nach dem sie automatisch gegriffen hatte – sie, die gegen Drachen und Riesen gekämpft hatte, musste sich erst noch daran gewöhnen, dass junge Frauen, die mit Dolchen und Schwertern bewaffnet durch die Strassen zogen, hier nicht an der Tagesordnung waren. Die Menschen dieser skurrilen Welt, die sie selbst als „reales Leben“ bezeichneten, dachten doch tatsächlich, Frauen seien zarte Wesen, die vor der ach so bösen Welt beschützt werden mussten. Die Frau verdrehte genervt die Augen. Sie hatten wohl noch nie etwas von den grausamen Dunkelelfinnen gehört, die zwar unwiderstehlich waren, aber mit einem Lächeln in ihrem hübschen Gesicht kaltblütig über Leichen gingen, wenn sich ihnen jemand in den Weg stellte. Nun, SIE wusste von ihnen, war sie doch selbst die Nichte einer dieser blauen Jägerinnen. Überhaupt, diese Wesen, die sich „Mensch“ nannten – hah, schwächliche ungebildete Geschöpfe, die nicht einmal ansatzweise auch nur einen Funken der Magie besaßen, die sich in Norrath jedes Baby zu Nutze machen konnte – sei es, dass das Kind selbst des Zauberns kundig war oder indem es sich des einen oder anderen magischen Gegenstandes bediente, um gewisse Kräfte wirken zu lassen. Auch ihre angenommene Tochter – eine Hochelfe, die sie wie ihr eigen Fleisch und Blut liebte – konnte es. Armes Kind, sie hatte sie bei ihrer Flucht zurücklassen müssen. Doch das Mädchen war des Kämpfens mächtig, und es gab eine Reihe von Zauberkundigen in ihrer Familie, die versprochen hatten, die Kleine zu schützen...

‚Gut, dass meine Fähigkeiten es mir erlauben, mein Aussehen zu verändern, so dass ich unerkannt bleiben kann’ dachte die Frau, als sie sich selbst musterte. ‚Auch wenn ich es hasse, hier zu leben, so darf ich doch nicht entdeckt werden.’ Sie war daran gewöhnt, sich durch Masken in eine größere Rasse als ihre eigene – die der Gnome – zu verwandeln, so dass die Höhe sie nicht schwindelig machte. Kopfschüttelnd machte sie sich daran, dieses seltsame Getränk zu kochen, welches die Wesen hier „Kaffee“ nannten – was gäbe sie für ein gutes Glas Zwergenbier, sogar in ihrer Giftküche befanden sich Tränke, die wesentlich besser als dieses schwarze Gebräu schmeckten! Zum dritten Mal seufzend strich sie ihr Haar nach hinten – das leuchtende Rot war abgemildert worden und auch ihre sonst so intensiven grünen Augen, mit denen sie ihren Mann bezaubert hatte, strahlten nicht so, wie sie es in Norrath getan hätten. Das Schlimmste jedoch waren diese unmöglich kleinen, RUNDEN Ohren – wenn das ihr Mann sehen würde! „Sie haben wirklich ganze Arbeit geleistet, du siehst aus wie ein Mensch! Na ja, ich geh dann mal und suche mir eine neue Frau, schließlich hab ich mich damals in eine Gnomin verliebt...“ würde er mit einem Achselzucken und einem belustigten Ausdruck in seinen tiefgründigen Augen sagen. Er liebte es, sie aufzuziehen und meistens gelang es ihm mit Leichtigkeit, sie zu ärgern – manchmal zu leicht. Ein Schmunzeln glitt über ihre Lippen, als sie an die vielen Male dachte, an denen ihr Gatte nur um Haaresbreite an einer handfesten Ohrfeige (oder besser, dem gnomischen Gegen-stück, einem Tritt vor das Schienbein) vorbeigeschlittert war, nur weil er es gerne sah, wenn ihre Augen vor Eifersucht funkelten. Ach ja, ihr Mann... Wehmut legte sich über ihr Gesicht, verschleierte das leise Lächeln und verstärkte den Hauch von Traurigkeit, der sie in letzter Zeit immer zu umwehen schien. Wie sehr sie ihn vermisste, den stolzen Magier, den sie bei gemeinsamen Kämpfen kennen und lieben gelernt hatte... Sie schloss die Augen und dachte an die Zeit, die sie gemeinsam miteinander verbracht hatten...

‚Oh ja, wir hatten sehr für unsere Liebe kämpfen müssen, eine Freundschaft zwischen Elf und Gnom wird gerade noch geduldet, eine Hochzeit dagegen ...’ Wieder entwich ein leiser Seufzer ihrer Brust. ‚Doch wir hatten Freunde bei den Hochelfen, so dass die Ältesten der Hochzeit schließlich wiederwillig zustimmten, wenn auch nur unter der Bedingung, das niemals ein Kind bei dieser Verbindung entstehen würde... Es war der schönste Tag meines Lebens, als Vater mich vermählte’ dachte sie und lächelte traurig. ‚Daran konnte auch der Keuschheitsgürtel nichts ändern, den man mir anlegte, um die Einhaltung der Bedingung zu gewährleisten.’ Ihre Lippen pressten sich zu einem schmalen Strich zusammen, als sie an den Gürtel dachte, der so verzaubert worden war, dass sie ihn trotz ihrer Fähigkeiten im Schlösser öffnen nicht hatte ablegen können. ‚Trotzdem waren wir glücklich miteinander, wir kämpften uns gemeinsam durch Norrath und hatten viel Spaß mit unseren Gefährten. Natürlich versuchten wir alles, um den Zauber, der uns den Nachwuchs versagte, zu brechen, doch es war vergebens.’ Da sie keine leiblichen Kinder haben konnten, nahmen sie sich schließlich einer kleinen Elfe an, die das Handwerk der Paladine erlernte. Der Wunsch nach einem eigenen Kind legte sich etwas, aber dann hörte das Paar von einem mächtigen Zauberer, der vielleicht im Stande wäre, den Bann zu lösen. Also machten die beiden sich auf, diesen großen Meister der arkanen Künste zu finden. ‚Hätten wir das doch nur nie getan, dann wäre ich jetzt noch immer zu Hause’ dachte die junge Frau bitter. ‚Denn tatsächlich existierte dieser Zauberer nicht, es war eine List der Ältesten, die noch immer gegen unsere Ehe waren. So wurde ich dann schließlich entführt und von meinem Mann getrennt. Doch eines Nachts schaffte ich es – ich entkam, als die Wachen einen Moment lang unaufmerksam waren.’ Ein triumphierendes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. ‚Ich versteckte mich und schlich mich aus dem Lager, seitdem lebe ich auf der Flucht. Gut, dass ich diese alte Karte gefunden habe, in welcher der Weg in ein Reich namens „die reale Welt“ eingezeichnet war – aber wenn ich gewusst hätte, was mich hier erwartete, wäre ich wohl lieber weiter durch Norrath geflüchtet...’

Sie lehnte sich zurück und dachte an ihre Familie, von der sie schon so lange nichts mehr gehört hatte. Vielleicht sollte sie es wieder einmal wagen und nach Norrath gehen? Das hatte sie schon öfter getan – dankbar dachte sie an ihre Freunde, die es möglich machten, dass sie ihre Familie hin und wieder sehen konnte. Bei einer dieser Gelegenheiten hatte sie ihrem Gatten dann die freudige Nachricht bringen können, dass sie es endlich geschafft hatte – der Bann des Gürtels war gebrochen und sie waren endlich frei von dem Fluch, der sie davon abgehalten hatte, Kinder zu bekommen. Natürlich mussten sie jetzt doppelt vorsichtig sein, denn wenn die Ältesten davon hören würden, dass der Bann gebrochen war und sie ein Kind erwartete, wäre sie auch hier ihres Lebens nicht mehr sicher. Sie zuckte mit den Schultern und lächelte. Die Ältesten waren lange nicht so mächtig und allwissend, wie sie gerne taten – sonst wüssten sie, dass auch hier im Reich des realen Lebens Gnome, Zwerge und Elfen existierten. Sie hielten sich vor den Wesen, die hier lebten, versteckt – entweder lebten sie im Untergrund oder benutzten so wie sie selbst Illusionen, um nicht erkannt zu werden. Doch es gab gewisse Plätze, an denen sie sich trafen, um ein wohlschmeckendes Glas Bier zu trinken, die eine oder andere Geschichte zu hören und Neuigkeiten aus Norrath auszutauschen. Die junge Frau stand auf und schnallte sich ihre Waffen um. Dann hüllte sie sich in einen weiten Umhang und trat hinaus in die harte Welt des „realen Lebens“.

Kommentarstatus

*Kapitel 2 - In der Taverne*

Es war kalt draußen, doch das störte sie nicht – ihr Umhang wärmte sie und außerdem war sie viel schlechteres Wetter gewöhnt. Mit den Gedanken immer noch in der Vergangen-heit verweilend, erinnerte sie sich an eine Zeit, bevor sie ihren Ehemann kennen gelernt hatte – damals war sie oft mit einer Druidin und einem Vah Shir zusammen gewesen... Naiv und unerfahren, wie sie war, hatte der Vah Shir - der seiner Berufung zum Bestienfürsten gefolgt war - mehr als ein paar Stunden damit zugebracht, ihr die Welt von Norrath zu erklären. Die Frau kicherte leise – was für dumme Fragen sie doch teilweise gestellt hatte. Aber das Katzenwesen hatte sie immer mit viel Geduld beantwortet und sie schützend in die Arme genommen, um sie zu wärmen, wenn sie wieder einmal vor Kälte zitterte. Dieser große und liebenswerte Kater – was war nur aus ihm geworden? Seit ihrer Flucht hatte sie seine Spur aus den Augen verloren. Die Frau konnte nur hoffen, dass es den beiden gut ging...

Finster starrte sie die zwei jugendlichen Halbstarken an, die sich ihr näherten – sie sollten es nur nicht wagen, ihr unsittlich zu begegnen, oder sie würden ihren Dolch zu spüren bekommen! Von ihrem Umhang verborgen wog sie prüfend ihre Waffe in der Hand – ein kurzer harter Kampf war jetzt genau das, was sie sich wünschte, Aufsehen erregen hin oder her. Doch sie musste wohl sehr abschreckend ausgesehen haben, jedenfalls warfen die zwei Raufbolde sich einen schnellen Blick zu und drückten sich dann mit gehörigem Abstand um diese seltsam aussehende junge Frau herum, die da mit einem langen Umhang bekleidet mitten in der dunklen Gasse stand und sie herausfordernd anstarrte. Enttäuscht zuckte die Frau mit den Schultern und seufzte – diese Wesen waren einfach zu verweichlicht! Sie schaute auf und sah, dass sie fast am Ziel war – eine kleine, sehr versteckt liegende Taverne, deren Fenster gerade so weit erleuchtet waren, dass sie einen schwachen Lichtschein auf die Strasse warfen. Ja, hier war sie richtig. Sie beschleunigte ihren Schritt und trat ein. Augenblicklich verwandelte sie sich in das, was sie eigentlich war – eine Gnomin mit auffallend langem, roten Haar und Augen, die wie Jade blitzten. Hier war keine Tarnung nötig, die ganze Taverne war so verzaubert, das kein Außenstehender, der nicht von ihr wusste, sie finden konnte. Drinnen empfing sie ein freundlich aussehender Halbling, der sie zu einem Tisch brachte. ’Aaaah, endlich ein Glas Zwergenbier und ein paar gute Geschichten!’ Sie setzte sich und legte den kostbaren Dolch griffbereit vor sich auf den Tisch. Auch wenn hier Gleichgesinnte waren, so traute sie doch keinem von ihnen über den Weg. Lärm kam auf, ein Zwerg kletterte unter Beifall seiner Kameraden auf einen Tisch und begann aus der Zeit zu erzählen, als der erste Krieg zwischen dem Volk der Oger und dem der Zwerge stattfand:

„Für viele Jahrhunderte, während sich das Reich der Elfen Richtung Osten erweiterte, gediehen Zwerge und Oger in den Bergen im Westen, die den Wald umgeben, der heutzutage Lesser Faydark genannt wird. Die Zwerge siedelten in den rauen Klippen, die als Butcherblock Mountains bekannt sind und gründeten dort ihr goldenes Königreich von Kaladim, die Schmiede von Norrath. Die Oger erkämpften sich nach einer Dekade des Krieges gegen die orkischen Horden von Faedwer die Kontrolle über das nahegelegene Land und gründeten das erste ogerische Königreich in der nahegelegenen Rakhtokian Bergkette, die nach dem ersten Ogerführer Rakthork the Warlord benannt war. Dort im Westen von Faydark lebten Zwerge und Oger in einem unsicheren Frieden. Während das riesige Reich der Elfen beide Königreiche leicht hätte zerstören können, sahen die Oger die Zwerge als ihr primäres Problem. Aufgewachsen in einer Kultur, in der nur die Stärke der Arme und die Größe der Waffen zählte, sahen die Oger des Königreiches von Rakthok nur die Zwerge als gleichberechtigt und damit als große Herausforderung an. Außerdem waren sie gierig auf die reichen Gold-minen in den Bergen und neidisch auf die Kunst des Königreiches von Kaladim, Steine zu bearbeiten. Und um die Sache noch schlimmer zu machen, stimmten die friedlichen Zwerge nicht mit den wilden und chaotischen Tendenzen der Oger überein. Das Ergebnis war ein intensiver Rassenhass und viele kleine Kämpfe zwischen den beiden Königreichen.

