19.05.2007

Auf gehts zu Teil 2 ;-)

Es war kalt draußen, doch das störte sie nicht – ihr Umhang wärmte sie und außerdem war sie viel schlechteres Wetter gewöhnt. Mit den Gedanken immer noch in der Vergangenheit verweilend, erinnerte sie sich an eine Zeit, bevor sie ihren Ehemann kennen gelernt hatte – damals war sie oft mit einer Druidin und einem Vah Shir zusammen gewesen... Unerfahren, wie sie war, hatte der Vah Shir - der seiner Berufung zum Bestienfürsten gefolgt war - mehr als ein paar Stunden damit zugebracht, ihr die Welt von Norrath zu erklären. Die Frau kicherte leise – was für dumme Fragen sie doch teilweise gestellt hatte. Aber das Katzenwesen hatte sie immer mit viel Geduld beantwortet und sie schützend in die Arme genommen, um sie zu wärmen, wenn sie wieder einmal vor Kälte zitterte. Dieser große und liebenswerte Kater – was war nur aus ihm geworden? Seit ihrer Flucht hatte sie seine Spur aus den Augen verloren. Die Frau konnte nur hoffen, dass es den beiden gut ging...

Finster starrte sie die zwei jugendlichen Halbstarken an, die sich ihr näherten – sie sollten es nur nicht wagen, ihr unsittlich zu begegnen, oder sie würden ihren Dolch zu spüren bekommen! Von ihrem Umhang verborgen wog sie prüfend ihre Waffe in der Hand – ein kurzer harter Kampf war jetzt genau das, was sie sich wünschte, Aufsehen erregen hin oder her. Doch sie musste wohl sehr abschreckend ausgesehen haben, jedenfalls warfen die zwei Raufbolde sich einen schnellen Blick zu und drückten sich dann mit gehörigem Abstand um diese seltsam aussehende junge Frau herum, die da mit einem langen Umhang bekleidet mitten in der dunklen Gasse stand und sie herausfordernd anstarrte. Enttäuscht zuckte die Frau mit den Schultern und seufzte – diese Wesen waren einfach zu verweichlicht! Sie schaute auf und sah, dass sie fast am Ziel war – eine kleine, sehr versteckt liegende Taverne, deren Fenster gerade so weit erleuchtet waren, dass sie einen schwachen Lichtschein auf die Strasse warfen. Ja, hier war sie richtig. Sie beschleunigte ihren Schritt und trat ein. Augenblicklich verwandelte sie sich in das, was sie eigentlich war – eine Gnomin mit auffallend langem, roten Haar und Augen, die wie Jade blitzten. Hier war keine Tarnung nötig, die ganze Taverne war so verzaubert, das kein Außenstehender, der nicht von ihr wusste, sie finden konnte. Drinnen empfing sie ein freundlich aussehender Halbling, der sie zu einem Tisch brachte. ’Aaaah, endlich ein Glas Zwergenbier und ein paar gute Geschichten!’ Sie setzte sich und legte den kostbaren Dolch griffbereit vor sich auf den Tisch. Auch wenn hier Gleichgesinnte waren, so traute sie doch keinem von ihnen über den Weg. Lärm kam auf, ein Zwerg kletterte unter Beifall seiner Kameraden auf einen Tisch und begann aus der Zeit zu erzählen, als der erste Krieg zwischen dem Volk der Oger und dem der Zwerge stattfand:

„Für viele Jahrhunderte, während sich das Reich der Elfen Richtung Osten erweiterte, gediehen Zwerge und Oger in den Bergen im Westen, die den Wald umgeben, der heutzutage Lesser Faydark genannt wird. Die Zwerge siedelten in den rauen Klippen, die als Butcherblock Mountains bekannt sind und gründeten dort ihr goldenes Königreich von Kaladim, die Schmiede von Norrath. Die Oger erkämpften sich nach einer Dekade des Krieges gegen die orkischen Horden von Faedwer die Kontrolle über das nahegelegene Land und gründeten das erste ogerische Königreich in der nahegelegenen Rakhtokian Bergkette, die nach dem ersten Ogerführer Rakthork the Warlord benannt war. Dort im Westen von Faydark lebten Zwerge und Oger in einem unsicheren Frieden. Während das riesige Reich der Elfen beide Königreiche leicht hätte zerstören können, sahen die Oger die Zwerge als ihr primäres Problem. Aufgewachsen in einer Kultur, in der nur die Stärke der Arme und die Größe der Waffen zählte, sahen die Oger des Königreiches von Rakthok nur die Zwerge als gleichberechtigt und damit als große Herausforderung an. Außerdem waren sie gierig auf die reichen Goldminen in den Bergen und neidisch auf die Kunst des Königreiches von Kaladim, Steine zu bearbeiten. Und um die Sache noch schlimmer zu machen, stimmten die friedlichen Zwerge nicht mit den wilden und chaotischen Tendenzen der Oger überein. Das Ergebnis war ein intensiver Rassenhass und viele kleine Kämpfe zwischen den beiden Königreichen.

Zu Beginn des zweiten Zeitalters, als die Elfenrebellen begannen, sich gegen den Gott Innoruk zu erheben, wurde Dagnor the Butcher zum fünften Warlord des rakthokianischen Königreiches gewählt. Dagnor war der erste, der erkannte, dass kleine Scharmützel zwischen Zwergen und Ogern niemals die Probleme lösen würden und das die Oger, um substanziell etwas zu verbessern, die Zwerge vollständig besiegen und abschlachten müssten. Er sah in den Minen von Kaladim eine Quelle unerschöpflichen Reichtums und unerschöpflicher Macht. Unmittelbar nachdem er den Thron bestiegen hatte, begann Dagnor, die größte kombinierte Armee von Ogern zu sammeln, seit die orkischen Clans besiegt wurden. Allerdings wurde Dagnor lange Zeit gebremst, weil Kaladim die Hauptquelle für Gold und Waffen des Elfenreiches war und die Zwerge in den Elfen starke Verbündete gehabt hätten, wenn ein Krieg ausbrechen würde. Der Ogerkönig war clever genug, zu erkennen, dass sein Königreich eine Attacke von beiden Seiten nicht überleben würde und so griff er nicht an, weshalb die Zwerge ihn nicht als die große Gefahr erkannten, die er war. Während sich das unbesiegbare Empire der Elfen über West Faedwer auftürmte, war Krieg keine Option, weder für die Zwerge noch für die Oger. Dagnor wird manchmal als der Zerstörer zweier Reiche angesehen. Als er seine Kampagne gegen das Zwergenkönigreich von Kaladim begann, startete er auch den Niedergang seines eigenen Reiches von Rakthok. Außerdem hielt er die Zwerge davon ab, den Elfen gegen die immer stärker werdende Armee der Rebellen beizustehen. Viele Historiker gehen davon aus, dass, wenn die Zwerge nicht in einen Krieg gegen die Oger gezogen worden wären, ihre Hilfe den Untergang der Rebellen bedeutet hätte und das alte Elfenreich noch immer bestehen würde. Auf jeden Fall erkannte Dagnor, das die Elfen es sich nicht erlauben konnten, den Zwergen beizustehen, während im Osten der Krieg der zerbrochenen Krone tobte, und er nutzte diese Gelegenheit, um seinen eigenen Feldzug gegen das Königreich von Kaladim zu starten. Der Kriegsherr erkannte, dass der Schlüssel zum Sieg der Weg über die weniger bewachten Gebiete des nördlichen Kaladims war, wo die Zwerge hauptsächlich Handelszentren und friedliche Minenstädte errichtet hatten. So marschierte in der Mitte des zweiten Zeitalters der fünfte Warlord des rakthokianischen Königreiches mit seiner Armee aus Ogern und orkischen Sklaven westlich über die Hügel der Schatten direkt ins nördliche Kaladim, ohne eine Intervention der Elfen befürchten zu müssen.

Alte Zwerge erzählen noch heute fürchterliche Geschichten über die ersten Angriffe der Oger. Schlecht vorbereitet auf eine solche Invasion wurden die friedlichen Städte des nördlichen Kaladims in kürzester Zeit überrannt. Die ogerischen Krieger brannten alles nieder, was sie sahen und töteten jeden Zwerg, Männer, Frauen und Kinder. In etwas weniger als einer Woche hatten die Streitkräfte Dagnors Kaladim überrascht und den Tod von Hunderten von Zwergen verursacht. Der Kriegsherr hatte die Schwachstelle in der Verteidigung von Kaladim gefunden und marschierte nun direkt auf die Hauptstadt zu. Es war die überhebliche Art von Dagnor, anzuhalten und sicher zu gehen, dass alles Lebendige, was seinen Weg kreuzte, zerstört wurde, die den Zwergen die nötige Zeit für ihre Vorbereitungen gab. Nachrichten von der anrückenden Streitmacht der Oger erreichten Kaladim Tage, bevor die Oger in Sicht kamen. Als er die Nachricht von der nahenden Armee vernahm, begann der zwölfte König der Zwerge, König Grimmly Fireforge, ein exzellenter Kämpfer und brillanter Taktiker, seine Verteidigungskräfte zu mobilisieren. Dagnor rechnete nicht mit der Geschwindigkeit, mit der die Zwerge eine schlagkräftige Einheit aufstellen konnten – dies war sein erster Fehler. Als die Armee der Oger Crakhtorn Ridge erreichten, circa eine Meile vor der Hauptstadt von Kaladim, trafen sie auf eine etwa gleichstarke Armee von Zwergen, die von König Grimmly angeführt wurde. Die Kämpfe in den zerklüfteten Bergen waren wild und brutal, aber da sie in Tunnelkämpfen und bei wenig Licht wesentlich schlechter waren als die Zwerge, mussten die Oger fliehen. Dagnor befahl seine Armee in die Hügel der Schatten, wo Zwerge und Oger unter gleichen Voraussetzungen kämpfen konnten. Tag und Nacht tobte die Schlacht über die Hügel der Schatten über Lesser Faydark und das Gras war getränkt vom Blut der Gefallenen. Beide Armeen wurden von Soldaten des jeweiligen Königreiches aufgefüllt und bald geriet der Krieg in eine Sackgasse. Weil er davon ausging, dass der Krieg auf den Hügeln der Schatten entweder gewonnen oder verloren werden würde, befahl Dagnor seinen südlichsten Kräften, welche die Wälder von Lesser Faydark bewachten, nach Norden zu marschieren und die Armee auf den Hügeln zu verstärken. Er ließ nur eine Handvoll Oger und einen Großteil orkischer Sklaven zurück. Dies war Dagnors zweiter und schlimmster Fehler. Das erste Mal in der Geschichte Norraths kamen Zwerge und Orks zu einer Übereinkunft und gingen eine Allianz ein. Die Zwerge versprachen den Sklaven der besiegten Orkstämme ihre Freiheit, wenn sie sich neutral verhalten und auf keiner Seite des Krieges eingreifen würden. In kompletter Übereinstimmung mit dem Plan, der den Orks Freiheit gab, sie aber nicht zu einem Kampf nötigte, zogen sich die orkischen Sklaven aus Lesser Faydark zurück, verließen Dagnors Armee und ließen die südlichen Hügel weit offen. König Grimmly nutzte diese Gelegenheit, um eine zweite Einheit zu sammeln und diese nach Süden zu schicken, um die ogerische Armee sowohl von vorne als auch von der offenen Flanke her anzugreifen. Die Streitkraft von Dagnor auf den Hügeln der Schatten wurde komplett ausgelöscht. Dagnor konnte mit einigen wenigen Ogern fliehen und ließ das rakthokianische Königreich völlig ungeschützt zurück. Grimmly sammelte seine restliche Armee und marschierte zur Hauptstadt der Oger. Auf dem Weg zerstörte er jede Festung und brannte Rakthok bis auf die Grundmauern nieder. Die rakthokianische Armee war zerstört.

Die letzte offizielle Schlacht fand im Wald von Lesser Faydark statt, als die restlichen Oger, angeführt von Dagnor, versuchten, nach Süden zu fliehen. Sie wurden von einer kleinen Einheit rachsüchtiger Zwerge gestellt, die es schaffte, sie bis zum Eintreffen der Hauptstreitmacht festzuhalten. Als König Grimmly und seine Armee ankamen, kämpften die Streitkräfte von Dagnor rücksichtslos und waren in der Lage, viele Zwerge zu töten, bevor sie dann schließlich doch besiegt wurden. Eine Geschichte erzählt, dass sich Grimmly und Dagnor am Ufer eines Sees im südlichen Teil von Lesser Faydark trafen und das Grimmly Dagnor mit einem Speer mit solcher Wucht aufspießte, dass die Waffe in tausend Teile zerbrach, als sie die Brust des Ogers durchstieß. Die Geschichte erzählt weiter, dass der Kriegsherr auf der Stelle tot war und in den See fiel. Das Böse in seinem Blut soll das Wasser rot gefärbt und zum Kochen gebracht haben. Daher nannten die Zwerge den See scherzhaft Dagnor’s Cauldron, was so viel heißt wie Dagnors Kessel und so endete die letzte Schlacht des Oger-Zwergen-Krieges. Sie wurde die Schlacht des zerbrochenen Speeres genannt. Nur etwas mehr als dreihundert Oger hatten von mehreren tausend überlebt und beteten zu ihrem Gott Rallos Zek um Vergebung, weil sie den Krieg verloren hatten, während sie sich hastig nach Südwesten zurückzogen. Zwei Wochen lang flohen die Oger vor der Streitmacht König Grimmlys, der sie jagte und jeden tötete, den er ergreifen konnte. Die Oger plünderten jede kleine Stadt, an der sie vorbeikamen, und zerstörten sogar die Ruinen der Elfenhauptstadt Caerthiel, wo sie Schiffe und Vorräte fanden. Nachdem sie quer über die ganze Ebene geflohen waren, setzten sie schließlich Segel und fuhren über den östlichen Ozean weg von den sich nahenden Zwergen. Der erste Oger-Zwergen-Krieg war offiziell beendet. Die Oger, geschlagen, verwundet und ohne Anführer, erreichten den öden Kontinent Antonica einen Monat nachdem sie in Faedwer Segel gesetzt hatten. Tag und Nacht marschierten die Überlebenden des einst mächtigen rakthokianischen Königreiches ziellos durch die endlose Wüste von Ro und erreichten endlich den leeren Gebirgszug, der als Serpent´s Spine bekannt ist. Die Oger hielten die natürliche Geographie der Berge für einen großen Vorteil gegenüber Invasionen, da sie sich zunächst erholen und neu organisieren wollten. Hier gründeten sie ihre neue Hauptstadt, auf allen Seiten bewacht von zwei Flüssen, einer Wüste, einem See, zerklüfteten Bergen und einem dichten Dschungel, wo sie sich sammeln und eine Armee für einen weiteren Krieg gegen die Zwerge aufbauen konnten. Sie nannten ihr neues Königreich Oggok, was auf Ogerisch soviel wie Rache bedeutet.

Das zweite Zeitalter Norraths endete mit Tod und Zerstörung und einem Versprechen für einen Neuanfang. Das kleinliche Gezänk der alten Rassen auf dem Kontinent von Faydwer endete tragisch und keines der Königreiche würde sich jemals vollkommen davon erholen. Der Keim der Rache wurde gesät und die ganze Welt hatte sich für die alten Rassen geändert. Mit der Auswanderung der Dunkelelfen nach Neriak auf Antonica und der Oger nach Oggok wurde neues Land entdeckt und keine der alten Rassen hatte mehr die Kraft, die Königreiche der Gnome und Halblinge von einer Ausbreitung abzuhalten, noch waren sie in der Lage, die ständig wachsende Bevölkerung der Menschen zu kontrollieren. Das zweite Zeitalter war eine Zeit des Todes, der Trauer und der Veränderung für Norrath...“

17.05.2007

Ausgegraben

Hab gestern mal ein wenig gestöbert und dabei eines meiner alten Schreibprojekte wieder gefunden - ich hab die Geschichte hier schon mal gebloggt, allerdings nur den ersten Teil, der Rest landete im kommentar. Aber da ich vorhabe die Story endlich zu Ende zu schreiben dachte ich mir ich grab mein Blog mal wieder aus und update regelmäßig die Geschichte - bis ich alles gebloggt hab ist die hoffentlich irgendwann auch fertig geschrieben so das ich den Rest online stellen kann ;-) Es handelt sich dabei um die "Memoiren" meines ersten Rollenspiel Charakters, einer Gnomen-Diebin aus dem Spiel "Everquest"



Seufzend stand die junge Frau auf – wieder ein kalter, einsamer Tag in dieser merkwürdigen Welt, die so ganz anders war als Norrath, wo sie aufgewachsen und zu Hause war.