Zu Beginn des zweiten Zeitalters, als die Elfenrebellen begannen, sich gegen den Gott Innoruuk zu erheben, wurde Dagnor the Butcher zum fünften Warlord des rakthokianischen Königreiches gewählt. Dagnor war der erste, der erkannte, dass kleine Scharmützel zwischen Zwergen und Ogern niemals die Probleme lösen würden und das die Oger, um substanziell etwas zu verbessern, die Zwerge vollständig besiegen und abschlachten müssten. Er sah in den Minen von Kaladim eine Quelle unerschöpflichen Reichtums und unerschöpflicher Macht. Unmittelbar nachdem er den Thron bestiegen hatte, begann Dagnor, die größte kombinierte Armee von Ogern zu sammeln, seit die orkischen Clans besiegt wurden. Allerdings wurde Dagnor lange Zeit gebremst, weil Kaladim die Hauptquelle für Gold und Waffen des Elfenreiches war und die Zwerge in den Elfen starke Verbündete gehabt hätten, wenn ein Krieg ausbrechen würde. Der Ogerkönig war clever genug, zu erkennen, dass sein Königreich eine Attacke von beiden Seiten nicht überleben würde und so griff er nicht an, weshalb die Zwerge ihn nicht als die große Gefahr erkannten, die er war. Während sich das unbesieg-bare Empire der Elfen über West Faedwer auftürmte, war Krieg keine Option, weder für die Zwerge noch für die Oger. Dagnor wird manch-mal als der Zerstörer zweier Reiche angesehen. Als er seine Kampagne gegen das Zwergenkönigreich von Kaladim begann, startete er auch den Niedergang seines eigenen Reiches von Rakthok. Außerdem hielt er die Zwerge davon ab, den Elfen gegen die immer stärker werdende Armee der Rebellen beizustehen. Viele Historiker gehen davon aus, dass, wenn die Zwerge nicht in einen Krieg gegen die Oger gezogen worden wären, ihre Hilfe den Untergang der Rebellen bedeutet hätte und das alte Elfenreich noch immer bestehen würde. Auf jeden Fall erkannte Dagnor, das die Elfen es sich nicht erlauben konnten, den Zwergen beizustehen, während im Osten der Krieg der zerbrochenen Krone tobte, und er nutzte diese Gelegenheit, um seinen eigenen Feldzug gegen das Königreich von Kaladim zu starten. Der Kriegsherr erkannte, dass der Schlüssel zum Sieg der Weg über die weniger bewachten Gebiete des nördlichen Kaladims war, wo die Zwerge hauptsächlich Handels-zentren und friedliche Minenstädte errichtet hatten. So marschierte in der Mitte des zweiten Zeitalters der fünfte Warlord des rakthok-ianischen Königreiches mit seiner Armee aus Ogern und orkischen Sklaven westlich über die Hügel der Schatten direkt ins nördliche Kaladim, ohne eine Intervention der Elfen befürchten zu müssen.

Alte Zwerge erzählen noch heute fürchterliche Geschichten über die ersten Angriffe der Oger. Schlecht vorbereitet auf eine solche Invasion wurden die friedlichen Städte des nördlichen Kaladims in kürzester Zeit überrannt. Die ogerischen Krieger brannten alles nieder, was sie sahen und töteten jeden Zwerg, Männer, Frauen und Kinder. In etwas weniger als einer Woche hatten die Streitkräfte Dagnors Kaladim überrascht und den Tod von Hunderten von Zwergen verursacht. Der Kriegsherr hatte die Schwachstelle in der Verteidigung von Kaladim gefunden und marschierte nun direkt auf die Hauptstadt zu. Es war die überhebliche Art von Dagnor, anzuhalten und sicher zu gehen, dass alles Lebendige, was seinen Weg kreuzte, zerstört wurde, die den Zwergen die nötige Zeit für ihre Vorbereitungen gab. Nachrichten von der anrückenden Streitmacht der Oger erreichten Kaladim Tage, bevor die Oger in Sicht kamen. Als er die Nachricht von der nahenden Armee vernahm, begann der zwölfte König der Zwerge, König Grimmly Fireforge, ein exzellenter Kämpfer und brillanter Taktiker, seine Verteidigungskräfte zu mobilisieren. Dagnor rechnete nicht mit der Geschwindigkeit, mit der die Zwerge eine schlagkräftige Einheit aufstellen konnten – dies war sein erster Fehler. Als die Armee der Oger Crakhtorn Ridge erreichten, circa eine Meile vor der Hauptstadt von Kaladim, trafen sie auf eine etwa gleichstarke Armee von Zwergen, die von König Grimmly angeführt wurde. Die Kämpfe in den zerklüfteten Bergen waren wild und brutal, aber da sie in Tunnelkämpfen und bei wenig Licht wesentlich schlechter waren als die Zwerge, mussten die Oger fliehen. Dagnor befahl seine Armee in die Hügel der Schatten, wo Zwerge und Oger unter gleichen Voraussetzungen kämpfen konnten. Tag und Nacht tobte die Schlacht über die Hügel der Schatten über Lesser Faydark und das Gras war getränkt vom Blut der Gefallenen. Beide Armeen wurden von Soldaten des jeweiligen Königreiches aufgefüllt und bald geriet der Krieg in eine Sackgasse. Weil er davon ausging, dass der Krieg auf den Hügeln der Schatten entweder gewonnen oder verloren werden würde, befahl Dagnor seinen südlichsten Kräften, welche die Wälder von Lesser Faydark bewachten, nach Norden zu marschieren und die Armee auf den Hügeln zu verstärken. Er ließ nur eine Handvoll Oger und einen Großteil orkischer Sklaven zurück. Dies war Dagnors zweiter und schlimmster Fehler. Das erste Mal in der Geschichte Norraths kamen Zwerge und Orks zu einer Übereinkunft und gingen eine Allianz ein. Die Zwerge ver-sprachen den Sklaven der besiegten Orkstämme ihre Freiheit, wenn sie sich neutral verhalten und auf keiner Seite des Krieges eingreifen würden. In kompletter Übereinstimmung mit dem Plan, der den Orks Freiheit gab, sie aber nicht zu einem Kampf nötigte, zogen sich die orkischen Sklaven aus Lesser Faydark zurück, verließen Dagnors Armee und ließen die südlichen Hügel weit offen. König Grimmly nutzte diese Gelegenheit, um eine zweite Einheit zu sammeln und diese nach Süden zu schicken, um die ogerische Armee sowohl von vorne als auch von der offenen Flanke her anzugreifen. Die Streitkraft von Dagnor auf den Hügeln der Schatten wurde komplett ausgelöscht. Dagnor konnte mit einigen wenigen Ogern fliehen und ließ das rakthokianische Königreich völlig ungeschützt zurück. Grimmly sammelte seine restliche Armee und marschierte zur Hauptstadt der Oger. Auf dem Weg zerstörte er jede Festung und brannte Rakthok bis auf die Grundmauern nieder. Die rakthokianische Armee war zerstört.

Die letzte offizielle Schlacht fand im Wald von Lesser Faydark statt, als die restlichen Oger, angeführt von Dagnor, versuchten, nach Süden zu fliehen. Sie wurden von einer kleinen Einheit rachsüchtiger Zwerge gestellt, die es schaffte, sie bis zum Eintreffen der Hauptstreitmacht festzuhalten. Als König Grimmly und seine Armee ankamen, kämpften die Streitkräfte von Dagnor rücksichtslos und waren in der Lage, viele Zwerge zu töten, bevor sie dann schließlich doch besiegt wurden. Eine Geschichte erzählt, dass sich Grimmly und Dagnor am Ufer eines Sees im südlichen Teil von Lesser Faydark trafen und das Grimmly Dagnor mit einem Speer mit solcher Wucht aufspießte, dass die Waffe in tausend Teile zerbrach, als sie die Brust des Ogers durchbohrte. Die Geschichte erzählt weiter, dass der Kriegsherr auf der Stelle tot war und in den See fiel. Das Böse in seinem Blut soll das Wasser rot gefärbt und zum Kochen gebracht haben. Daher nannten die Zwerge den See scherzhaft Dagnor’s Cauldron, was so viel heißt wie Dagnors Kessel und so endete die letzte Schlacht des Oger-Zwergen-Krieges. Sie wurde die Schlacht des zerbrochenen Speeres genannt. Nur etwas mehr als dreihundert Oger hatten von mehreren tausend überlebt und beteten zu ihrem Gott Rallos Zek um Vergebung, weil sie den Krieg verloren hatten, während sie sich hastig nach Südwesten zurückzogen.

Zwei Wochen lang flohen die Oger vor der Streitmacht König Grimmlys, der sie jagte und jeden tötete, den er ergreifen konnte. Die Oger plünderten jede kleine Stadt, an der sie vorbeikamen, und zerstörten sogar die Ruinen der Elfenhauptstadt Caerthiel, wo sie Schiffe und Vorräte fanden. Nachdem sie quer über die ganze Ebene geflohen waren, setzten sie schließlich Segel und fuhren über den östlichen Ozean weg von den sich nahenden Zwergen. Der erste Oger-Zwergen-Krieg war offiziell beendet. Die Oger, geschlagen, verwundet und ohne Anführer, erreichten den öden Kontinent Antonica einen Monat nachdem sie in Faedwer Segel gesetzt hatten. Tag und Nacht marschierten die Überlebenden des einst mächtigen rakthokianischen Königreiches ziellos durch die endlose Wüste von Ro und erreichten endlich den leeren Gebirgszug, der als Serpent´s Spine bekannt ist. Die Oger hielten die natürliche Geographie der Berge für einen großen Vorteil gegenüber Invasionen, da sie sich zunächst erholen und neu organisieren wollten. Hier gründeten sie ihre neue Hauptstadt, auf allen Seiten bewacht von zwei Flüssen, einer Wüste, einem See, zerklüfteten Bergen und einem dichten Dschungel, wo sie sich sammeln und eine Armee für einen weiteren Krieg gegen die Zwerge aufbauen konnten. Sie nannten ihr neues Königreich Oggok, was auf Ogerisch soviel wie Rache bedeutet.

Das zweite Zeitalter Norraths endete mit Tod und Zerstörung und einem Versprechen für einen Neuanfang. Das kleinliche Gezänk der alten Rassen auf dem Kontinent von Faydwer endete tragisch und keines der Königreiche würde sich jemals vollkommen davon erholen. Der Keim der Rache wurde gesät und die ganze Welt hatte sich für die alten Rassen geändert. Mit der Auswanderung der Dunkelelfen nach Neriak auf Antonica und der Oger nach Oggok wurde neues Land entdeckt und keine der alten Rassen hatte mehr die Kraft, die König-reiche der Gnome und Halblinge von einer Ausbreitung abzuhalten, noch waren sie in der Lage, die ständig wachsende Bevölkerung der Menschen zu kontrollieren. Das zweite Zeitalter war eine Zeit des Todes, der Trauer und der Veränderung für Norrath...“

Veröffentlicht von: Melly | 21.04.2006

*Kapitel 3 - Kailynn*

„LÜGE!!!" knurrte eine tiefe Stimme. Die Gnomin schreckte auf und griff automatisch nach ihren Waffen. In der schummrigen Taverne wurde es unruhig – überall spiegelten sich gezogene Klingen im Kerzenlicht und hier und da manifestierte sich pure, schillernde Magie, die in den leuchtendsten Farben schimmerte. Der kleine Zwerg sah sich hektisch um – wer hatte das gesagt? In einer dunklen Ecke bewegte sich etwas – die Gnomin hätte schwören können, das die Schwärze noch finsterer wurde, als die Konturen eines massigen Körpers in der Dunkelheit sichtbar wurden. Dann trat eine sehr wütend aussehende Figur aus dem Schatten. In der einen Hand einen Krug dampfenden Mets, in der anderen ein langes, silbrig glänzendes Schwert, trat der Oger auf den Tisch zu, auf dem der Zwerg immer noch stand. „Wie soll denn so ein Winzling wie Grimmly dem großen Dagnor einen Speer mitten in die Brust gestoßen haben!?!“ Der Oger beugte sich über den Zwerg, der trotz der zusätzlichen Höhe, die ihm durch den Tisch, auf dem er sich befand, verliehen wurde, immer noch erheblich kleiner war als die Gestalt, die drohend über ihm aufragte. Doch nun bewies der Zwerg den für diese Rasse typischen Mut und die Kampfeslust. Er stemmte die Hände in die Seiten, spuckte aus und rief, wenngleich mit recht dünner Stimme: „Pah, König Grimmly war der größte Kriegsherr überhaupt!!! In ganz Norrath findet man keinen wie ihn, weder in den Planes noch in Neriak und ganz bestimmt nicht in Oggok!!!“ Die Gnomin, die bei dem Anblick des entrüsteten Zwerges an ihren Vater denken musste, zog belustigt die Augenbrauen hoch und grinste. ‚Mut, Rassenstolz und Kampfeslust in allen Ehren, aber dieser Zwerg ist entweder noch sehr unerfahren oder einfach nur dämlich – nicht einmal Vater legt sich mit einem wütenden, betrunkenen Oger an, wenn er keine Möglichkeit hat, ihm auszuweichen.’ Sie beobachtete das ungleiche Paar mit zusammengekniffenen Augen und dachte an ihren Adoptivvater, einen recht wild aussehenden Zwerg mit langem roten Bart, der sich dem Beruf des Klerikers verschrieben hatte und der einen mehr oder weniger berühmt-berüchtigten Ruf in Norrath genoss. ‚Mutter hat einiges damit zu tun, ihm andere weibliche Wesen aus dem Kopf zu schlagen...’ Die junge Gnomin lachte leise, dann wurde ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Diskussion zwischen Oger und Zwerg gelenkt. Dieser hatte inzwischen anscheinend auch bemerkt, das es taktisch nicht unbedingt klug ist, einen ohnehin schon wütenden Oger zu reizen, wenn man mit dem Rücken zur Wand in der Ecke einer schlecht beleuchteten Taverne steht – er trat dem Oger gegen das Schienbein und nutzte den Überraschungseffekt, um schnell vom Tisch zu springen. Im Fallen zog er seine Axt – die zweiseitige, scharf geschliffene Schneide sirrte mit einem wohlklingenden Laut durch die Luft. Dann stand der kleine Kerl da und starrte streitlustig an seinem Gegenüber hoch.

Die Gnomin spürte die erregende Spannung eines bevor-stehenden Kampfes und sah sich wachsam um, ob sie noch mehr Oger entdecken konnte. Junge Elfenmädchen drängten sich furchtsam zusammen, ihre Kleider raschelten. Die Gefährten des Zwerges waren auf einmal nirgendwo mehr zu sehen. Eine Gruppe Frogloks saß gleichgültig bei einem Würfelspiel und ließ sich nicht stören. Das Gesicht der Gnomin verriet Abscheu, als sie die halbnackten Frauen aller Rassen sah, die schmollend an den Tischen saßen – es war offensichtlich, das die hitzige Diskussion zwischen Oger und Zwerg den Dirnen das Geschäft verdarb. Der Schankjunge, soweit sie sehen konnte das einzig menschliche Wesen hier, verschwand in der Küche und kehrte gleich darauf mit dem Wirt zurück. „A-aber aber, d-die H-Herren, was s-soll denn das?“ stammelte der Halbling, der sich den beiden Gestalten nur zögerlich näherte. „K-Können sie sich d-denn nicht friedlich einigen? W-Wir wollen d-doch kein A-Aufsehen erregen, o-oder?“ Er zupfte den Oger am Arm – das hätte er besser nicht getan...