Spöttisch lächelnd betrachtete sie sich im Spiegel und streckte ihre Glieder. „Ach wie gut, dass niemand weiß,...“ murmelte sie vor sich hin, während sie ihr sonst flammendrotes Haar bürstete. Wo hatte sie diesen Vers nur schon einmal gehört? Ach ja, in einer dieser Geschichten, die hier kleinen Kindern erzählt wurden und in denen ihr sonst so stolzes Volk zu unwirklichen Märchengestalten und Fabelwesen gemacht wurde. Wieder seufzte sie, als sie ihren Dolch weglegte, nach dem sie automatisch gegriffen hatte – sie, die gegen Drachen und Riesen gekämpft hatte, musste sich erst noch daran gewöhnen, dass junge Frauen, die mit Dolchen und Schwertern bewaffnet durch die Strassen liefen, hier nicht an der Tagesordnung waren. Die Menschen dieser skurrilen Welt, die sie selbst als „reales Leben“ bezeichneten, dachten doch tatsächlich, Frauen seien zarte Wesen, die vor der ach so bösen Welt beschützt werden mussten. Die Frau verdrehte genervt die Augen. Sie hatten wohl noch nie etwas von den grausamen Dunkelelfinnen gehört, die zwar unwiderstehlich waren, aber mit einem Lächeln in ihrem hübschen Gesicht kaltblütig über Leichen gingen, wenn sich ihnen jemand in den Weg stellte. Nun, SIE wusste von ihnen, war sie doch selbst die Nichte einer dieser blauen Jägerinnen. Überhaupt, diese Wesen, die sich „Mensch“ nannten – ha, schwächliche ungebildete Geschöpfe, die nicht einmal ansatzweise auch nur einen Funken der Magie besaßen, die sich in Norrath jedes Baby zu Nutze machen konnte – sei es, dass das Kind selbst des Zauberns kundig war oder indem es sich des einen oder anderen magischen Gegenstandes bediente, um gewisse Kräfte wirken zu lassen. Auch ihre angenommene Tochter – eine Hochelfe, die sie wie ihr eigen Fleisch und Blut liebte – konnte es. Armes Kind, sie hatte sie bei ihrer Flucht zurücklassen müssen. Doch das Mädchen war des Kämpfens mächtig, und es gab eine Reihe von Zauberkundigen in ihrer Familie, die versprochen hatten, die Kleine zu schützen...

‚Gut, dass meine Fähigkeiten es mir erlauben, mein Aussehen zu verändern, so dass ich unerkannt bleiben kann’ dachte die Frau, als sie sich selbst musterte. ‚Auch wenn ich es hasse, hier zu leben, so darf ich doch nicht entdeckt werden.’ Sie war daran gewöhnt, sich durch Masken in eine größere Rasse als ihre eigene – die der Gnome – zu verwandeln, so dass die Höhe sie nicht schwindelig machte. Kopfschüttelnd machte sie sich daran, dieses seltsame Getränk zu kochen, welches die Wesen hier „Kaffee“ nannten – was gäbe sie für ein gutes Glas Zwergenbier, sogar in ihrer Giftküche befanden sich Tränke, die wesentlich besser als dieses schwarze Gebräu schmeckten! Zum dritten Mal seufzend strich sie ihr Haar nach hinten – das leuchtende Rot war abgemildert worden und auch ihre sonst so intensiven grünen Augen, mit denen sie ihren Mann bezaubert hatte, strahlten nicht so, wie sie es in Norrath getan hätten. Das Schlimmste jedoch waren diese unmöglich kleinen, RUNDEN Ohren – wenn das ihr Mann sehen würde! „Sie haben wirklich ganze Arbeit geleistet, du siehst aus wie ein Mensch! Na ja, ich geh dann mal und suche mir eine neue Frau, schließlich hab ich mich damals in eine Gnomin verliebt...“ würde er mit einem Achselzucken und einem belustigten Ausdruck in seinen tiefgründigen Augen sagen. Er liebte es, sie aufzuziehen und meistens gelang es ihm mit Leichtigkeit, sie zu ärgern – manchmal zu leicht. Ein Schmunzeln glitt über ihre Lippen, als sie an die vielen Male dachte, an denen ihr Gatte nur um Haaresbreite an einer handfesten Ohrfeige – oder besser, dem gnomischen Gegenstück, einem Tritt vor das Schienbein – vorbeigeschlittert war, nur weil er es gerne sah, wenn ihre Augen vor Eifersucht funkelten. Ach ja, ihr Mann... Wehmut legte sich über ihr Gesicht, verschleierte das leise Lächeln und verstärkte den Hauch von Traurigkeit, der sie in letzter Zeit immer zu umwehen schien. Wie sehr sie ihn vermisste, den stolzen Magier, den sie bei gemeinsamen Kämpfen kennen und lieben gelernt hatte... Sie schloss die Augen und dachte an die Zeit, die sie gemeinsam miteinander verbracht hatten...

‚Oh ja, wir hatten sehr für unsere Liebe kämpfen müssen, eine Freundschaft zwischen Elf und Gnom wird gerade noch geduldet, eine Hochzeit dagegen ...’ Wieder entwich ein leiser Seufzer ihrer Brust. ‚Doch wir hatten Freunde bei den Hochelfen, so dass die Ältesten der Hochzeit schließlich wiederwillig zustimmten, wenn auch nur unter der Bedingung, das niemals ein Kind bei dieser Verbindung entstehen würde... Es war der schönste Tag meines Lebens, als Vater mich vermählte’ dachte sie und lächelte traurig. ‚Daran konnte auch der Keuschheitsgürtel nichts ändern, den man mir anlegte, um die Einhaltung der Bedingung zu gewährleisten.’ Ihre Lippen pressten sich zu einem schmalen Strich zusammen, als sie an den Gürtel dachte, der so verzaubert worden war, dass sie ihn trotz ihrer Fähigkeiten im Schlösser öffnen nicht hatte ablegen können. ‚Trotzdem waren wir glücklich miteinander, wir kämpften uns gemeinsam durch Norrath und hatten viel Spaß mit unseren Gefährten. Natürlich versuchten wir alles, um den Zauber, der uns den Nachwuchs versagte, zu brechen, doch es war vergebens.’ Da sie keine leiblichen Kinder haben konnten, nahmen sie sich schließlich einer kleinen Elfe an, die das Handwerk der Paladine erlernte. Der Wunsch nach einem eigenen Kind legte sich etwas, aber dann hörte das Paar von einem mächtigen Zauberer, der vielleicht im Stande wäre, den Bann zu lösen. Also machten die beiden sich auf, diesen großen Meister der arkanen Künste zu finden. ‚Hätten wir das doch nur nie getan, dann wäre ich jetzt noch immer zu Hause’ dachte die junge Frau bitter. ‚Denn tatsächlich existierte dieser Zauberer nicht, es war eine List der Ältesten, die noch immer gegen unsere Ehe waren. So wurde ich dann schließlich entführt und von meinem Mann getrennt. Doch eines Nachts schaffte ich es – ich entkam, als die Wachen einen Moment lang unaufmerksam waren.’ Ein triumphierendes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. ‚Ich versteckte mich und schlich mich aus dem Lager, seitdem lebe ich auf der Flucht. Gut, dass ich diese alte Karte gefunden habe, in welcher der Weg in ein Reich namens „die reale Welt“ eingezeichnet war – aber wenn ich gewusst hätte, was mich hier erwartete, wäre ich wohl lieber weiter durch Norrath geflüchtet...’