WUSCH – der Oger holte aus und fegte den Wirt mit einer kleinen Handbewegung wie eine lästige Fliege zur Seite. Der Halbling flog durch die Luft und landete mit grotesk verdrehten Gliedern in der gegenüberliegenden Ecke der Taverne. Die Gnomin, die schnell zur Seite sprang, um nicht von der Faust des Ogers getroffen zu werden, erwartete fast, das vertraute *...loading-please-wait...* zu hören, was in Norrath den Tod der jeweiligen Person verkündete, als der Hobbit sich stöhnend vom Boden erhob. Schnell war eine Schlägerei im Gange und die Gnomin befand sich mittendrin. Überall murmelten Gestalten Zaubersprüche vor sich hin und Klingen prallten aufeinander. Junge Frauen kreischten, Männer fluchten und wüste Beschimpfungen flogen durch den Raum. Da legten sich schuppige Arme wie ein Panzer um die Gnomin, die sich nach Leibeskräften wehrte. Kurzerhand wurde sie in die Luft gehoben und aus dem Brennpunkt des Geschehens getragen. Sie schrie, biss und kratzte, trat nach ihrem Angreifer und brachte ihm mit ihrem Dolch ein paar hübsche Wunden bei, doch befreien konnte sie sich nicht. Dann wurde es ruhig um sie herum, das Kampfgeschrei verebbte langsam und die Gnomin wurde wieder auf ihre Füße gestellt. Ihr Haar flog um ihren Kopf, ihre Augen blitzten vor Wut, als sie sich zornig nach der Person umsah, die es gewagt hatte, sie einfach aus dem Kampf zu holen. „Wie kannst du es wagen, mich wie ein störrisches kleines Kind auf den Arm zu nehmen und...“ Sie brach mitten im Satz ab. Vor ihr stand eine der größten Echsen, die sie je in ihrem Leben gesehen hatte. Er trug eine einfache Lederrüstung und verschränkte die Arme vor der Brust. Das er aus mehreren Wunden blutete, schien er nicht einmal zu bemerken. Ruhig vollzog er einen Kniefall, nahm sein Schwert, bot es der Gnomin mit dem Griff voraus an und lächelte.

„Lady ankh’Darkmoon? Keine Angst, ich tue euch nichts.“ Die Gnomin schnappte überrascht nach Luft. Seit sie hier in dieser Welt war, hatte niemand sie mehr bei ihrem richtigen Namen genannt. „Wer bist du?! Was willst du von mir?? Und woher in Brells Namen weißt du, wie man mich nennt?“ Noch war sie nicht bereit, ihren Dolch wegzustecken, und so starrte sie der Echse mit gezogenen Waffen in dessen goldene Augen und wartete auf Antwort. „Ich bin Kailynn, Schamane des höchsten Ranges aus dem Orden der blutigen Rose und hier im Auftrag eurer Familie. Seltsame Dinge gehen in Norrath vor, und eure Mutter wünscht, dass ihr darüber unterrichtet werdet. Diese kleine Schlägerei wurde von mir inszeniert, um mit euch sprechen zu können.“ „Woher soll ich wissen, ob du die Wahrheit sagst? Du könntest ebenso gut ein Spion sein! Und wenn es stimmt, was du sagst, warum musste dann der arme Wirt eine unfreiwillige Flugstunde nehmen? Hättest du mich nicht einfach ansprechen können?!“ „Lady Juvriel, so beruhigt euch doch, ich bitte euch! Euer Vater ahnte schon, dass ihr mir nicht glauben würdet, ehe ihr nicht einen guten Beweis für die Wahrhaftigkeit meiner Worte gesehen hättet – ich muss sagen, er kennt euch gut und ihr tut wohl daran, dieses Misstrauen an den Tag zu legen. So nehmt denn dies als Unterpfand dafür, das ich die Wahrheit spreche.“ Mit diesen Worten gab der Schamane ihr ein kleines Päckchen, das in ein Tuch eingewickelt war, welches sie als Eigentum ihrer Mutter erkannte. Sie wickelte es aus und ein kleiner goldener Ring fiel ihr in die Hand. „Mein Ehering!!! Woher habt ihr das? Geht es meiner Familie gut? Wann habt ihr sie gesehen?“ Endlich war sie bereit, Kailynn zuzuhören. „Nicht hier. Ich weiß einen besseren Ort, der sicherer ist – wenn ihr mir vertraut, Mylady?“ Juvriel lächelte. Dieses kleine Wort klang so vertraut – ihr Trauzeuge hatte sie auch immer ‚Mylady’ genannt. Sie nickte. „Gehen wir.“

Kailynn führte sie aus der Hintertür. Sobald sie auf der Strasse standen, fühlte Juvriel, wie sie sich in die junge Frau von heute morgen verwandelte - war das wirklich erst heut morgen gewesen, als sie in den Spiegel starrte und sich über ihre ‚menschlichen’ runden Ohren mokierte? Auch Kailynn nahm menschliche Gestalt an – jeder, der ihnen nun zufällig begegnete, mochte sie für ein normales junges Pärchen halten, wenn man einmal von den Umhängen absah, in welche beide gehüllt waren. Kailynn legte Juvriel den Arm um die Schultern - zur Tarnung, wie er sagte, als sie wiederstrebend reagierte - sie sei schließlich immer noch verheiratet. Doch Kailynn zerstreute ihre Gedanken, indem er sie darauf aufmerksam machte, das sie weniger auffallen würden, wenn sie nicht den Eindruck erweckten, dass sie sich von ihm belästigt fühlen würde. Zudem sei ihre Schwangerschaft deutlich zu sehen, was ein Grund mehr sei, vorsichtig zu sein und sie zu schützen. Das wiederum überraschte Juvriel, sie hatte nicht erwartet, dass das Kind, das sie erwartete, ihre menschliche Gestalt so sehr beeinflussen würde. ‚Es stimmt, als Gnomin sehe und fühle ich das Kind nicht, da ist es mehr eine mentale Verbindung, keine körperliche.’ dachte sie, als sie an sich heruntersah. Wie machten das die weiblichen Wesen hier nur, das sie sich an ihrer zunehmenden Körperfülle nicht störten und sich nicht von ihr beeinträchtigt fühlten? ‚Bin ich froh, das ich nur als Menschenfrau herumlaufen muss, wenn ich aus dem Haus gehe...Und gut, das sich eine Schwangerschaft nicht genauso bei uns Gnomen auswirkt - ich würde verrückt werden, wenn ich so unförmig werden würde, das ich mich nur noch schwerfällig bewegen könnte. Ans Kämpfen wäre dann nicht mehr zu denken...’

Veröffentlicht von: Melly | 21.04.2006

*Kapitel 4 - Verrat*
So in Gedanken versunken, bemerkte sie die zwei Gestalten, die ihnen schattengleich folgten, nicht. Auch Kailynn schien nichts zu merken, er führte Juvriel durch endlose Gassen und Winkel und schon bald hatte sie die Orientierung verloren – nun ja, um ehrlich zu sein, war das schon immer eine ihrer Schwäche gewesen. Sie wollte gerade fragen, wo Kailynn sie hinbringen würde, als ihr Begleiter vor einer schäbigen Hütte stehen blieb und die Tür öffnete. Er verbeugte sich mit einer einladenden Handbewegung und ließ ihr den Vortritt. „Wir sind da, Mylady, hier ist mein Versteck. Tretet ein und seid unbesorgt, hier könnt ihr euch sicher fühlen.“ Juvriel trat ein und sah sich um. Die äußerlich so armselige Hütte war überraschend gemütlich eingerichtet, sie sah einen runden Holztisch, um den mehrere Stühle mit hohen Lehnen gruppiert waren, bunte Flickenteppiche auf dem blitzsauberen Steinfußboden und im Kamin prasselte lustig ein behagliches Feuerchen. Kailynn trat ein und wieder stand die große Echse vor Juvriel. Er trat zur Feuerstelle und hängte einen Kessel darüber. Dann setze er sich in einen der bequeme Sessel, die davor gruppiert waren und bat sie, sich zu ihm zu setzen. Juvriel, die seinem Beispiel gefolgt war und wieder ihre norrath’sche Gestalt angenommen hatte, sah sich die Sessel an und schüttelte lächelnd den Kopf – nein, als Gnomin konnte sie sich hier kaum wohl fühlen, diese Wohnung war eindeutig auf die Größe eines Iksars ausgerichtet und für kleine Rassen kaum geeignet. Doch ihre menschliche Gestalt wollte sie auch nicht behalten – diese unförmige Figur und das Treten des Babys in ihrem Leib waren zu ungewohnt und störten sie. Juvriel suchte in den Taschen ihres Umhanges und holte eine Maske hervor. Einmal aufgesetzt, erfüllten gleißende Farben den Raum und um-hüllten sie. Aaaah, das war besser. Sie streckte ihre Arme aus und betrachtete ihre bläulich schimmernde Haut. Als die Farben verblassten, erblickte Kailynn eine feingliedrige, gut gewachsene Dunkelelfe mit schneeweißem Haar, die sich lässig in einen der Sessel warf und es sich dort bequem machte. Etwas Unheilvolles ging von ihr aus, wie sie so da saß und Kailynn musste sich erst bewusst machen, dass diese Gestalt dort immer noch die kleine Gnomin mit feuerrotem Haar war, die darauf wartete, eine Erklärung zu hören. Die zwei Gestalten, die sich vor dem Fenster herumgedrückt hatten, hatten genug gesehen – sie schlichen sich weg und machten sich von den Personen in der Hütte unbemerkt auf den Weg zu ihrem Auftraggeber... Juvriel wurde langsam ungeduldig – zu lange hatte sie schon nichts mehr von ihrer Familie gehört, sie wollte nicht länger auf Neuigkeiten warten. „Und, habt ihr mir nicht etwas zu sagen?“ Kailynn riss sich vom Anblick ihrer zugegebenermaßen nur unzureichend bekleideten Figur los und antwortete. „Hm?? Oh...Äh, ja, seltsame Dinge, die in Norrath vorgehen... Nun, scheinbar verhalten sich eure Kampfgefährten in letzter Zeit recht ungewöhnlich, um nicht zu sagen, sehr merkwürdig...“

Unterdessen, mitten im Wald, der an den Rand der Stadt grenzte: Ein leuchtendes Blitzen erhellte die Nacht und entfachte ein magisches, weißblaues Feuer. Die Gesichter von silbrigen, keinerlei Wärme ausstrahlenden Flammen erhellt, konnte man gut die zwei Jugendlichen erkennen, denen Juvriel heute morgen auf dem Weg zur Taverne begegnet war - sie waren ihr seit diesem Moment gefolgt, um sie und Kailynn zu beobachten. „Also, was habt ihr herausgefunden?“ ertönte eine fremdländisch, sehr melodiös klingende Stimme. Die beiden jungen Männer zuckten zusammen, als ein großer, dabei recht zarter Elf mit sehr heller Haut ans Feuer trat. Egal, was sie heute schon alles gesehen hatten – dieser Mann war ihnen unheimlich. Aber er bezahlte gut für ihre Dienste, also sollte es ihnen gleichgültig sein, ob er spitze Ohren hatte oder nicht – sie selbst waren auch nicht immer das, wonach sie gerade aussahen. „Wir haben sie gesehen, die Frau, die ihr uns beschrieben habt, Meister. Sie war auf dem Weg zur Taverne, aber ich glaube, sie hat keinen Verdacht geschöpft.“ berichtete der erste. „Dieser Schamane aus dem Orden der blutigen Rose, die Echse Kailynn, von der ihr uns erzählt habt, hat sie aufgelesen und sie zu seinem Versteck gebracht. Wir sind ihnen gefolgt, es sah so aus, als ob sie ihm trauen würde – sie ging jedenfalls sehr bereitwillig mit.“ fügte der zweite hinzu. „Kailynn“ knurrte der Elf und seine Augen zogen sich zu schmalen, schrägstehenden Schlitzen zusammen. „Wie hat er es geschafft, das sie ihm traut? Sie ist doch sonst so misstrauisch.“ Kailynn und er waren seit jeher erbitterte Feinde gewesen, und das es dem Schamanen nun gelungen sein sollte, Juvriel auf seine Seite zu bringen - der Elf stöhnte. Was sollte er jetzt tun? Unwillig blickte er die beiden jungen Männer an, die sich immer noch um das Feuer herum drückten. „Worauf wartet ihr noch? Geht! Ich werde euch rufen, wenn ich euch wieder brauche. Und jetzt verschwindet! “ herrschte er sie an. ‚Er will ihr also etwas erzählen, ja? Hah, nicht, wenn ich es verhindern kann!’ Mit einem grimmigen Gesichtausdruck machte er sich daran, einen Plan zu schmieden...

Kailynn hatte Juvriel währenddessen davon berichtet, was in Norrath vorging. „Denkt euch“, sagte er, „jeder eurer alten Gefährten, mit denen ihr damals durch Norrath zogt, hat inzwischen eure Gilde verlassen und zieht jetzt mit einer anderen Gilde umher. Einige von ihnen sind nicht einmal mehr in Norrath aufzufinden – sie wohnen jetzt weit weg in einem Gebiet, das man ‚Kael Drakkal’ nennt. Viel weiß man nicht über diese Welt, nur dass man dort eine sehr merkwürdige Sprache spricht, und es soll eine einsame Gegend sein, in der es nicht viel Bevölkerung gibt.“ Diese Neuigkeit erstaunte Juvriel – warum nur hatten ihre Gefährten ihre Gilde verlassen und waren in ein einsam gelegenes Gebiet gezogen, von der laut Kailynn noch nie jemand je wieder zurück nach Norrath gefunden hatte? Traurig dachte sie an ihre Freunde, die sie nun wohl nie wieder sehen würde. „Aber da ist noch mehr, das ihr wissen solltet.“ riss Kailynn sie aus ihren Gedanken. „Etwas, das euch kaum gefallen wird, wenn ihr es hört, also denkt daran, ich habe mit dieser ganzen Sache nichts zu tun, ich bin nur der Überbringer der Botschaft.“ fügte er schnell hinzu, als Juvriel ihn wachsam ansah. Diese Gestalt, die sie angenommen hatte, machte ihn doch etwas nervös, und er fand es ratsam, sie darauf aufmerksam zu machen, das er rein gar nichts für die Nachrichten konnte, die er ihr mitteilte. „Eure Familie... Um genauer zu sein, geht es um euren Mann und eure Tochter...“ „Was? Was ist mit Deri? Und was faselst du da von meinem Mann?“ Ihr Sessel kippte polternd um, als die Dunkelelfe aufsprang. Nun konnte man deutlich erkennen, warum Kailynn sie daran erinnern wollte, das er mit der Neuigkeit nur soviel zu tun hatte, als das er der Übermittler war – er hatte befürchtet, das Juvriel so reagieren würde, wusste er doch um den Familiensinn, der in dem Clan der ankh’Darkmoons herrschte. „N- nun ja,“ stotterte er, und im Laufe dieses Satzes wurde seine Stimme immer leiser, bis am Ende nur noch ein leises Wispern zu hören war, „wenn ich richtig informiert bin, werdet ihr wohl auch diese zwei nicht mehr in eurer Gilde vorfinden, solltet ihr jemals nach Norrath zurückkehren können. Um genau zu sein, werdet ihr wohl überhaupt keine Gilde mehr vorfinden...“

„WAS??? WAS ERZÄHLST DU DA? DAS KANN NICHT STIMMEN!!!“ schrie die Elfe. Kailynn zuckte zusammen und zog die Schultern hoch, als ob er sich vor etwas schützen wollte – dem Wutausbruch einer Dunkelelfe sollte man eigentlich tunlichst aus dem Weg gehen, doch dieser hier hatte sich nicht vermeiden lassen können. Die Elfe stand nun so nah vor ihm, das er ihren Atem auf seiner schuppigen Haut spüren konnte. Obwohl sie gut einen Kopf kleiner war als er, brachte sie es irgendwie fertig, ihm direkt in die Augen zu starren – eine ungewohnte Erfahrung für Kailynn, der normalerweise auf sein Gegenüber herabsah. „Bei meinem letzten Besuch in Norrath war noch alles in Ordnung, meine Familie war wohlbehütet bei meiner Gilde, alle waren zufrieden und niemand – NIEMAND! - dachte daran, die Gilde oder Norrath zu verlassen.“ zischte Juvriel. Vergessen war alle Etikette und Freundlichkeit gegenüber einem Boten. Wenn sie sich in eine Dunkelelfe verwandelte, kam zu ihrem gnomischen Temperament auch noch das natürliche Verhalten dieser dunklen Rasse, und gepaart mit weiblicher Sorge um Ehe und Familie ergab das eine explosive Mischung – in diesem Zustand reizte man sie besser nicht, was auch Kailynn bemerkte, als er eine Dolchspitze an seiner Kehle spürte.

„L-Lady Juvriel, vergesst bitte nicht, das ich nicht der Schuldige, sondern nur der Überbringer der Nachricht bin. I-ich kann wirklich nichts dafür.“ Das sah nicht gut aus für die Echse, er schien die Kontrolle über die Situation zu verlieren und das passte ihm gar nicht. Kailynn war es gewohnt, in jeder Lebenslage souverän aufzutreten und die Situation zu meistern - oder zumindest den Anschein zu erwecken, das er es tat, was weit häufiger vorkam, als er zuzugeben bereit war. Den Dolch einer Gnomin in Dunkelelfengestalt an seiner schuppigen Kehle zu spüren, war neu für ihn und passte gar nicht in seinen Plan. Zu seinem Glück nahm sich Juvriel beim Anblick des fast schon bettelnden Iksars dann doch ein wenig zusammen und die Dolchspitze entfernte sich langsam von seinem Hals. „Also, was hast du mir zu sagen? Ich wünsche eine Erklärung, wie es sein kann, das meine Familie gildenlos durch Norrath läuft!“ „E-es ist alles die Schuld der Ältesten! Sie wollen die vollständige Kontrolle über Norrath und versuchen, jede Gilde zu zerstören! S-Sie haben eure Tochter gefangen und vo-vor den Augen eures Mannes an eine Karawane von Goblins verkauft, die sie als Tanzmädchen halten. Eu-Euer Gatte ist daran zerbrochen, er lungert seitdem in den Tavernen herum, säuft und lässt sich mit jeder Frau ein, die eine halbwegs runde Hüfte aufweisen kann!“ Juvriel sank gequält zu Boden, die Maske glitt ihr vom Gesicht und Kailynn blickte auf eine sehr müde aussehende, gebrochene Gnomin, die ungläubig den Kopf schüttelte. „Nicht umsonst rennt schon eine Halblingsdiebin mit eurem Namen herum – euer Elf steht wohl auf kleine Langfinger?“ fügte er mit einem gehässigen Unterton hinzu. Dann besann er sich wieder – er durfte es sich nicht mit ihr verderben, sie war ein fester Punkt in seinem Plan... So hockte er sich neben sie und versuchte, sie zu trösten. „Aber, aber, Mylady, es wird schon nicht so schlimm sein. Euren Eltern geht es gut, und wenn ihr erst einmal wieder zu Hause seid, wird es euch schon gelingen, euren Gatten aus seiner Lethargie zu reißen. Mit ein bisschen Glück findet ihr die Goblins, an die eure kleine Elfe verkauft wurde – und mit ein bisschen mehr Glück ist sie vielleicht sogar noch am Leben. Nichts wird so frisch gegessen, wie es gejagt wurde.“ Juvriel starrte ihn ungläubig an – ihre Familie zerstört, ihre Gilde zerbrochen und diese Echse sprach vom Jagen??? „Oh, äh, kleine Iksarweisheit und tut hier nichts zur Sache.“ murmelte er, und machte sich am Kessel zu schaffen.

Weit entfernt, auf einer dunklen Lichtung, von Bäumen und Büschen verborgen, bereitete der Elf sich darauf vor, seinen Plan durchzuführen. Er saß mit gekreuzten Beinen vor dem Feuer und starrte in die weißblaue Flamme, die in seiner geöffneten Hand loderte. In der Flamme konnte er alles erkennen, was gerade in der Hütte des Schamanen vorging. „Kailynn!!!“ knurrte er wieder. „Ich werde deine Pläne durchkreuzen, verlass dich drauf!“ Mit einer heftigen Geste warf er die Flamme wieder zurück ins Feuer und holte sein Zauberbuch hervor. Leise summend machte er sich daran, die richtigen Sprüche herauszusuchen. ‚Es kommt auf den richtigen Zeitpunkt an,’ dachte er, ‚ich darf nicht riskieren, das Juvriel etwas passiert.’ Wenn man aufmerksam lauschte, konnte man neben dem Prasseln und Knistern des Feuers brüchiges Papier rascheln hören, als er in dem alten, fast schon antiken Buch blätterte. Merkwürdig anmutende Schriftzüge tummelten sich dort zusammen mit schwarzen, teilweise recht grausam anzusehenden Zeichnungen, die darstellten, was mit dem Wesen geschah, an dem der jeweilige Spruch angewendet wurde. Zielsicher suchte er sich die Sprüche heraus, die sein Opfer am meisten leiden ließen – zufällig waren es gleichzeitig die, bei der die angewendete Magie am meisten schillerte. Nun, der Elf besaß eine Leidenschaft für bunte Feuerwerke, sie waren neben anderen Dingen ein Grund, warum er ein Meister der arkanen Künste geworden war. Er schrieb die Sprüche auf ein bereitliegendes Stück Pergament. Dann saß er da, lernte die verschiedenen Wortlaute auswendig und übte die passenden Handbewegungen dazu ein. Als er fertig war, stand er auf und packte seine Sachen in einen ledernen Rucksack. Er sah auf das Feuer und lächelte grimmig – er würde sich rächen für das, was die Echse getan hatte. „Oh ja, du wirst für deine Torheit bezahlen, Kailynn!“ Noch lange hörte man sein fremdländisches Lachen in der Nacht hallen...

Juvriel stand auf – sie musste nach Norrath, und wenn es ihr Leben kostete! Aber sie durfte das Kind nicht gefährden; nicht, solange sie nicht wusste, warum die Ältesten unbedingt hatten verhindern wollen, das dieses Baby entstand. Wenn sie doch nur Kontakt zu ihren Freunden aufnehmen könnte... Aber dann dachte sie daran, was Kailynn gesagt hatte – ihre Gilde bestand nicht mehr, und ihre Freunde waren in ganz Norrath verstreut... ‚Gut, dann muss ich es eben allein versuchen.’ beschloss sie. Nur, wie sollte sie das anstellen? Um nach Norrath zu gelangen, hatte sie bisher immer Hilfe benötigt - es mussten bestimmte Kräfte angewendet werden, um ihr ein Tor zwischen den Welten zu öffnen, durch das sie nach Hause kommen konnte. Dieser Weg konnte nur eine bestimmte Zeit lang aufrecht erhalten werden und man benötigte viel Zeit und Kraft dazu. Ratlos sah sie Kailynn an. „Was kann ich denn nur tun? Ich MUSS nach Norrath! Sagt, wie seid ihr hierher gekommen und wie kommt ihr wieder zurück?“ Kailynn sah sie an und schüttelte den Kopf. „Ich kann euch da nicht helfen. Ich wurde durch einen Ein-Weg-Zauber hierher geschickt und werde nach einiger Zeit einfach wieder verschwinden.“ Nachdem er zwei Tassen mit heißem Wasser gefüllt hatte, fügte er ein paar getrocknete Kräuter hinzu und reichte das kleinere der dampfenden Gefäße Juvriel. „Trinkt, das wird euch gut tun und euch ein wenig beruhigen.“ Juvriel nahm die Tasse dankbar an und trank. Ein triumphierendes Glitzern stahl sich in Kailynns Augen, als er ebenfalls an seinem Getränk nippte. Es konnte nicht mehr lange dauern, er hatte die Menge genau berechnet. Er hatte sich nicht getäuscht, denn schon kurz darauf fiel die Gnomin bewusstlos zu Boden...

Veröffentlicht von: Melly | 21.04.2006

*Kapitel 5 - Familienbande*

Derweil, mitten in der Nacht, irgendwo in Norrath: Ein Fauchen schwirrte durch die Dunkelheit. Ruckartig setzte sich Zindragh auf. ‚Was war das?’ Irgendetwas berührte seinen Geist und versuchte, ihn zu erreichen, da es Hilfe brauchte.... Unruhig stand er auf und warf noch ein paar Holzscheite in den Kamin. Er drehte sich um und sah zurück auf das Bett, wo sich seine Frau Miezi, eine Vah Shir, schon seit einer Weile pausenlos hin und her warf. Wieder fauchte sie im Schlaf und fuhr ihre Krallen aus. Als Zindragh sich ihr näherte, hörte er immer wieder ein Wort: „...Juvriel...Juvriel...“ Wusste Miezi mehr als er und ahnte irgendwie, das ihre Tochter seine Hilfe brauchte? DAS hatte er also gehört, Juvriel musste versucht haben, ihn zu erreichen... Grimmig schnappte er sich seinen Rucksack, packte noch ein paar Dutzend Peridots ein und machte sich auf den Weg zu einem wohlbekannten Magier... Bevor er aber die Türe öffnete, drehte er sich noch einmal um und drückte seiner Frau liebevoll einen Kuss auf. "Ich werde unsere Tochter zurückholen und danach mit diesem Elfenpack abrechnen.“ flüsterte er leise. Dann entzündete er eine Laterne und verschwand in der dunklen Nacht. So schnell es ihm seine kurzen Zwergenbeine erlaubten, lief er die staubige Strasse entlang. Im Schein seiner flackernden Laterne zuckten Schatten über den Weg, als er Bäume und Sträucher hinter sich ließ. Bald schon hatte er sein Ziel erreicht: ein großes langgezogenes Gebäude, an dem das Wappen der Gilde hing, zu der auch Juvriel gehörte. Er stürmte durch das Tor und wandte sich suchend nach allen Seiten um, doch – das Gildenhaus lag leer und verlassen da, kein einziges erleuchtetes Fenster war zu sehen und auch das prasselnde Feuer, das sonst immer den Hof erhellte, war nicht entzündet. Fluchend drehte er sich um: „WTF, wo ist dieser verdammte Elf, wenn man ihn mal braucht??? Juvi ist in Schwierigkeiten und er treibt sich wie ein Landstreicher herum!!! Ich hätte niemals zulassen dürfen, dass sie dieses bleichgesichtige Spitzohr heiratet!!“ Mit diesen Worten machte er sich auf den Weg zum Hause seiner Tochter.