Sie lehnte sich zurück und dachte an ihre Familie, von der sie schon so lange nichts mehr gehört hatte. Vielleicht sollte sie es wieder einmal wagen und nach Norrath gehen? Das hatte sie schon öfter getan – dankbar dachte sie an ihre Freunde, die es möglich machten, dass sie ihre Familie hin und wieder sehen konnte. Bei einer dieser Gelegenheiten hatte sie ihrem Gatten dann die freudige Nachricht bringen können, dass sie es endlich geschafft hatte – der Bann des Gürtels war gebrochen und sie waren endlich frei von dem Fluch, der sie davon abgehalten hatte, Kinder zu bekommen. Natürlich mussten sie jetzt doppelt vorsichtig sein, denn wenn die Ältesten davon hören würden, dass der Bann gebrochen war und sie ein Kind erwartete, wäre sie auch hier ihres Lebens nicht mehr sicher... Sie zuckte mit den Schultern und lächelte. Die Ältesten waren lange nicht so mächtig und allwissend, wie sie gerne taten – sonst wüssten sie, dass auch hier im Reich des realen Lebens Gnome, Zwerge und Elfen existierten. Sie hielten sich vor den Wesen, die hier lebten, versteckt – entweder lebten sie im Untergrund oder benutzten so wie sie selbst Illusionen, um nicht erkannt zu werden. Doch es gab gewisse Plätze, an denen sie sich trafen, um ein wohlschmeckendes Glas Bier zu trinken, die eine oder andere Geschichte zu hören und Neuigkeiten aus Norrath auszutauschen. Die junge Frau stand auf und schnallte sich ihre Waffen um. Dann hüllte sie sich in einen weiten Umhang und trat hinaus in die harte Welt des „realen Lebens“.

06.07.2006

Thaliona als Schutzengel

Unsre Hausaufgabe für diese Woche war echt gemein... Wir sollten jemanden beobachten und ihn möglichst genau beschreiben - gut, dachte ich, während ich so durch die Uni streunte und mir ein passendes "Opfer" aussuchte, kann ja nicht so schwer sein. Der Kandidat war schnell gefunden, ein Mann so um die 40, der den Süßigkeitenautomaten im GW2 reparierte - der konnte mir wenigstens nicht wegrennen und so konnte ich mir auch ganz gemütlich eine halbe Stunde Zeit nehmen, um ein genaues Portrait von ihm zu erstellen. Mit dieser Beschreibung ging es wieder in den Kurs und da hatte unsere Dozentin dann die geniale Idee, wir sollten zum nächsten Mal eine Geschichte schreiben, in der wir die beschriebene Figur und unsere Hauptfigur zusammenbringen. O_o *panik* Auf Ventana gibt es keine Süßigkeitenautomaten und soweit ich bisher weiß auch keine Mechaniker... Was nun? Ich hätte aus dem Mechanilker einen grummelnden Handwerkerzwerg und aus Thaliona eine hochmütige Elfe machen können, aber - Elfen sind so mainstream im Moment und so entschoß ich mich zu etwas anderem. Da mich Engel im Moment total faszinieren machte ich aus Thali kurzerhand einen Schutzengel und aus dem Mechaniker dessen Schützling. Enjoy ;-)


Da bist du ja wieder. Hab dich lange nicht gesehen… Bist du gekommen, um mich abzuholen? Lass mir noch ein wenig Zeit, nur ein bisschen, ich bin noch nicht fertig mit Erinnern… Weißt du noch, damals, als ich auf den Baum kletterte und nicht mehr runter konnte? Niemand glaubte mir, als ich erzählte, ein Engel habe mich gerettet. Sie taten es als Plapperei eines Fünfjährigen ab und bestimmten, ich sei allein vom Baum geklettert. Aber ich wusste es besser – plötzlich warst du da, groß, schlank, stark. Die Sonne schien von hinten auf deine Flügel und umgab dich mit einem goldenen Strahlenkranz. Du nahmst mich in deine Arme und wir schwebten zu Boden. Von da an sah ich dich jeden Tag. Wenn ich mich allein fühlte, konnte ich mir sicher sein, das du da warst und mit deinen sanften Augen lächelnd auf mich herabsahst. Wenn ich von der Schaukel fiel, hast du mich aufgefangen damit ich mir nicht wehtat. Später hast du mich beschützt, als ich auf dem Schulhof herumgeschubst wurde. Aber mit der Zeit sah ich dich seltener. Als Jugendlicher hatte ich andere Dinge im Kopf - Mädchen und Feiern waren mir wichtiger als auf dich zu achten. Trotzdem warst du da und hast weiter nach mir gesehen. Ich weiß noch, eines Nachts nach einem Diskobesuch war ich auf dem Weg nach Hause, als ich überfallen wurde. Plötzlich stand da dieser Kerl und richtete eine Waffe auf mich. Ich dachte schon, ich müsste sterben – aber du warst da. Du stelltest dich genau zwischen uns, vor die Mündung der Pistole, deine starken weißen Flügel schirmten mich ab. Staunend sah ich, dass der Räuber seine Waffe fallen ließ und unverrichteter Dinge abzog. Ich war dir so dankbar! Ich konnte mich auf dich verlassen – und trotzdem achtete ich nicht auf dich. Immer waren andere Dinge wichtiger als du – erst die Ausbildung zum Mechaniker, dann meine Ehe mit Laura. Der Job war stressig, und wenn ich nach Hause kam, warteten Frau und Kind auf mich. Engel wurden zu Kindergeschichten und langsam vergaß ich dich immer mehr. Kurz dachte ich an dich, wenn Sarah ein Bild aus dem Kindergarten mit nach Hause brachte, auf dem sie einen Engel gemalt hatte. Oder wenn sie erklärte, ihr neuer Freund habe große weiße Flügel und einen Bogen und er würde sie beschützen. Natürlich haben wir diesen Begleiter nie gesehen, aber das beunruhigte uns nicht. Im Alter von vier Jahren ist es schließlich nicht ungewöhnlich, wenn Kinder sich unsichtbare Freunde suchen. Sie hatte ihm sogar einen Namen gegeben – Sinela. Wenn sie von ihm sprach blitzte manchmal dein Bild in meinen Gedanken auf. Flüchtige Erinnerungen an dich wurden wach – zärtliche Arme, die mich sanft festhielten, meine kleine Hand von deinen schlanken Fingern umschlossen, deine strahlenden Augen, die liebevoll auf mich gerichtet waren. Auch du hattest einen Bogen und hast mich beschützt, und überhaupt war Sarahs Beschreibung von Sinela deiner Gestalt sehr ähnlich. Aber ich redete mir ein, dass das nicht sein könnte - es gab keine Engel und als Erwachsener durfte ich mich nicht in solchen Kindergeschichten verlieren. Gut, das Sarah in dem Punkt anders war. Als sie erwachsen wurde und selbst eine Familie gründete erzählte sie ihren Kindern mit leuchtenden Augen von Sinela, ihrem Schutzengel. Es kümmerte sie nicht, was ihr Mann oder die Lehrer der Kinder davon hielten. Es erstaunte mich, dass sie so unbekümmert war und nachts, wenn ich nicht schlafen konnte, grübelte ich darüber nach. Dann wurde ich krank – ein Schlaganfall fesselte mich an mein Bett. Ich erholte mich zwar wieder, aber mit der Zeit holte das Alter mich ein. Immer öfter blieb ich lieber im Haus statt mit meinen Enkeln zu spielen. Meine Augen wurden immer schwächer, bis ich fast nichts mehr sah. Meine Ohren hörten nicht mehr so gut und meine Stimme wurde immer leiser, wenn ich etwas erzählte. Schließlich musste Laura sich sehr anstrengen, um mein Flüstern zu verstehen. Es ist gut, das du jetzt da bist um mich zu holen – ich bin alt und müde geworden. Ich bin bereit zu gehen und freue mich darauf, noch einmal mit dir fliegen. Ich…

Der Kopf des kleinen Greises sackte zur Seite, seine Augen schlossen sich, und ein friedliches Lächeln umspielte seine Lippen. Sanft umfing Thaliona seine Seele und zusammen verschwanden sie in einem kleinen silbernen Nichts.

15.06.2006

Dunkelmond

Unsere Hausaufgabe für diese Woche war echt schwer... wir bekamen vier Sachen, die wir in unserer Geschichte unterbringen sollten - der Haken an der Sache war, das es sich dabei um unsere Hauptperson für den ganzen Kurs handeln sollte - bei mir also die Ventana und seine Lebewesen. Ich musste eine Reise zu Pferd in eine fremde Stadt, ein Monster unterm Bett, einen Kampf gegen einen Bären und einen umgefallen Sack Reis einflechten - ok, dachte ich, kriegst du schon irgendwie hin. Wie war das noch? Ein Kampf Monster gegen Pferd, ein umgefallener Bär und eine Reise zum Reisfeld - äh, ich meine, ein Kampf zwischen Monster und Bär um einen Sack Reis, und ein Pferd, das vor Langeweile beim Zugucken einschläft und umkippt... Ach, lest am besten selbst :-P


Es war Nacht. Die Strahlen der drei Monde tauchten Ventana in ein diffuses grünlich-blaues Licht. Der Fluss, an dessen Ufer sie ihr Lager aufgeschlagen hatten, schimmerte träge im Mondschein, als plötzlich – ein Schrei hallte durch die Luft und wimmernde Laute folgten. Thaliona war sofort hellwach. Alarmiert sah sie sich um, die kräftigen Flügel kampfbereit ausgebreitet. Was war das? Ein Angriff? Bei der Gesegneten, die Kinder mussten geschützt werden! „Thaliona? Thali, wo bist du?!“ Kitusch kam auf sie zugelaufen. Seine schwarzen Haare waren ganz verstrubbelt vom Schlaf – selbst die kleinen Federchen, die seine spitzen Ohrmuscheln säumten sahen zerzaust aus. In der Hand hielt er ein kleines Plüschtier, das er fest an sich drückte. „Da ist ein Monster in unserem Zelt“ schniefte das Mondkind und schmiegte sich in Thalionas Arme. Diese lächelte – das war also der Grund für den Schrei gewesen. „Aber nein, du hast nur schlecht geträumt. Die Monster sind ganz weit weg, hinter dem leeren Land – die kommen nicht mehr her.“ versuchte sie den kleinen Jungen zu beruhigen. „Ganz weit weg? Und sie kommen wirklich nicht wieder?“ „Natürlich, ich war doch selbst dabei, als wir sie vertrieben haben. Und jetzt musst du schlafen, du willst doch ausgeruht sein, wenn wir morgen im fürstlichen Turm ankommen.“ „Aber ich kann jetzt noch nicht schlafen... Erzähl mir eine Geschichte!“ Bettelnd sah Kitusch sie an, und in seinen dunklen Augen konnte sie ihr Spiegelbild erkennen: kurze Haare, ein zartes Gesicht, weiße Engelsflügel, die so gar nicht zu ihrer dunklen Lederrüstung passen wollten. Thaliona war ein Kind der Vergangenheit, sie gehörte einem Volk von bis zu zwei Schritt großen geflügelten Wesen an, die sich dem Schutz und der Pflege Ventanas verschrieben hatten. „Also gut“ seufzte sie, obwohl sie genau wusste, welche Geschichte Kitusch hören wollte. Sie hatte sie dem Mondkind schon so oft erzählen müssen, das man es fast schon ein Ritual nennen konnte. Die Geschichte von Dunkelmond gehörte auf Ventana zum Volksgut, und kaum einer achtete mehr auf die dunkle Bedrohung, die hinter der Prophezeiung lauerte. „Es war in einer Nacht wie dieser. Kirta, Zurta und Norta standen schon lange am Himmel, als in einem kleinen Dorf eine alte Frau eine Vision hatte. Sie sah ein Mondkind bei seinem Ritus, aber es bekam keine magische Gabe. Es wurde nicht mit Licht erfüllt und deshalb nannte man es Dunkelmond. Trotzdem war jedem klar, das dieses Kind etwas Besonderes war. Dann hatte die alte Frau zwei weitere Visionen – in der einen sah sie Dunkelmond als Kind am fürstlichen Hof und alle feierten. In der zweiten jedoch...“ Thaliona stockte, aber Kitusch erzählte die Geschichte für sie zu Ende. „In der zweiten Version sah sie Dunkelmond als Erwachsenen – und diesmal waren alle ganz traurig, weil Dunkelmond die Fürstin getötet hat. Aber das geht ja gar nicht, die Gesegnete ist ja unsterblich!“ Zufrieden mit dieser Feststellung gähnte Kitusch noch einmal ausgiebig und schlief an Thaliona gekuschelt ein. Diese strich ihm eine Locke aus der Stirn und wünschte sich die Gelassenheit ihres Schützlings – doch leider wusste sie es besser. Die Tochter der Elemente, die Herrscherin über Ventana war nicht unsterblich – unter bestimmten Bedingungen konnte sie getötet werden, und das würde das Ende für die Welt bedeuten, in der Kitusch bisher so unbeschwert gelebt hatte. Wächst es auf bei den Engeln, bleibt Dunkelmond rein – unser aller Rettung wird das Mondkind dann sein. Doch wenn es auf Dämonen hört, die Welt Ventanas wird zerstört. Trauer wird herrschen, das Gras blutigrot – Dunkelmond bringt der Gesegneten Tod! Schaudernd erinnerte sich Thaliona an die vielen Kriegsjahre, die auf diese Prophezeiung gefolgt waren. Dämonen und böse Geister waren zu Tausenden aus dem unaussprechlichen Dunkel im Norden ins Land eingefallen und hatten die Drillingskinder dreier Familien geraubt. Bei dem Versuch, die Kinder zurückzuerobern, starben die Familien vollständig aus – nur die nach ihnen benannten Ländereien erinnerten noch an sie. Die Dämonen hatten die Kinder in der Hoffnung gestohlen, das eines von ihnen sich als lichtlos erweisen würde – ein Mondkind ohne magische Gabe, wie es in der Prophezeiung geschrieben stand. Aber scheinbar war Dunkelmond nicht unter den Kindern gewesen – die Lun*Ala lebte noch und regierte das Land in Liebe und Gerechtigkeit. Und so bangten die Kinder der Vergangenheit weiterhin um das Leben ihrer Fürstin und fürchteten bei jedem Ritus des Lichts, das einer ihrer Schützlinge sich als nicht magisch entpuppen sollte. Vorsichtig stand Thaliona auf und brachte Kitusch zurück ins Kinderzelt. Dort stand sie noch lange im Mondschein und wachte über den Schlaf der kleinen Gruppe. Am nächsten Tag machten sie sich auf zum fürstlichen Turm. Die Kinder waren aufgeregt – kein Wunder, schließlich waren sie auf dem Weg zu ihrem Ritus. Die Pferde ließen sich davon nicht beeindrucken und trotteten gemächlich vor sich hin. Der Himmel hatte seine Farbe gewechselt – statt des grün-blau-brauen Gemischs der Nacht verbreiteten jetzt die Geschwistersonnen Lanula und Lavia ihr fast purpur anmutendes Licht. Es würde nicht mehr lange dauern, dann würde auch die cremefarbende Scheibe Lanijas am Himmel stehen und das Purpur zu einem zarten Farbenspiel aus Rosa und Flieder aufhellen. Urplötzlich scheute eines der Pferde und versuchte, aus seinem Geschirr auszubrechen. Noch bevor Thaliona erkennen konnte, was geschehen war, ertönte ein dumpfes Grollen und ein schwarzer Schatten kreuzte den Weg des kleinen Zuges. Die Kinder schrieen und rannten durcheinander in dem Versuch, sich zu verstecken. Thaliona riss die Augen auf – ein riesiger Bär stand auf dem Pfad, die klauenbewehrten Tatzen drohend erhoben. Ein weiteres der Pferde scheute und drohte, eines der Kinder unter seinen Hufen zu begraben. Thaliona schrie auf – gerade noch rechtzeitig brachte einer ihrer Begleiter das Mondkind durch einen beherzten Sprung in Sicherheit. Dann war auch schon Sinela zur Stelle. Noch während er sich in die Luft erhob spannte er mit einer geschmeidigen Bewegung seinen Bogen und zielte. Sinela war ein Meisterschütze, im Krieg hatten seine Pfeile mehr als einem Kind der Vergangenheit das Leben gerettet. Auch diesmal verfehlten seine ruhigen Hände das Ziel nicht – ein gefiederter Schaft durchbohrte das rechte Auge des Bärs und ließen ihn vor Schmerz aufbrüllen. Ein wahrer Pfeilregen folgte, als weitere Schützen sich in die Luft begaben und auf den Bären feuerten. Bald brach das Tier auf dem Pfad zusammen und blieb blutüberströmt liegen. Es dauerte eine Weile, bis sie alle Pferde wieder eingefangen hatten, und es dauerte noch länger, die verschreckten Kinder soweit zu beruhigen, das sie ihren Weg fortsetzen konnten. Doch schließlich war der Tross wieder unterwegs, und endlich sahen sie die silberne Spitze des fürstlichen Turmes vor sich. Hier wollten sie einen Tag rasten, bevor sie ihre Reise zum Hain der Ahnen vollenden würden, wo die Mondkinder sich ihrem Ritus des Lichts unterziehen sollten. Im Turm lebte die Lun*Ala, die geliebte Herrscherin Ventanas. Es war Brauch, das sie beim Ritus zugegen war, und so reisten alle Mondkinder, die ihre Gabe erhalten sollten, zunächst zum fürstlichen Hof, um von dort in Begleitung der Gesegneten ihren Weg fortzusetzen. Beim Durchqueren des Stadttores mussten sie an einigen mit Säcken beladenen Wagen vorbei. Die Menschen winkten den Kindern freundlich zu. Sie alle hatten einmal diese Reise gemacht und ihre jeweilige Gabe bekommen. Einige waren vom Licht der Heiler oder Hellseher erfüllt, andere konnten Gedanken lesen und wieder andere waren der Teleportation oder der Telekinese mächtig. Und dann gab es noch die Beschwörer von Wind, Licht und Wasser, die ihre Gabe vor allem in der Landwirtschaft einsetzten, aber zu Kriegszeiten auch überaus effektive Kampfmagier abgaben. Aus dem Augenwinkel sah Thaliona, wie ein Paar der Kinder miteinander rangelten. In Folge dieser Drängelei kippte einer der Säcke auf dem Wagen um und ein Schwall kleiner weißer Körner ergoss sich auf den Weg. Seufzend machte sie sich auf, die Missetäter einzufangen. Die Kinder mussten lernen, die Früchte des Windes zu ehren, und so hielt Thaliona sie nach einer kleinen Strafpredigt an, sich bei dem Händler zu entschuldigen, dem die Säcke gehörten. Lächelnd nahm dieser die Entschuldigung an, und sein Lächeln verstärkte sich noch, als Thaliona ihm eine kleine Münze zur Entschädigung gab. Vor ihnen ragte die schlanke Säule des Turmes auf – endlich waren sie am ersten Ziel ihrer Reise angekommen.