Kailynn hatte sich inzwischen an den Tisch gesetzt und verfasste einen Brief, während Juvriel an Händen und Füßen gefesselt vor dem Kamin auf dem Boden lag. Noch war sie bewusstlos, doch schon bald begann das verschnürte Bündel, sich zu regen. Stöhnend wand sie sich hin und her und versuchte, ihre Fesseln abzustreifen. „Oh, gebt euch keine Mühe, ‚Mylady’, ihr werdet die Stricke doch nicht los.“ kicherte Kailynn – wenn man den reibenden Laut, der seiner Kehle entwich, denn Gekicher nennen konnte. „Sag mir lieber, wie viel Platin du deiner Familie wert bist – die ankh’Darkmoons sind doch immer so um ihre Familienbande besorgt, da wird sicher ein hübsches Sümmchen für mich bei rausspringen, meinst du nicht auch, Prinzessin?“ Endlich zeigte er sein wahres Gesicht – Kailynn war keineswegs der treusorgende Kundschafter und Bote, für den er sich ausgegeben hatte... Das bemerkte jetzt auch Juvriel – nun ja, mal ehrlich, wem würde es nicht seltsam vorkommen, wenn er sich gefesselt auf dem Boden wiederfinden würde, nachdem er vermeintlich einfachen Tee getrunken hatte? Ihre Augen wanderten hin und her, während sie versuchte, sich aufzurichten. „Was soll das!?! Binde mich sofort los, du Lurch!!! Wenn ich mit dir fertig bin, wirst du dir wünschen, man hätte dir bei lebendigem Leibe die Haut abgezogen und daraus eine Damenhandtasche gemacht!!!“ „Oh, ich zweifle nicht daran, das ihr diesen Plan sofort durchführen würdet...“ antwortete die Echse, und machte eine spielerische Geste mit Juvriels Dolch. „Vermutlich würdet ihr es sogar schaffen, mich zu überwältigen, wenn ihr die Gelegenheit hättet – weshalb ich sicher nicht so dumm sein werde, euch loszubinden.“

Als Zindragh bei dem Haus angelangt war, in dem seine Tochter seit ihrer Hochzeit mit dem Magier Phartos wohnte, war auch dort alles dunkel. Immer noch vor sich hin grummelnd hämmerte er an die Tür: „Phartos! Phartos!!! Wach auf, du verschlafenes Langbein!!!“ Als sich nichts rührte und alles ruhig blieb, ging er zu einem der Fenster, stieg auf einen daneben liegenden Holzblock und spähte hindurch. Zufällig war es das Schlafzimmer, und er sah eine große Figur, die friedlich schlafend im Bett lag. Zindragh rüttelte an den Fensterläden, dass die Scheiben klirrten. „PHARTOS!!! Mach sofort auf, oder ich schlag dir die Tür ein!!!“ Endlich kam Leben ins Haus, im oberen Stockwerk wurde es hell und nach einer Weile öffnete sich die Haustür. Drinnen stand eine sehr verschlafen aussehende junge Elfe, die sich müde die Augen rieb. „Grandpa? Was machst du denn hier, mitten in der Nacht? Und wieso machst du so einen Lärm? Du weckst noch das ganze Dorf auf!“ Sie gähnte herzhaft und trat zur Seite, um ihren Großvater herein zu lassen. „Wo ist dein Vater?! Wieso in Brells Namen liegt er im Bett und schläft, während seine Frau seine Hilfe braucht??? Mach dir keine Sorgen, Deria, es ist nichts.“ fügte er schnell hinzu, als er die erschrockenen Augen seiner Enkelin sah. Dann wandte er sich dem Zimmer zu, in dem er vorhin den Elf hatte schlafen sehen. „Phartos, steh sofort auf und sieh zu, dass du reisefertig wirst, oder ich schleif dich so wie du bist an deinen langen Ohren auf die Strasse!!!“ „Aber, aber Grandpa, was ist denn los? Weißt du was von Mama? Und wieso soll Papa dich begleiten? Wohin überhaupt???“ „Kleines, ich habe jetzt keine Zeit für lange Erklärungen. Mach einen Beutel mit Reiseproviant für deinen Vater fertig – PHARTOS, WENN DU NICHT SOFORT HIER AUFTAUCHST, DANN SORGE ICH PERSÖNLICH DAFÜR, DASS INNORUK DICH MORGEN ZUM FRÜHSTÜCK VERSPEIST!!!“ „Aber, aber Grandpa...“ „Was soll denn dieser Höllenlärm mitten in der Nacht?“ erklang eine sonore, wohltönende Stimme. Ein breiter Lichtschein fiel durch die Tür, die der Zwerg vorhin noch angebrüllt hatte und die Silhouette eines großen, anmutigen Elfen erschien. Nun wurde sichtbar, warum sich Juvriel Hals über Kopf und entgegen aller Vorurteile ihrer Familie gegenüber Hochelfen in den stattlichen Magier verliebt hatte. Er trug eine lange, weitgeschnittene Robe, die mit merkwürdigen Ornamenten und Zeichen verziert war und strich ungeduldig eine Strähne seines kurzen, silbergrauen Haares zurück, die ihm in seine blaugrauen Augen gefallen war. „Schätzchen, geh wieder ins Bett, ich bin sicher, das alles in Ordnung ist und das es deiner Mutter gut geht.“ wandte er sich zärtlich seiner Tochter zu, die auf nackten Füßen hin und her trat und aussah, als würde sie gleich vor Kälte anfangen, mit den Zähnen zu klappern. „Bei der großen Göttin Tunare, was machst du denn hier, Zindragh?“ fragte er den Zwerg ruhig. „Zum Teufel, was geht mich deine dusselige Baumkuschler-Göttin an? Nichts ist in Ordnung, rein gar nichts, merkst du das denn nicht, Spitzohr? Juvi braucht uns, sie hat mental um Hilfe gerufen!!! Ich dachte, du liebst sie??? Dann hättest du das spüren müssen!!! Komm jetzt, wir dürfen keine Zeit verlieren!“ Phartos sah seinen Schwiegervater erschrocken an. Dann drehte er sich um und ging in das Zimmer, aus dem er gerade gekommen war. Einen Moment später kam er mit einem alten Buch unter dem Arm wieder heraus und machte sich daran, es in eine Umhängetasche zu stopfen, wobei einige rosa schimmernde Perlen sichtbar wurden, die wie Murmeln in dem Beutel hin und her rollten. Dann hüllte er sich in seinen Umhang und nahm seiner Tochter den ledernen Rucksack mit Proviant aus der Hand. „Deri, geh gleich morgen früh zu deiner Großmutter und bleib dort... Mach dir keine Gedanken, wir werden deine Mutter heil nach Hause bringen, egal, was die Ältesten dazu sagen.“ Er hatte gerade noch Zeit, sie liebevoll zu umarmen, dann wurde er von seinem Schwiegervater aus dem Haus gestoßen...

„Also, was genau ist los? Woher weißt du, was mit Juvi ist?“ Der Elf wandte sich um und blieb stehen – wo er einen Schritt machte, brauchte sein Schwiegervater drei, und so musste er dann und wann anhalten und auf den Zwerg warten, der keuchend und mit schwankender Laterne hinter ihm her rannte. ‚Warum hab ich sie nur an diesen Dummkopf abgegeben? Wenn es wirklich Liebe zwischen ihnen ist, dann hätte er merken müssen, das sie Hilfe braucht – mehr noch, dann hätte ihr mentaler Hilfeschrei nicht mich, sondern IHN erreicht...’ Das Juvriels Hilfeschrei nicht ihn, sondern seine Miezi erreicht hatte, schien der alte Zwerg irgendwie vergessen zu haben... ‚Oh, wie konnte ich nur zulassen, dass sie ihn heiratet... und ich Schafskopf hab die zwei auch noch getraut!!!’ dachte Zindragh bei sich, sprach es aber nicht aus. Das war untypisch für ihn, denn auch wenn die Ehe zwischen seiner Tochter und dem Elf Juvriel sehr glücklich gemacht hatte, konnte Zindragh es doch nicht lassen, hier und da kräftig gegen seinen Schwiegersohn zu wettern... Den sonst so draufgängerischen Zwerg so seltsam still zu sehen, beunruhigte Phartos. „Sag schon!“ sagte er mit bebender Stimme und sah auf Zindragh herunter. „Nicht jetzt – keine Zeit!“ murmelte dieser unwillig in seinen Bart. „Weißt du, wo Bakual steckt? Im Gildenhaus ist niemand zu sehen, und in einer Taverne wird er ja wohl kaum sein – oder hat er plötzlich Verstand bekommen und treibt sich mit Frauen herum?“ Zindragh hatte nie verstehen können, wie jemand sich freiwillig von Wein, Weib und Gesang fernhalten konnte – doch andererseits verhalf dieser Umstand Bakual zu ein wenig Freundlichkeit seitens des alten Zwerges – hatte der Elf doch niemals Anstalten gemacht, um Zindraghs Tochter zu werben, was ihn in den Augen des Zwerges schon bedeutend sympathischer machte. „Ich habe keine Ahnung, ich habe die Gilde verlassen, wusstest du das denn nicht?“ „Oh doch, und Deria ist dir auch noch gefolgt – ein Grund mehr, dich ohne Ausrüstung nach Hate zu schicken... Was hast du dir dabei nur gedacht?!?“ Die kleine Hochelfe, derer sich Juvriel und Phartos angenommen hatten, war eine der wenigen Angehörigen der elfischen Rasse, die der Zwerg gern hatte. Mit ihrem frechen Mundwerk und dem Mut, den sie schon in frühen Jahren in ihren Kämpfen zeigte, bewies sie ihrem Großvater, das ihre eigentlich eher vornehm zurückhaltende Rasse – Zindragh nannte sie lieber arrogant – sich in einem Kampf sehr wohl behaupten konnte. Zudem war sie ein süßes kleines Ding, das ihren ’Opi’ mit einem kleinen Lächeln mit Leichtigkeit um den Finger wickelte. Zindragh hatte – sehr zum Leidwesen seiner Frau – den hübschen Vertreterinnen des weiblichen Geschlechtes noch nie widerstehen können, wobei er keinerlei Anstalten machte, sich auf eine Rasse zu beschränken. Er sah keinen Grund, zwischen einer bärtigen, stämmigen Zwergin, einer schlanken, feingliedrigen Elfe oder einer wilden Vah Shir zu unterscheiden – jede Rasse habe durchaus seine reizvollen Seiten, wie er zu sagen pflegte. „Was hast du vor? Und wie sollen wir Juvi helfen können? Ich könnte im Moment nicht einmal sagen, wo genau sie sich aufhält! Wieso bist du dir so sicher, dass sie in Schwierigkeiten ist und Hilfe braucht?“ „Das hab ich dir doch schon gesagt! Ich habe es gespürt – GESPÜRT! Nenn es, wie du willst, ob nun Intuition, Vaterinstinkt oder Magie – verstehen wirst du es eh nicht, wenn du nicht das kleinste bisschen von ihrem Hilferuf bemerkt hast...Ruf? Ach was sag ich, sie muss förmlich um Hilfe geschrieen haben, so eindrücklich war es - das hättest du verdammt noch mal hören müssen, so groß, wie deine Ohren sind!“ setzte er bissig hinzu. Phartos entspannte sich ein wenig – wenn sein Schwiegervater schon wieder in der Lage war, ein paar verbale Pfeile gegen ihn abzuschießen, war die Lage entweder nicht so schlimm, wie er dachte oder Zindragh hatte schon einen Plan...

Veröffentlicht von: Melly | 21.04.2006

*Kapitel 6 - ein unbekannter Plan*

Tatsächlich wandte sich der alte Zwerg um und rannte schnurstracks die Strasse entlang, in die Richtung, in der auch sein Heim lag. Kurz darauf kam auch schon das Haus in Sicht, in dem Miezi immer noch unruhig schlief. Phartos dachte schon, sein Schwiegervater habe etwas zu Hause vergessen, doch Zindragh lief einfach weiter, bis er das Ende der Strasse erreicht hatte. Aber auch hier machte er nicht halt, sondern folgte hartnäckig einem Weg – zumindest dachte Phartos sich, das da ein Weg sein müsse. Er selber sah zwar keinen Weg, nicht einmal einen Trampelpfad oder auch nur die Spur eines Wildwechsels, aber Zindragh behielt zielstrebig eine Richtung bei und bei dem Tempo, welches er an den Tag legte, hatte der Elf sowieso keine Zeit, sich über irgendwelche Wege Gedanken zu machen, seine sie nun vorhanden oder nicht. „Autsch, verdammt, kannst du denn nicht aufpassen!!!“ Zindragh rieb sich fluchend den schmerzenden Kopf - er war so abrupt stehen geblieben, das Phartos keine Zeit blieb, um seinen Lauf abzubremsen, weshalb er mit voller Wucht gegen seinen Schwiegervater gerannt war. „Entschuldige, ich hab nicht bemerkt, das du angehalten hast.“ murmelte der Elf beschämt, während er noch versuchte, sich aus dem Gewirr von Armen und Beinen zu befreien, in welchem die zwei auf dem Boden gelandet waren. ‚Ich muss dich wohl übersehen haben, was ja auch nicht sonderlich schwer ist, bei deiner Größe...’ setzte er in Gedanken zynisch hinzu. Natürlich würde Phartos so etwas niemals laut sagen – jedenfalls nicht, solange sein Schwiegervater oder auch seine Frau in Hörweite waren. „Wohin willst du denn überhaupt? Was machen wir hier?“ fragte er stattdessen. „Still jetzt, ich kann dein Gebrabbel im Moment wirklich nicht gebrauchen! Streng lieber deine großen Ohren an und sag mir, was du hörst!“ entgegnete ihm der Zwerg. Phartos blieb reglos stehen und lauschte... Das Zirpen einiger Grillen war zu hören, der Ruf einer Eule erklang dicht neben ihnen und ein Wolf heulte in der Dunkelheit. In einiger Entfernung konnte er die normale Geräuschkulisse eines norrath’schen Dorfes bei Nacht ausmachen – es war also nichts Ungewöhnliches zu hören. Doch plötzlich vernahmen Phartos sensible Ohren etwas äußerst Merkwürdiges... Ein Trommeln erklang, und ferne Stimmen murmelten leise vor sich hin. „Zindragh? Was ist das? Es klingt wie Trommeln...wie ein Herz, das schlägt...Hörst du das?“ Unwillkürlich hatte der große Elf zu flüstern begonnen, seine Stimme war nicht mehr als ein leises Wispern, als er sich fragend nach dem Zwerg neben ihm umsah. „Gerat nicht gleich in Panik, Langbein! Was sagst du? Trommeln, die wie Herzklopfen klingen? Was hörst du noch? Stimmen, die sich etwas merkwürdig anhören? Aus welcher Richtung kommt es?“ „Ja genau, was ist das? Woher weißt du das?“ Doch noch bevor er auch nur zu Ende gesprochen hatte, nickte Zindragh zustimmend. Ein erfreutes Strahlen glitt über sein Gesicht und ohne jegliche Vorwarnung stürmte er in die Richtung, die Phartos angegeben hatte. Wieder blieb Phartos nichts anderes übrig, als hinter seinem Schwiegervater herzurennen...