07.06.2006

Neues von "meiner" Welt

Damit ihr wißt, womit ich mich die letzten drei Wochen rumgeschlagen hab und warum es so lange keine Updates gab, hier der Grund - meine Welt ist soweit fertig, das ich jetzt anfangen kann mit schreiben *freu* :-D Eine erste Beschreibung und etwas Gereimtes gibts aber schon jetzt - viel Spaß ;-)

In meiner Welt Ven~tana spielt die Zahl drei eine relativ große Rolle - es gibt je drei verschiedenfarbige Sonnen (La~ula, La~via und La~nija) und Monde (Kir~ta, Zur~ta und Nor~ta), wobei die Monde etwas besonderes sind: jeder von ihnen kann nämlich drei verschiedene magische Begabungen verteilen, wobei Kir~ta die Gaben (= "Lichter") Telepathie, Telekinese und Teleportation verteilt, Zur~ta für das beschwören von Wind, Wasser und Licht zuständig ist und Nor~ta einen dazu befähigt, in die Zukunft zu sehen, zu Heilen und Visionen von der Vergangenheit zu bekommen. Auch die Zeitrechnung dreht sich mehr oder weniger immer um die Zahl drei - so ist 1 Umlauf der Gestirne 1 Tag, 3x3 Umläufe (also 9) ergeben eine Woche, 3x9 Umläufe wiederum einen Monat und ein Jahr besteht aus 9 Monaten, wird allerdings mit der Umschreibung 9x9 Umläufe bezeichnet. (Hoffentlich war das nicht zu kompliziert *g* )

Wesen leben natürlich auch auf Ven~tana. Es gibt zwei große Völker, und zwar die Kinder der Vergangenheit und die Kinder des Lichts, wobei jedes Volk noch einen anderen Beinamen hat. So werden die Kinder des Lichts gerne auch die Mondkinder genannt, da nur sie in der Lage sind, Magie zu wirken. Mondkinder sind etwa 1,20-1,30 Meter große neugierige Lebewesen - menschenähnlich zwar, aber mit spitzen Ohren. Wer jetzt an Elfen denkt liegt falsch - Elfen sind mir im Moment zu mainstream *g* Die Ohren der Mondkinder sind zwar spitz, aber mit kleinen Federn bedeckt, was auf eine entfernte Verwandtschaft zu den Kindern der Vergangenheit hinweist. Außerdem sind sie sehr neugierig, verspielt und haben bis sie erwachsen sind eine sonderbare Art, sich auszudrücken, sie beschreiben Gefühle in drei Kategorien, so ist zum Beispiel etwas *traurigsauerggrau* oder *rosafröhlichsüß* - ganz genau hab ich mir das noch nicht überlegt ;-)
Ihnen gegenüber stehen die "Kinder der Sonne" . Diese Wesen sind große (1,90-2,00 Meter) und starke Mentoren für die Mondkinder. Sie sind engelshaft mit großen weißen Flügeln und sehr feinfühlig und einfühlsam - ihre Langlebigkeit und ihr überaus gutes Gedächtnis sind der Grund, warum man sie vornehmlich die "Kinder der Vergangenheit" nennt.

Über diese zwei Völker herrscht die Lun~Ala, eine Art "kindliche Kaiserin". Sie steht an höchster Stelle und regiert in Liebe und Gerechtigkeit. Niemand weiß genau, woher sie kommt - die Lun~Ala "war, ist und möge ewiglich sein". Alle Kinder der Vergangenheit schwören ihr die Treue und dienen ihr. die man unter den verschiedensten Titeln kennt: Tochter von Wind und Licht, die Friedfertigen Fürstin, die GEsegnete der Gestirne oder auch Tochter der Elemente wird sie genannt. Die Lun~Ala ist unsterblich - na ja, FAST unsterblich, denn da ist diese kleine Prophezeiung, diese alte Legende des "Kind ohne Lichts". Diese Prophezeiung (für die ich tatsächlich angefangen habe zu reimen - ich staune über mich selbst *lach*) bewirkte schon Äonen von Kriegsjahren, bei der Dämonen aus dem unaussprechlichen Dunkel (einem Landstrich im Norden Ven~tanas) in das Land einfiehlen und es verwüsteten. Drei Familien starben dabei vollständig aus, nach diesen drei Familien sind die verschiedenen Landstriche Ven~tanas benannt. Das Kind jedoch haben die Dämonen nicht gefunden, und so behält die Prophezeiung von *Dunkelmond* weiterhin ihre Bedeutung:


Dunkelmond, so wird es genannt,
solch Wesen ward noch nie im Land.
Ein lichtloses Kind, auf Ven~tana geboren,
zu großen Dingen ist dies Mondkind geboren.

In Dunkelmond ruht sehr viel Macht,
habt auf dies Kind besondre Acht!
Wächst es auf bei den Engeln bleibt Dunkelmond rein -
unser aller Rettung wird das Mondkinde sein.