Wenn er gewusst hätte, in welch misslicher Lage sich seine Frau befand, wäre wohl er es gewesen, der den Zwerg zur Eile angetrieben hätte... Juvriel nämlich befand sich noch immer wie ein Paket verschnürt auf dem Boden der Schamanenhütte. Allerdings hatte sie es mittlerweile unter vielerlei Bemühungen geschafft, sich in eine aufreche Position zu bugsieren, was Kailynn mit einem spöttischen Gesichtsausdruck beobachtet hatte. „Verdammte Echse, mach mich endlich los!!!“ zischte Juvriel ihn mit vor Wut blitzenden Augen an. „Man sollte dich in Innoruuks schwärzester Hölle einkerkern und dort qualvoll verrotten lassen!!!“ „Welch ausdrucksstarke Wortgewandtheit ihr doch habt, Mylady...Wer hat euch das nur beigebracht? Euer arroganter Elfenmagier war es bestimmt nicht, der ist sich sicher viel zu fein dafür...Ah, das kann nur von dem Zwerg sein, den ihr Vater nennt...Tsts, diese Zwerge, keinerlei Manieren mehr...“ quittierte die Echse Juvriels Fluch voller Ironie. „Wage es ja nicht, so über die ankh’Darkmoons zu sprechen, du Wurm!!! Wenn ich mich doch nur bewegen könnte, du würdest dir wünschen, der Sleeper hätte dich erwischt!!!“ „Oh ja, ich zittere schon vor Angst, bald hast du mich wirklich so sehr eingeschüchtert, das ich deinen Wunsch erfülle und dich losbinde, Winzling... Doch wo du schon einmal so ein Interesse an mir zeigst, willst du denn gar nicht wissen, woher ich das Tuch und den Ring habe, Kleine?“ Juvriel dachte nach – es konnte nicht schaden, mehr darüber zu hören, auch wenn dieser zu groß geratene Leguan sicher mehr als übertreiben würde... Juvriel konnte sich nicht erklären, wie sie auf ihn hatte hereinfallen können – warum nur hatte sie nicht gemerkt, das er log? Nun, er hatte ihren Ring und eines von Miezis Tüchern, und er hatte von Dingen gesprochen, die kein anderer hatte wissen können – nur, wie viel von dem, was er ihr gesagt hatte, war tatsächlich so geschehen und was war frei erfunden? Bestand ihre Gilde vielleicht immer noch? Und was war mit ihrer Familie? War Naderia wirklich an Goblins verkauft worden? Und Phartos? Hatte er sich wirklich vor Kummer in einen Säufer verwandelt und sich mit einer Hobbitdiebin eingelassen? Fragen über Fragen...

Sie beschloss, zunächst einmal zuzuhören und später dann nachzuprüfen, was von dem, was ihr erzählt wurde, wirklich die Wahrheit gewesen ist – wenn es denn ein „später“ für sie gab... Juvriel seufzte. Was, wenn sie sich nicht befreien konnte? Auf ihre Familie durfte sie nicht hoffen, sie wähnten sie ja auf der Flucht vor dem Rat der Ältesten und würden sich keine Sorgen machen, wenn sie längere Zeit nichts mehr von ihr hörten... Das sie zumindest ansatzweise über Kräfte verfügte, die in der Welt, in der sie sich befand, gemeinhin als ‚Telepathie’ bezeichnet wurden, wusste sie nicht. Es wäre ihr vielleicht aufgefallen, wenn sie näher über eine Begebenheit nachgedacht hätte, die schon einige Zeit zurück lag. Damals war sie noch nicht sehr lange im Reich des realen Lebens, als es einer ihrer Gefährtinnen in Norrath sehr schlecht ging. Die Nachricht von der wie tot daliegenden Dunkelelfe verbreitete sich schnell in ganz Norrath, schließlich war es eine der wenigen Heiler, die der Gilde noch geblieben waren... Irgendwann erreichte die Geschichte dann auch das Reich des realen Lebens und Juvriel hörte sie. Sie sann tagelang darüber nach, wie man ihre Gefährtin retten könne. Am Ende musste sie einsehen, das sie ihrer dunklen Freundin von dieser Welt aus ja doch nicht helfen könne... Sie wusste noch genau, wie verzweifelt sie sich damals gewünscht hatte, in Norrath zu sein, um ihren ehemaligen Kampfgefährten beistehen zu können! Da geschah es, ein helles Blitzen umgab sie und sie fiel in ein dunkles Nichts...als sie wieder aufwachte, fand sie sich inmitten ihrer Freunde wieder. Ihr eigener Mann hatte ihr Sehnen gespürt und sie nach Norrath gerufen... ‚Wenn das doch jetzt auch so geschehen würde... Ich habe nie verstanden, wie das passieren konnte, und auch sonst konnte es sich keiner erklären...’ Juvriel seufzte noch einmal – leise, sehr leise, sie würde Kailynn nicht die Genugtuung verschaffen und sich etwas anmerken lassen! Dann versuchte sie, sich etwas bequemer hinzusetzen und sah den Iksar erwartungsvoll an...

Veröffentlicht von: Melly | 21.04.2006

*Kapitel 7 - eine merkwürdige Versammlung*

„Nun? Wie also hast du dir meinen Ehering verschafft? Ich weiß genau, das ich ihn bei Phartos gelassen habe – er wäre hier in dieser Welt zu auffallend gewesen, wie bist du verdammt noch mal an diesen Ring gekommen und an Mutters Tuch?!?“ „Also wirklich, immer dieses Fluchen...das steht dir nun wirklich nicht zu Gesicht, Kleine...“ Nun, da er Juvriel sicher gefesselt und außerhalb der Reichweite ihrer Waffen sah, fühlte die Echse sich sicher. „Na ja, ich will mal nicht so sein und dir die ganze Geschichte erzählen... Dein dummer arroganter Elf saß bei einem Humpen Wein in einer Taverne, völlig deprimiert, weil er dich vermisste – es ist mir übrigens sowieso völlig schleierhaft, wie der sich auf eine Ehe mit so einem Giftzwerg wie dir einlassen konnte...“ „Du...du...du überdimensionaler Gecko!!! Ich kann mir nicht vorstellen, das DICH jemand anziehend finden kann, also hör auf, Dinge zu beurteilen, von denen du nichts verstehst!!! Pah, ich werde nie verstehen, warum die Götter so etwas wie DICH haben entstehen lassen!!!“ „Oh bitte, hör auf damit, du brichst mir mein Herz... Jaja, wirf mir ruhig böse Blicke zu, helfen wird dir das gar nichts“ fügte Kailynn mit einem amüsierten Seitenblick auf Juvriel hinzu, die heftig versuchte, ihre Fesseln abzustreifen und grade zu einer wütenden Erwiderung anheben wollte. „Spar dir das, es ist mir eh völlig egal, was du dazu sagst. Nun, jedenfalls saß dein ach so hochgelobter Magier in dieser Taverne, und beschäftigte sich die ganze Zeit mit einem Gegenstand, nahm ihn von einer in die andere Hand usw.... Ich wurde neugierig, und warf mal einen näheren Blick auf das, womit er da die ganze Zeit rumspielte. Und was glaubst du, sahen meine treusorgenden Augen? Richtig, einen winzigen Goldring, mit allerlei glitzernden und funkelnden Edelsteinen besetzt – na, da musste ich doch dafür sorgen, dass das kostbare Stück nicht verloren ging... Und wo wäre so ein Schatz wohl besser aufgehoben als in meiner Tasche? Ich setzte mich also an seinen Tisch, bestellte noch eine Runde Wein und verwickelte ihn in ein Gespräch. Anfangs war er noch misstrauisch, aber das gab sich irgendwann im Laufe des Abends. Viel brauchte es nicht, um das Gespräch auf dich zu bringen - er erzählte mir von seiner Frau, und wie sehr er dich vermisse. Es war nicht leicht, ihm das Schlafmittel in den Wein zu kippen, aber schließlich hatte ich es doch irgendwie geschafft – er wurde müde und verzog sich... Tja, eine gute Ausbildung zahlt sich eben doch aus, die Menge war genau so berechnet, das er zwar müde wurde, aber noch nach Hause gehen konnte – auf dem Weg dahin war es dann ein Kinderspiel, ihm den Ring abzunehmen – müsstest du doch wissen, wie leicht so ein Taschendiebstahl sein kann... Klar konnte ich bei Miezi diese Taktik nicht anwenden – als Schamanin hätte sie das natürlich gemerkt. Ich musste warten, bis niemand zu Hause war. Als die Luft rein war, schlich ich mich also hin. Ich hatte Glück – ein Fenster war nicht ganz geschlossen, und so konnte ich mich in aller Ruhe umsehen, bis ich etwas Geeignetes gefunden hatte, was dich davon überzeugen würde, das ich ein guter, anständiger Iksar bin...und du bist auch schön brav darauf reingefallen - du siehst, ich habe viele Talente.“ kicherte er...

Phartos hatte sich inzwischen damit abgefunden, das Zindragh anscheinend nicht vorhandene Dinge sah... ‚Er wird eben nicht jünger, was weiß ich, was der sich wieder zusammenspinnt...’ dachte er achselzuckend und setzte seinem Schwiegervater in großen Sprüngen nach. Schon bald wurde das Trommeln lauter und der große Elf konnte mehrere Stimmen ausmachen, die einen monotonen Gesang verfolgten. ‚Bei meiner Göttin Erollisi Marr, was zur Hölle IST das?’ murmelte er vor sich hin, als er einen Schimmer sah, der entfernt an die Farbe von Feuer erinnerte. Nun, Phartos war kein grüner Junge mehr, der sich an den Rockzipfel seiner Mutter klammerte, und er wusste sehr wohl Magisches von Nicht-Magischem zu unterscheiden. So wusste er dann auch gleich, das hier kein normales Feuer brannte, allerdings konnte er sich nicht erinnern, jemals in seinem ganzen langen Elfenleben eine solche Ansammlung merkwürdiger Gestalten gesehen zu haben. Da saßen Waldelfen neben Trollen, Vah Shir tranken mit Dunkelelfen, kleine Halblinge wuselten durch die Menge und – Phartos traute seinen Augen kaum – ein ausgewachsener Oger saß dort friedlich mit Zwergen zusammen. Phartos schüttelte den Kopf und sah noch einmal genauer hin: tatsächlich, er sah sogar noch einen zweiten Oger, der es sich gleichmütig gefallen ließ, von Elfen- und Zwergenkindern als Rutsche gebraucht zu werden. Gerade wollte er Zindragh fragen, was in Tunares Namen denn da nur los sei, als eine schlanke Gestalt – Phartos vermutete, es sei ein Elf - sich erhob und sich auf den Weg zu ihnen machte. „Halt!“ erlang sehr bestimmend eine melodiöse Stimme und Phartos sah seine Vermutung bestätigt. Ein Hochelf trat mit einem misstrauischen Ausdruck auf dem ebenmäßigen Gesicht zu ihnen. „Wer seid ihr und was wollt ihr hier?!“ Dann jedoch weiteten sich die schrägstehenden Augen vor Überraschung und mit vor Freude bebender Stimme rief der Elf: „Zindragh? Alter Freund, bist du es wirklich? Wie lange haben wir uns jetzt schon nicht mehr gesehen? Was machst du denn hier?“ „Du kennst diese Leute?“ Phartos drehte überrascht den Kopf und sah auf seinen Schwiegervater herab. ‚Warum überrascht mich das eigentlich? Wer weiß, wo Zindragh sich in seinem Leben schon überall herumgetrieben hat’ fragte er sich kurz darauf selbst. Doch sein Schwiegervater beantwortete die Frage nicht, sondern begrüßte den Elf mit einem kräftigen Handschlag. „Aldarys! Wie schön, dich zu sehen!“

Veröffentlicht von: Melly | 21.04.2006

*Kapitel 8 - Aldarys*

„Aldarys???“ entfuhr es Phartos. Er kannte diesen Namen, hatte ihn schon einmal irgendwo gehört, nur wo? Phartos schloss die Augen und dachte nach... Es war ein sonniger Tag, etwa eine Woche, bevor er und Juvriel heiraten wollten. Es klang noch ihr liebevolles Lachen in seinem Ohr, ihr herzhaftes, erfrischendes Lachen. Sie tollten über eine Wiese, des Kämpfens müde wollten sie einige Zeit allein verbringen. Irgendwann landeten sie im Gras und fingen an, sich über die bevorstehende Hochzeit zu unterhalten. Im Kopf gingen sie noch einmal alle Punkte durch, das Essen, die Getränke, die Gästeliste... Juvriels Familie war recht umfangreich, und auch der Freundeskreis der beiden umfasste eine ansehnliche Zahl der Wesen Norraths, da durfte niemand vergessen, niemand nicht eingeladen werden. Jetzt wusste er es wieder – an diesem Tag fiel der Name Aldarys, mehr oder weniger hinter vorgehaltener Hand, so wirklich wollte seine Zukünftige nicht mit der Sprache herausrücken... Doch schließlich erklärte sie ihm, nachdem er mehrmals nachgefragt hatte, was es mit Aldarys auf sich hatte – nun, sie erklärte ihm das wenige, was sie selber wusste... Aldarys, so sagte Juvriel, sei irgendwie verwandt mit Zindragh, der sie ja damals adoptiert habe, um sie bei sich behalten zu können. So wirklich wisse sie auch nicht, wie genau sie denn nun mit Aldarys verwandt sei – es sei wohl ein Onkel oder Großonkel oder so etwas in der Art. Jedenfalls sei Aldarys wohl das schwarze Schaf im Clan der ankh’Darkmoons, denn nie wurde auch nur sein Name erwähnt, auch Zindragh habe nicht oft von ihm gesprochen. Das bisschen, was Juvriel selber wisse, wisse sie auch eher von ihrer Mami, wie sie Miezi liebevoll nannte – von Zindragh sei allenfalls etwas herauszukriegen gewesen, wenn er wieder mal ein wenig angeheitert von einer seiner Tavernentouren nach Hause kam, fügte sie mit einem heiteren Auflachen hinzu. Aldarys jedenfalls war ein Meister der arkanen Künste, ein Zauberer. Warum er jedoch in der Familie nicht erwähnt werde – aus der Familienchronik war er scheinbar auch herausgestrichen worden – sei ihr unklar. Gerüchten zu Folge war wohl ein von Aldarys gewirkter Zauber schief gegangen, woraufhin er von der Gilde der Zauberer ausgeschlossen und verstoßen wurde. Natürlich wisse sie nicht, ob das stimme, fügte Juvriel mit einem schnellen Seitenblick auf den fasziniert zuhörenden Magier hinzu. Das Einzige, was sie mit Sicherheit feststellen könne, sei, dass Zindragh ab und an noch einmal Kontakt mit ihm hatte und das zumindest ihr Vater immer genau wisse, wo Aldarys sich gerade aufhalte. Nach allem, was so gemunkelt werde, sei Aldarys nun mit einer Horde Wesen unterwegs, die eine Art Zweckgemeinschaft gebildet hatten und wie die Zigeuner umherzogen. Diese Gruppe bestehe aus den unterschiedlichsten Gestalten, von Halblingen bis zu Dunkelelfen sei alles dabei, sogar Zwerge und Oger seien in dieser Gruppe zu finden. Nirgendwo seien sie gern gesehen und sie könne sich auch beim besten Willen nicht vorstellen, wie sie das Platin zusammenbekommen sollten, um bei der Hochzeit zu ihren eigenen Gästen noch Halblinge, Oger und Trolle durchzufüttern, setzte Juvriel hinzu. Wenn sie dazu noch an die Schwierigkeiten denke, die sie und Phartos sowieso schon durch die Ältesten bei ihrer Eheschließung hatten, sei es vielleicht besser, Aldarys nicht einzuladen...

‚Juvi hatte recht – was hätte das für einen Aufruhr gegeben, wenn Aldarys bei unserer Hochzeit aufgetaucht wäre.’ dachte Phartos und musterte den Elfen unauffällig. Sein Blick erfasste langes, ungeschnittenes, mehr oder weniger gepflegtes Haar über einem ebenmäßigem Gesicht, in dass das Leben einige Falten gegraben hatte. Die schrägstehenden Elfenaugen, die vorhin noch misstrauisch zusammengekniffen waren, blickten nun voller Freude auf den Zwerg und Phartos konnte sehen, das Aldarys früher einmal ein recht fröhlicher Elf gewesen sein musste. Phartos’ Blick wanderte weiter, er sah eine schmutziggraue Robe, die auch schon bessere Tage gesehen hatte – ‚Nun, kein Wunder, bei dem Leben, was er hier draußen führt’ bemerkte Phartos für sich – und sein Blick blieb für einen Augenblick auf Aldarys’ Händen ruhen. Elfen, die dem magischen Handwerk nachgingen, hatten normalerweise schmale, zarte Hände mit langen feingliedrigen Fingern, doch davon war bei Aldarys nicht mehr viel zu sehen – auch hier hatte das Leben in freier Natur seine Spuren hinterlassen. Aldarys’ Hände waren mit Narben kleiner Schnittwunden übersät und von körperlicher Anstrengung geprägt – doch konnte man immer noch sehen, das Aldarys ursprünglich keine harte Arbeit hatte verrichten müssen. „Wer ist das?“ wurde Phartos aus seinen Gedanken gerissen. Aldarys wandte sich ihm zu und Phartos fühlte, wie er völlig ungeniert unter die Lupe genommen wurde. Phartos ließ sich nicht gern von Kopf bis Fuß mustern, was sich nun in seiner Haltung gegenüber Aldarys niederschlug. ‚Schau du nur, dann siehst du, wie ein Elf auszusehen hat – MIR jedenfalls wurde noch beigebracht, das ein Elf sich unter keinen Umständen so gehen lassen darf.’ dachte er bei sich und richtete sich stolz zu seiner vollen Größe auf. Doch Aldarys lächelte nur – wenn gleich man doch einen spöttischen Zug in seinem Lächeln finden konnte - und zog fragend die Augenbrauen hoch. „Entschuldige, ich habe deinen Namen nicht verstanden...“ fragte er kalt. “Phartos, Phartos ankh’Darkmoon.“ Phartos deutete eine knappe Verbeugung an. Aldarys wandte sich erstaunt an Zindragh: „Ein ankh’Darkmoon? Hat die Familie etwa Zuwachs bekommen?“ „Hm, ja, Juvriel hat geheiratet...“ „Juvi? Ist sie etwa schon so groß??? Das musst du mir unbedingt näher erklären.“ „Keine Zeit, keine Zeit“ brummelte Zindragh vor sich hin. „Hör zu, wir müssen unbedingt auf dem schnellsten Wege in das Reich des realen Lebens!“ „Das reale Leben???“ Aldarys unterdrückte nur mit Mühe einen Lachanfall. „WTF wollt ihr denn da? Zinni, du weißt, das ich das nicht machen kann, es ist verboten...“ „Verboten, verboten, erzähl DU mir nichts von Regeln, die man befolgen müsste... Juvriel ist dort und braucht Hilfe, und Bakual ist nirgendwo aufzutreiben, also was ist, hilfst du uns?“ „Hm...“ der Elf seufzte. Dann straffte er die Schultern und Phartos erkannte, das er früher einmal ein stolzer Zauberer gewesen sein musste. „Also gut, kommt mit.“ Er drehte sich auf dem Absatz um und bedeutete ihnen, zu folgen...

Veröffentlicht von: Melly | 21.04.2006

*Kapitel 9 - ein überraschendes Aufeinandertreffen*

Juvriel zitterte vor Wut, als sie versuchte, ihre Fesseln loszuwerden. Was bildete der Kerl sich eigentlich ein?!? Leider verstand die Echse ihr Handwerk anscheinend gut, denn ihr gelang es nicht, die Stricke auch nur ein bisschen zu lockern, geschweige denn, die Knoten zu lösen. Zornig sah sie ihren Peiniger an, der dort seelenruhig am Tisch saß und immer noch an seinem Tee nippte. Wenn sie sich doch nur losmachen könnte, dann würde dieser Leguan schon sehen, was er davon hatte, sie wie einen Rollbraten verschnürt auf dem Boden abzulegen! Juvriel atmete tief durch und versuchte, sich zu beruhigen – die Genugtuung wollte sie ihm nicht verschaffen, das er etwas von ihrer langsam aufsteigenden Verzweifelung bemerkte. Wie sehr wünschte sie sich, jetzt bei ihrem Mann zu sein... Er musste doch merken, das da etwas nicht stimmte, musste doch irgendwie wissen, was ihr gerade wiederfuhr! Doch darauf durfte sie nicht hoffen, Phartos dachte sicher, die Ältesten seien ihr auf den Fersen und sie habe sich ein neues Versteck suchen müssen. Bestimmt glaubte er, sie habe nur noch keine Zeit gefunden, ihn zu benachrichtigen, und ihr Vater dachte sicher dasselbe. Nein, auf Hilfe von ihrer Familie konnte sie nicht hoffen, sie musste es irgendwie selber schaffen, sich zu befreien. Noch einmal zerrte sie an ihren Fesseln, und heißer Zorn stieg in ihr auf, als sie beobachtete, wie Kailynn aufstand und sich ihrer Dunkelelfenmaske bemächtigte, die von ihrem Gesicht geglitten war. Nie hatte sie gedacht, das es ihr möglich wäre, so wütend zu werden!!! Sie atmete tief durch und versuchte, sich ein wenig zu beruhigen – diese unbändige Wut, die sie verspürte, war sicherlich nicht gut für das Baby. ‚Alles in Ordnung, das wird schon wieder, dreh jetzt nur nicht durch, sondern denk darüber nach, wie du dich befreien kannst – irgendwie wirst du das schaffen, kein Problem...’ redete sie sich ein, während sie noch einmal über die Chancen, sich zu befreien, nachdachte...

Währenddessen, im dem Wald, in dem der Elf gerade das weißblaue Feuer gelöscht hatte und sich auf den Weg zu Kailynns Hütte machen wollte: KABOOM!!! Ein Blitz erhellte den Himmel, wobei er von einem lauten Donnern begleitet wurde. Der Elf wandte ruckartig den Kopf in die Richtung, wo er den Ursprung des Blitzes, den er sofort als magisch erkannt hatte, vermutete und ging hinter den nächsten Baum in Deckung. Schon bald wurde seine Vorsicht bestätigt, als er entfernt Stimmen hörte, die sich unter nicht unbeträchtlichem Gerumpel durch das Unterholz bewegten. Drei verschiedene Stimmen konnten seine empfindlichen Ohren ausmachen, die aufs Heftigste miteinander diskutierten. Scheinbar wähnten sie sich allein in diesem Wald, sonst wären sie wohl leiser gewesen. Der Elf tat einen Schritt vorwärts und trat dabei versehentlich auf einen Ast, der unter seinem Gewicht leise knackte. Sofort verstummte die Diskussion – verdammt, von den dreien musste mindestens einer ein Elf sein, kein anderes Gehör wäre scharf genug, um auf diese Entfernung einen so dünnen Ast zerbrechen zu hören! Blitzschnell schossen die verschiedensten Gedanken durch den Kopf des Elfen, Bilder von Abtrünnigen lösten sich mit denen der Ältesten ab, gefolgt von Wesen, die so abscheulich aussahen, dass sie eigentlich nur dem wahnsinnigen Hirn des Gottes Bertoxxulous’ entsprungen sein konnten. Wer waren diese drei, die da im Unterholz standen? Lange Zeit hatte er jedoch nicht zum Überlegen, da krachte es beträchtlich - eine Feuerkugel schoss sehr dicht an seinem Ohr vorbei und schlug zischend in einen Baum knapp hinter ihm ein. Eine weitere folgte und der Baum, hinter dem der Elf Schutz gesucht hatte, ging in Flammen auf. „Oh Mist!!!“ murmelte er ergeben und sah sich nach einem feuerfesten Unterschlupf um. Tunare sei Dank, er hätte schwören können, das der Felsen, den seine suchenden Augen auf einer Lichtung nicht weit entfernt erblickten, vor einem Moment noch nicht da gewesen war – nur gut, das die große Mutter sich auch um ihre Kinder sorgte, wenn diese gerade mal nicht auf Norrath waren! Jetzt konnten sich seine Widersacher auf etwas gefasst machen, wer auch immer sie waren! Grimmig lächelnd rannte er zu dem Felsen und konnte sich gerade noch rechtzeitig dahinter retten, um einer weiteren magischen Entladung zu entgehen...

„Na wartet!“ Eine kurze Handbewegung, ein paar gemurmelte Worte, schon ergoss sich in gleißendem Licht ein Regen von tödlichem Eis in die Richtung, wo er seine Feinde vermutete. Es knisterte, als die Eiszapfen die Bäume berührten und den dunklen Wald in eine glitzernde weiße Winterlandschaft verwandelten, an der jedes Kind seine helle Freude gehabt hätte. Die Augen des Elf leuchteten in der plötzlichen strahlenden Helligkeit, in die er den Wald getaucht hatte und er sah sich gründlich um, ob er nicht wenigstens einen seiner Peiniger entdecken konnte. Da, was war das? Aus dem Augenwinkel heraus konnte er eine Bewegung ausmachen, eine große Figur huschte schattengleich durch die Bäume. Gleich darauf knackte es im Unterholz, gefolgt von einem lauten Fluchen: „Beim Barte des Brell, verdammt noch mal!!!“ Einen Moment mal... „Beim Barte des Brell“?? Schwerfälliges Trampeln durch das Unterholz?? Das konnte eigentlich nur eines bedeuten – er hatte hier einen Zwerg vor sich!! Der Elf stöhnte und verdrehte die Augen – ausgerechnet einem dieser goldgierigen, ungehobelten Sitzriesen musste er hier begegnen... Nicht, das er sich Zwergen gegenüber nicht behaupten konnte, aber sie waren schon ein Völkchen für sich, diese von Brell Serilis geschaffenen Wesen. Außerdem – er kannte nur EINEN Zwerg, der verrückt genug war, in das reale Leben zu gehen – und nur einen, der ein Motiv dafür hatte.

Aber warum im Namen aller Götter bombardierte Zindragh ihn mit Feuerkugeln? Da stimmte doch etwas nicht... die Form, das Aussehen und Wirken - warum hatte er eigentlich diese Kugeln nicht gleich als Nuke eines Magiers erkannt? Phartos war also auch dabei... Jetzt war er doch neugierig geworden, er hatte schließlich DREI Stimmen gehört! Wer wohl die dritte Person war, die da durch die Büsche schlich? Um das herauszufinden, musste er sich zunächst mal zu erkennen geben, und zwar möglichst ohne danach wie ein geröstetes Hühnchen auszusehen... Der Elf richtete sich kerzengerade auf und sagte sehr ruhig und bestimmt nur ein Wort: „STOP!“ Seine Stimme übertönte mit autoritärem Klang den Wind, der durch die Baumwipfel rauschte und er wurde sich der plötzlichen Stille bewusst, die sich über den Wald legte. ‚Ich wusste ja gar nicht, das ich druidische Fähigkeiten habe...’ dachte er amüsiert. „Zindragh ankh’Darkmoon, hör sofort auf, dich zu verstecken und komm aus dem Gebüsch heraus!“ rief der Elf und ein schelmisches Lächeln erschien auf seinem Gesicht, als er hinzusetzte: „Und Phartos, bitte hör auf, mich mit Feuer zu beschießen, sei so gut, ja?“ Die Bäume teilten sich und ein weiterer Elf – es handelte sich hierbei tatsächlich um Juvriels Ehegatten Phartos ankh’Darkmoon - trat auf die immer noch hell erleuchtete Lichtung. „Ich hätte es wissen müssen!“ rief Phartos erfreut aus, als er den Elf erkannte. „Bakual! Das war der Grund, warum dich auf Norrath niemand finden konnte!” Phartos eilte auf den Elf zu, der ihn lächelnd erwartete. „Phartos! Wie kommst du hierher? Und wo hast du Zindragh gelassen? Das waren übrigens ein paar gute Nukes vorhin, wenn Tunare nicht wäre, hättest du mich wohl mit der dritten Kugel getroffen...“ Die beiden Elfen begrüßten sich herzlich und beobachteten dann, wie Aldarys aus den Bäumen trat. Von Zindragh war nichts zu sehen, nur sein fluchendes Gemurmel war für die scharfen Elfenohren weithin zu hören. „Aldarys – schön, dich zu sehen, wie ist es dir ergangen?“ begrüßte Bakual den näherkommenden Elf. „Bakual al’Baku – viele Sommer sind vergangen, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben...“ „Nun, das erklärt, wie ihr hierher gekommen seid. Ich wusste gar nicht, das du Aldarys kennst, auf eurer Hochzeit habe ich ihn jedenfalls nicht gesehen“ wandte sich Bakual an Phartos. „Aber sagt mir, bei dem Lärm, den ihr gemacht habt, da sollte man mindestens noch einen Oger in eurem Gefolge erwarten...“ „Was soll ich sagen... Dorfs“ erklärte Phartos mit einem lakonischen Schulterzucken. „So ein Bart kann im Unterholz ja auch schon mal bei dem Versuch stören, sich möglichst rasch und ungehindert fortzubewegen – er ist ständig irgendwo hängen geblieben...“ setzte er ironisch hinzu. Phartos unterbrach sich, als er ein Grummeln hörte, das ihm das Näherkommen des Zwerges ankündigte. „Bakual!!! Hier steckst du also!!! Und ich such dich überall in Norrath!“ dröhnte Zindraghs Stimme durch den Wald. „Was machst du denn hier?“ „Nun, ich denke, das selbe wir ihr, alter Freund.“ „Woher weißt du...“ „Nicht nur du hast deine Quellen, Zindragh...“ erwiderte Bakual lächelnd. „Wir sollten uns zwar beeilen, damit Juvriel nicht noch länger auf Hilfe warten muss, aber zunächst wäre es wohl sinnvoller, euch zu berichten, was ich über die Situation weiß...“ Geschmeidig ließ Bakual sich in den Schneidersitz sinken und begann zu erzählen...