Doch wenn es auf Dämonen hört,
die Welt Ven~tanas wird zerstört.
Das Mondkind wird kommen, um Grauen zu schenken,
das Schicksal des Landes wird Dunkelmond lenken.

Das Volk zerissen durch den Feind -
nie mehr wird Ven~tana geeint...
Trauer wird herrschen, das Gras blutigrot,
Dunkelmond bringt der Gesegneten Tod!



Hoffentlich war das alles einigermaßen verständlich und ihr findet es nicht zu verrückt :-)


Bis dann

Melly

17.05.2006

Josie die zweite

Und noch ein Text über Josephine - diesmal in der Gegenwart. Wir sollten alle Chars, die der Kurs so entwickelt hatte, in einen Text packen... Ich hoffe, mir ist das einigermaßen gut gelungen - lest selbst:


Das Klassentreffen


Josie zog noch einmal ihre Lippen nach und warf einen prüfenden Blick in den Spiegel – perfekt! Der dunkle Lidschatten brachte ihre grünen Augen erst richtig zum Leuchten und das neue schwarze Spitzenkleid betonte mit seinem weiten Rock ihre schlanke Figur. Josie hatte schon immer gern schwarz getragen, was früher oft für dumme Bemerkungen gesorgt hatte. Sie zuckte die Schultern – egal, heute würde sie es ihnen zeigen. Heute war der perfekte Abend. Sie sah gut aus, hatte das perfekte Make-up für das perfekte Kleid und nichts würde ihr ihren Triumph ruinieren. Vor zwei Wochen war die Einladung zum Klassentreffen gekommen und erst hatte Josie gar nicht hingehen wollen. Bis ihre Freundin Lilith sie überredet hatte. „Du musst da hingehen! So schlimm wird es nicht werden. Schließlich bist du nicht mehr die kleine Josie von damals, sondern eine renommierte Autorin – ich wette, du bist von allen am erfolgreichsten.“ Lachend hatte Josephine nachgegeben – Lilith hatte recht. Ihre Schulzeit war zwar alles andere als toll gewesen, aber sie hatte sich ziemlich verändert und es würde Spaß machen, ihren ehemaligen Mitschülern zu zeigen, dass aus ihr trotz – oder gerade wegen – ihrer andauernden blöden Sprüche etwas geworden war. Aus der rebellischen Träumerin, die ihre roten Locken schwarz färbte und sich in der Schule langweilte war eine junge (mittlerweile wieder rothaarige) Frau geworden, die unter dem Namen Josephine Glace Fantasy-Romane schrieb und als neuer Stern am Autoren-Himmel gehandelt wurde. Sie war erfolgreich, das ließ sich kaum bestreiten. Josie steckte noch schnell ihre Schlüssel ein und verließ das Haus. In der Schule angekommen atmete sie noch einmal tief durch. Auch wenn sie nach außen hin cool wirkte, war sie doch ein wenig nervös. 10 Jahre war es jetzt her, dass sie den Abschluss gemacht hatte und sie hatte immer gedacht, das sie diesen grauen Kasten nie wieder betreten würde. „Josie? Josephine?? Bist du das wirklich? Ich kann ja kaum glauben, das du es bist – wie hast du dich verändert!!!“ Oh nein... Nicht Sandy! Warum musste ihr ausgerechnet Sandy gleich am Anfang über den Weg rennen! Noch bevor sie Zeit hatte, sich nach einem Fluchtweg umzusehen fiel ihr schon ein strahlendes blondes Bündel um den Hals, das nur aus weißen Zähnen, pinkfarbendem Lippenstift und dem Geruch von Pfefferminzkaugummis zu bestehen schien. „Ah, hallo Sandy. Wie…“ (Josie suchte nach einem passenden Wort, das nichts mit *du gehst mir auf die Nerven* zu tun hatte) „...nett, dich hier zu sehen.” Sie versuchte mühsam, sich aus der klammernden Umarmung der damaligen Cheerleaderin zu befreien. Ausgerechnet Sandy... In der Schule hatten sie kaum mehr als zwei Worte miteinander gewechselt. Sandy hatte ihre Girlie-Clique und Josie – Josie hatte ihre Bücher. Während Sandy sie plappernd in die Aula zog lief vor Josephines geistigem Auge ein Film ab. Sie selbst im schwarzen Schlabberlook an ihrem Spind, wie immer einen dicken Roman unter den Arm geklemmt. Kai, der ein paar Meter weiter stand und Sandy, die im kurzem Miniröckchen über den Flur stöckelte – allseits beliebt, immer lächelnd, immer freundlich, immer einen Schweif gackernder Mädchen hinter sich herziehend. Sie WAR nett, das musste Josie zugeben, aber sie war auf diese überzogene zuckersüße Art nett, von der Josie fürchtete, Karies zu bekommen. Sandy war immer überall vertreten und kümmerte sich um alles – eines der Mädchen, die einem Mittwochs schon freudestrahlend ein „wunderschönes Wochenende!!!“ wünschen und glaubten, es existiere keine Cliquenbildung an den Schulen. „Josie? Hörst du mir überhaupt zu?“ „Was? Oh, entschuldige, ich war ganz in Gedanken. Was hast du gesagt?“ „Ich fragte dich, was du so machst.“ Da war sie, DIE Chance, von ihrem Erfolg zu erzählen und der zuckersüßen Sandy zu erklären, das sie ihren Traum verwirklicht hatte. „Ich...“ Josie wollte grade anfangen, da wandte Sandy sich ab. „Sorry, aber da ist Joseph, ich muss ihm unbedingt was sagen. JOSEPH, warte mal!!!“ Sprach’s, drehte sich um und ließ Josie stehen. „Immer noch die gute alte Sandy, hm?“ ertönte hinter ihr eine wohlklingende Stimme. „Kai! Ich wusste gar nicht, das du auch kommst! Wie schön dich zu sehen!!!“ Josie hatte Kai ohne die zotteligen Dreadlocks und seine geliebten zerissenen Jeans erst gar nicht erkannt. In der Schule waren sie befreundet gewesen, sie war eines der wenigen Mädchen gewesen, die sich nicht von seinen Kifferfreunden und seiner Vogelspinne hatte abschrecken lassen. Im Gegenteil – sie war fasziniert gewesen von Ruby und hatte sie als Vorlage für die eine oder andere Geschichte genommen. Leider hatten sie sich nach dem Abschluss aus den Augen verloren – umso schöner war es, dass sie sich hier wiedertrafen. „Josephine Glace... Du hast dich verändert.“ Anerkennend musterte Kai sie und Josie wurde doch tatsächlich ein bisschen verlegen. „Du aber auch – wo sind die Jeans und die Dreadlocks?“ Kai zuckte mit den Schultern und grinste jungenhaft. „Na ja, irgendwann wird halt jeder mal erwachsen – und außerdem hält Lena nichts von zerissenen Hosen.“ „Du bist jetzt mit Lena zusammen?“ Josie erinnerte sich noch gut an die lebhafte Russin, die im vorletzten Schuljahr zu ihnen gestoßen war. Lena war trotz ihrer Sprachschwierigkeiten schnell zurechtgekommen, was sie nicht zuletzt ihrer kontaktfreudigen Art und ihrem Charisma zu verdanken hatte. Die Jungs rissen sich darum, mit ihr auszugehen und die Mädchen halfen ihr gern bei den Sachen, die sie nicht verstand. „Wo ist Lena? Hast du sie nicht mitgebracht?“ „Leider hatte sie keine Zeit, sie ist grade zu Besuch bei Verwandten und konnte nicht weg.“ Schade – Lena war eine der wenigen Personen, auf die Josie sich gefreut hatte. Sie unterhielten sich etwa eine Stunde lang und plötzlich fiel Josie ein, das sie Kilian noch gar nicht gesehen hatte. „Sag mal, weißt du, was aus Kilian geworden ist?“ Josie hatte eine lockere Freundschaft mit Kilian gehabt, aber heimlich immer für ihn geschwärmt. Er war anders als die anderen, ein eher stiller Typ, der sich rührend um seine Schwester kümmerte und nebenher in einem Museum jobbte. Josie war neugierig, was aus ihm geworden war. „Das weißt du nicht? Kilian hat Archäologie studiert und ist jetzt Dozent. Nebenher reist er in der Weltgeschichte rum und stöbert alte Dinge für ein großes Museum auf. Im Moment ist er glaub ich in Tibet oder so.“ Kilian war also ein erfolgreicher Archäologe – na ja, für Museen hatte er ja schon immer geschwärmt. Josie nahm sich vor, seine Adresse rauszukriegen und sich mal bei ihm zu melden. Vielleicht konnten sie ihre Bekanntschaft wieder auffrischen? Am Ende des Abends war Josie ganz überrascht, wie gut sie sich amüsiert hatte – Lilith hatte recht behalten, so schlimm war es nicht gewesen und zum nächsten Klassentreffen würde sie sicher wieder gehen.