Veröffentlicht von: Melly | 22.04.2006

*Kapitel 10 - die Rettung*

„Oh, nun hör endlich auf, mir böse Blicke zuzuwerfen, das hilft dir doch eh nicht...und das weißt du ganz genau!“ setzte Kailynn hämisch hinzu. „Hm, mal sehen...was soll ich nur mit dir machen, wenn dein Daddy gezahlt hat? Aaah, ich weiß: ich verkaufe dich an ein Bordell, dann kassiere ich doppelt Geld...“ Wieder hätte Juvriel ihren Kidnapper umbringen können - wenn sie in den arkanen Künsten geübt gewesen wäre, dann wäre Kailynn wohl von feurigen Strahlen regelrecht geröstet worden und das Sprichwort „wenn Blicke töten könnten“ wäre wahr geworden. So musste die Diebin sich damit begnügen, hilflos die Fäuste zu ballen und sich die qualvollsten Todesarten für den Schamanen ausdenken – mittlerweile war sie bei Folter Nummer 27, ihm Schuppe für Schuppe langsam und genüsslich bei lebendigem Leibe und vollem Bewusstsein seine ledrige Haut vom Körper zu kratzen, um die offenen Stellen dann mit Salz zu bestreuen. Ein teuflischer Ausdruck stahl sich in ihre Augen und ein Lächeln kräuselte ihre Lippen. Kailynn blickte zufällig rüber und runzelte besorgt die Stirn – was war das, warum lächelte Juvriel plötzlich so zufrieden? Dann zuckte er die Schultern – sie war gut verschnürt, und bald würde er eine reiche Echse sein...

WAMM!!!! Plötzlich flog die Tür auf und schlug mit einem lauten Krachen an die Wand, wo sie ein kleines Loch hinterließ. Kailynn und Juvriel wandten sich erschrocken zum Eingang der Hütte um, wo man eine Stimme hören konnte: „Lasst ihn mir, bei Brell, ich werde ihn lehren, sich an meiner Tochter zu vergreifen!!!“ Ein freudiges Strahlen ließ Juvriels Gesicht aufleuchten – das war es, sie war gerettet! „Oh nein, Zindragh, dieser Kerl gehört mir! Wie kann er es wagen, meine Frau zu gnomnappen!!!“ “PHARTOS!!!! Phartos, ich bin hier, HIER HINTEN!!! Oh, Erollisi Marr sei Dank, ich bin so froh das du da bist!!!“ Tränen der Erleichterung schossen in Juvriels Augen, als ihr Mann sich über sie beugte und sie von ihren Fesseln befreite. „Juvi, Schatz, geht es dir gut? Was ist mit dem Kind? Ist alles in Ordnung?“ Phartos überschüttete seine Frau mit besorgten Fragen, während er sie liebevoll in den Arm nahm – es schien, als ob er sie nie wieder loslassen wollte. Doch da war etwas, was keinen Aufschub mehr duldete... „Zindragh, würdest du dich bitte um meine Frau kümmern? Da ist etwas, was ich erledigen muss!“ Phartos Stimme klang gefährlich ruhig, als er sich nach dem Zwerg umsah – und plötzlich schmunzeln musste, als er seine Mitstreiter sah, wie sie Kailynn in eine Ecke gedrängt hatten und ihn mit giftigen Blicken durchbohrten. Phartos lächelte – war ja klar, das sein Schwiegervater nicht untätig sein konnte, wenn es darum ging, seiner Tochter zu helfen... So hatte der kleine Kerl den Überraschungseffekt auf ihrer Seite genutzt, den Schamanen überwältigt und ihn gefesselt - das Juvriels Kavallerie so schnell anrücken würde, damit hatte die Echse wohl nicht gerechnet. Doch dann weiteten sich Phartos' schrägstehenden Augen vor Überraschung: „Was, DU??? Ausgerechnet DU?“ Dunkel erinnerte er sich an jenen Abend in der Taverne, als er von einem Iksar angesprochen wurde. Juvriel hatte einmal mehr ihren Aufenthaltsort wechseln müssen, und Phartos wusste deshalb nicht einmal, wo sich seine Frau befand... Er saß deprimiert in dieser Taverne und starrte auf das einzige, was ihm noch von seiner Frau geblieben war – ihr Ehering, in den in flammenden Lettern sein Name eingraviert worden war. Das letzte, woran er sich erinnern konnte, war, das irgendein Noob ihn auf der Strasse angerempelt hatte. Moment, mal, war das etwa...das könnte...das musste derjenige gewesen sein, der auch seine Frau entführt hatte! „Dann ist es also wahr? Er hat meinen Ring genommen und Mutters Tuch gestohlen und – und all die anderen Dinge, deine Liaison mit der Halblingsfrau, der Zerfall der Gilde und das Deri verkauft ist...es ist alles wahr?“ Juvriel hatte Phartos Gesichtsausdruck richtig gedeutet – er kannte Kailynn, und sie konnte sich denken, woher. Erneut füllten sich ihre grünen Augen mit Tränen – diesmal waren es Tränen der Anspannung – Phartos hatte ihr soeben einen Teil der Geschichte bestätigte, und womöglich hatte der Schamane auch bei dem Rest die Wahrheit gesagt...

„Ich glaube, es ist besser, wenn wir Juvriel erst einmal hier rausbringen.“ erklang nun endlich Bakuals Stimme. „Komm mit Juvi – kannst du laufen?“ Besonnen nahm der Zauberer die wiederstrebende Gnomin am Arm und geleitete sie aus der Schamanenhütte. „Ich weiß, das du dich gerne an ihm rächen möchtest, aber ich kann mir nicht vorstellen, das soviel Aufregung gut für das Kind ist... Du kannst es getrost deiner Familie überlassen – die zwei haben sich auf dem ganzen Weg hierher gestritten, wer ihm denn nun am meisten weh tun darf und was die qualvollste Folter für deinen Entführer wäre....“ „Oh, ich kenne da mindestens 27 Arten, und eine grausamer als die andere!“ antwortete Juvriel ihm grimmig. Bakual lachte. „Du bist wirklich eine echte ankh’Darkmoon, ich hätte mir denken können, das du dir die Zeit damit vertreibst, Foltern für ihn zu erfinden.“ „Ich hatte ja nichts zu tun, befreien konnte ich mich nicht, und so blieb mir nicht anderes über, als mich in Gedanken an ihm zu rächen und auf Hilfe zu warten...Ich hatte ihn bereits geteert und gefedert, ihn an die Dunkelelfen verkauft, ihn von einem Rudel Wölfe zerfleischen lassen und ihn an Innoruuk verfüttert – ganz zu schweigen von der Szene, als ich ihn Bertoxxulous zum Spielen überlassen habe – aber befriedigend war das alles nicht...“ setzte die Gnomin hinzu. „Oh, glaub mir, nichts kann grausam genug sein für jemanden wie Kailynn!“ antwortete Bakual mit einem bitteren Ausdruck in seinen Augen. Juvriel sah erstaunt zu ihm hoch: „Woher weißt du, wie er heißt? Kennst du ihn?“ Bakual wandte sich ab. „Das ist eine lange Geschichte, ich kenne ihn schon seit vielen Jahren und wir waren schon immer große Feinde. Er...“ Ein lautes Rumpeln unterbrach den Zauberer in seiner Erzählung, als die Tür der Schamanenhütte weggesprengt wurde und einen teuflisch lächelnden Zwerg preisgab, dem ein Elf folgte, dessen Augen vor Wut funkelten. Phartos ballte seine Hand zur Faust, öffnete sie und hatte eine glühende Feuerkugel in der Hand, die er noch im Hinausgehen über seine Schulter warf. BANG!!! Das reetgedeckte Dach fing Feuer und mit beträchtlichem Getöse ging die Schamanenhütte in Flammen auf. Im Wiederschein der feurigen Zungen, die hungrig am Holz der Baracke leckten, konnte man Juvriel und ihre Retter erkennen, die sich hastig auf den Boden warfen, um sich vor diversen umherfliegenden Hüttenteilen in Sicherheit zu bringen – nachdem auch der letzte brennende Balken endlich gelandet war und einen gemütlichen Platz zum Niederbrennen gefunden hatte, machten sich die vier schließlich auf, das Trümmerfeld zu verlassen, das vor zehn Minuten noch der Wohnort eines Iksars gewesen war.

„Was hast du damit gemeint, Deri sei verkauft worden, Juvi? Wie kommst du auf diesen Unsinn?“ Wieder einmal war ein magisches Feuer entzündet worden, an dem sich die beiden Elfen, der Zwerg und Juvriel niedergelassen hatten. „Kailynn sagte es mir – er sagte, die Ältesten wollten Norrath zerstören, sie hätten Deria gefangen genommen und an Goblins verkauft. Du seiest daran zerbrochen und zum Säufer geworden, der jeder Frau nachrennt!“ wandte Juvriel sich an ihren Mann. „Und das viele unserer Gefährten Norrath verlassen haben und in ein Gebiet gegangen sind, das man Kael Drakkal nennt – die Gilde sei zerstört, sagte er...“ sprudelte es aus ihr heraus. Jetzt, da sie endlich in Sicherheit war, konnte sie es nicht erwarten, ein paar Antworten zu bekommen. „ICH und den Frauen nachrennen??? Schatz, für wen hältst du mich?! Ich bin doch kein Zwerg!!!“ Zindragh hob entrüstet eine Augenbraue. „HEY, pass auf, was du sagst, Spitzohr!!! Als ob DIR die Frauen nachrennen würden, PAH!!!“ „Hört auf zu streiten, Vater – gebt mir lieber Antwort!“ entschieden verlangte Juvriel nach einer Klärung der Angelegenheit. „Nun, in einigen Dingen hat Kailynn tatsächlich nicht gelogen, Juvi.“ Über die Köpfe der zwei Streithähne hinweg, die sich noch immer mit giftigen Blicken maßen, sah Bakual zu der Gnomin, mit der er schon so manches Abenteuer bestritten hatte. „Die Botschaft des Schicksals existiert wirklich nicht mehr – zu viele der Mitglieder haben die Gilde verlassen und sind nach Kael gegangen oder Mitglieder einer anderen Gemeinschaft geworden... Ich bin einer der wenigen Übriggebliebenen - und so wie es aussieht, wohl auch der letzte Botschafter des Schicksals...“ Traurig sah Bakual aus, als er dies berichtete. Er war eines der Gründungsmitglieder der Botschaft gewesen und Juvriel wusste, das ihn der Zerfall ihrer Heimat schmerzte. „Aber es gibt auch gute Nachrichten: Naderia ist keineswegs an irgendeinen Goblinstamm verkauft worden, sondern mittlerweile glückliches Mitglied bei der Gilde Wind of Tranquility. Sie ist deinem Mann dorthin gefolgt und dort gut aufgehoben. Was allerdings die angebliche Liebschaft deines Mannes angeht, kann ich dir nicht weiterhelfen – da solltest du schon ihn direkt fragen...“ Ungläubig starrte Juvriel den Zauberer an – das sollte wirklich stimmen, ihre Gilde sollte also tatsächlich zerfallen sein??? Wo sollte sie denn hin? Sie hatte, sie WOLLTE kein anderes Zuhause, keine andere Gemeinschaft als die der Botschaft des Schicksals!!! „Phartos? I-ist das wahr, das du die Botschaft verlassen hast und jetzt bei WOT bist – wer nennt seine Gemeinschaft schon „ruhiger Wind“ verdammt?!?“ mit zitternder Stimme wandte sich Juvriel fragend an ihren Ehemann. „Hm, ja, das stimmt...“ antwortete Phartos und sah Juvriel ruhig an. „Im Laufe der Zeit kam es immer öfter zu Streitereien zwischen mir und der Führung der Botschaft – das weißt du selbst auch sehr gut – und als die Botschaft mehr und mehr zerfiel, habe ich beschlossen, mich nach einer neuen Gemeinschaft umzusehen... Naderia ist mir gefolgt, und es geht ihr gut, dort wo sie jetzt ist – ich hätte es ja gern mit dir besprochen, aber ich konnte dich nirgendwo auffinden...“ Juvriel konnte es kaum fassen – das ihr eigener Mann ihre gemeinsame Gilde verlassen würde, damit hätte sie nie und nimmer gerechnet. Andererseits musste sie versuchen, ihn zu verstehen – sie war ja nicht da, ständig auf der Flucht und meist nicht mal einen Monat am selben Ort. Sie würden sich schon wieder zusammenraufen, wenn sie erst einmal wieder in Norrath war. Apropos Norrath – sie wollte so schnell wie möglich nach Hause! „Können wir nicht endlich hier weg? Ich will nach Hause, zu Naderia...“ „Hm, gute Idee... wo ist eigentlich Aldarys, Zindragh?“ „Woher soll ich das wissen? Sehe ich etwa aus wie die Nanny für irgendein Spitzohr??? Nun macht euch um den mal keine Sorgen, der kommt schon zurecht. Bring uns lieber nach Hause, Baku!“ Bakual nickte und nahm die vorgeschriebene Haltung für den Zauber ein, der sie nach Norrath in die Ebene des Wissens bringen würde. „Fasten your seat-belts and please stop smoking, POK-port inc!” Ein lautes Donnern klang durch den Wald, als ein mächtiger Blitz die vier verschwinden ließ...

Veröffentlicht von: Melly | 22.04.2006

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