Josie

In "Die Qual der Wahl" hab ich ja schon ein wenig über meinen Kreativ Schreiben Kurs erzählt. Hier ist jetzt der erste Text, den ich dafür geschrieben hab, Josefine aus dem Jahre 1487:



Josefine – Anno Domini MCDLXXXVII


Schwarzer Rauch stieg zum Himmel empor und verdunkelte die Sonne. Der harzige Geruch brennenden Holzes wurde rasch durch den beißenden Gestank verbrannter Haare verdrängt, als die Flammen sich ihren Weg bahnten. Schrille Schreie gellten durch die Luft, mischten sich mit dem kreischenden Gejohle der Menge: „Seht her, da brennt sie, Elisabeth die Hexe, das Teufelsliebchen!!!“ Josefine ballte ihre Hände zu Fäusten. Wolken glühender Asche regneten auf sie herab, als ein Windstoß das Feuer weiter entfachte. Aber sie bleibt stehen, starrte stumm auf den Scheiterhaufen, während lautlose Tränen versuchten, ihren Schmerz zu löschen. Dort brannte Elisabeth, ihre kleine Schwester. Elisabeth, mit der sie als Kind Fangen gespielt hatte. Elisabeth, die so gern gelacht hatte und deren rotgoldene Haare sie jeden Abend zu dicken Flechten verwoben hatte. Jetzt verzog sich ihr Mund zu furchtbaren Schreien, weil Flammen sie in eine lodernde Fackel verwandeln wollten. Wenn sie ihr doch nur helfen könnte! Josefine streckte die Arme aus, stolperte schluchzend vorwärts, blind vor Tränen. Sie musste ihrer Schwester doch beistehen, ihr sagen, das alles gut werden würde, wie damals, beim Tod ihrer Mutter! Sie musste Elisabeth doch helfen!!! Aber sie konnte sie nicht erreichen, die Flammenwand war schon zu dich und die Hitze war zu groß. Hilflos musste Josefine mit ansehen, wie ihre geliebte Schwester sich in ein Häufchen Asche verwandelte, währen ein Meer von Mündern sie auslachte. Stumm stand sie da, die Hitze verdampfte ihre Tränen und endlich brachen sich Schmerz und Wut Bahn. Josefine schrie, schrie bis sie keine Luft mehr bekam und ihre Stimme zu einem heiseren Flüstern wurde. Aber niemand hörte sie, niemand reagierte, niemand kam, um Elisabeth zu helfen...
Etwas knallte laut und Josefine wachte auf. Heinrich stand vor ihr, er war wütend und hatte sie mit einer Ohrfeige geweckt. „Nichtsnutziges Weib! Nicht einmal schlafen lässt du mich! Du weißt doch, das wir morgen zur Frühmesse in die Stadt gehen und du brüllst hier rum dass die Milch sauer wird! Jetzt halt’s Maul und schlaf, dumme Pute!!“ Josefine wollte gerade etwas erwidern als ihr Blick auf die glühenden Holzscheite der Kochstelle fiel. Erschauernd wandte sie sich ab – seit einem Jahr trauerte sie jetzt um ihre Schwester, die unschuldig ein Opfer der Inquisition geworden war. Abend für Abend weinte sie um Elisabeth, bis sie erschöpft einschlief. Anfangs suchte sie noch Trost bei ihrem Mann, aber Heinrich war fest davon überzeugt, das Elisabeth schuldig war. Die andauernden Streitereien zermürbten sie mehr als die Prügel, die sie regelmäßig wegen ihres frechen Mundwerks bezog. Es kam Josefine vor wie eine ewige Spirale, ein Kreislauf, aus dem es keinen Ausweg gab. Und so machte sie weiter, mit ihrem Leben, das sie hasste, ihrem Mann, der sie nicht verstand, ihrer Trauer und ihrem Zorn, die langsam ihre Seele vergifteten. In diesem Moment wurde ihr klar, das es so nicht weitergehen konnte. Wenn Heinrich sie noch einmal schlug würde die ganze gärende schwelende Wut wie ein Sturm über sie hereinbrechen und sie wusste nicht, was dann passieren würde.
Am nächsten Tag begleitete Josefine Heinrich in die Kirche. Wiederwillig setzte sie sich und ließ ihre Gedanken schweifen – sie sah keinen Grund, aufmerksam zuzuhören. Die Kirche hatte ihr das Liebste genommen und ohnehin verstand sie kein Wort von dem, was der Pater da auf seiner Kanzel erzählte. Heinrich dagegen hing wie immer gebannt an den Lippen des Priesters. Josefine wusste, dass er ohne zu zögern sein ganzes Hab und Gut weggeben würde, sollte die Kirche es je von ihm verlangen. Heinrich erhoffte sich davon Erlösung vor dem Fegefeuer. Armer Teufel! Die Flammen kriegten einen immer, wenn sie einen wollten, Josefine hatte es vor einem Jahr gesehen. Elisabeth war die Unschuld in Person gewesen und dennoch hatte sie dem Feuer nicht entkommen können...
„Quia tuum est regnum, et potestas, et gloria in saecula, Amen!“ Erschrocken sah Josefine auf, als sie einen Stoß in die Rippen bekam. Heinrich warf ihr einen bösen Blick zu und verließ wortlos das Kirchenschiff. Kaum hatten sie den schmalen Weg erreicht, der aus der Stadt herausführte, fiel er polternd über sie her: „Was fällt dir ein! Sitzt da und träumst vor dich hin, während wir das Gebet sprechen!!! Hast du denn keinen Respekt vor der heiligen Kirche???“ Das war zuviel. Josefine sollte Respekt haben vor einer Kirche, die ihre arme Schwester wie ein Kaninchen gejagt und gehetzt hatte? Sie gefoltert und am Ende verbrannt hatte? „Respekt? Pah!“ Josefine spuckte aus. „Wie kann ich Respekt haben vor einer Kirche, die junge Frauen einfängt und sie solange auspeitscht bis sie alles sagen, was der Inquisitor hören will??? Wie rechtfertigen sie das?!?“ Josefine sah Heinrich an und wusste plötzlich, das sie zu weit gegangen war. Mit wutverzerrtem Gesicht stürzte er auf sie zu. „Dich werde ich Respekt lehren du undankbares Stück!!“ Schon war er bei ihr und versetzte ihr einen Schlag, das ihr Kopf zur Seite flog. Rotbrodelnder Zorn flammte in ihr auf und dann hatte sie plötzlich diesen Stein in der Hand. Im nächsten Moment sackte Heinrich regungslos zu Boden. Blut sammelte sich in einer Pfütze unter seinem Kopf und Josefine starrte fassungslos darauf. Was hatte sie getan? Sie hatte ihn getötet! Was sollte jetzt aus ihr werden? Hier konnte sie nicht bleiben! Ohne wirklich zu wissen wohin floh Josefine. Sie rannte den Weg entlang und da war sie, ihre Rettung. Im Wald würde sie sicher sein.

Neue Kategorie "Kreatives Schreiben"

Neue Kategorie, neue Ideen ;-) Hier werden in Zukunft alle Texte rund um meinen *Kreatives Schreiben* Kurs landen - ich hoffe, sie gefallen euch...


Seid gesegnet,

Melly