19.05.2006
Zeitweise blind
Heute war ich längere Zeit auf der Autobahn unterwegs... Es regnete und teilweise hatten wir keine 50 Meter Sichtweite - trotz Scheibenwischer... Dann kam zwischendurch die Sonne auf und man konnte wieder etwas sehen - dann war das Fahren total schön, weil die Sonne richtig warm durchs Fenster schien. Irgendwann fiel mir dann auf, das mein Leben mit Gott eigentlich auch so ist - mal hab ich gute Zeiten, dann "scheint" die Liebe Gottes direkt in mein Leben und mir wird richtig warm ums Herz. Dann kommt "Regen" auf und ich weiß zwar noch, wo mein Ziel ist, aber irgendwie ist der Weg total verschwommen und ich seh nicht mehr richtig wo ich hin muss... Dann weiß ich nicht recht, was ich machen kann, um an mein Ziel zu kommen. Für jeden ist der Weg anders, glaub ich - für die manchen ist Lobpreis das richtige, andere brauchen strukturierte Bibellesepläne und wieder andere können einfach stundenlang im Gebet bleiben. Ich schwank noch so ein wenig hin und her, mal brauch dies, dann wieder das... So richtig das passende "Modell" hab ich für mich noch nicht gefunden ;-) Na ja, ich bin mir sicher, das Papa das richtige für mich hat - und bis ich das gefunden hab, wünsch ich mir einen überdimensionalen Regenschirm :-D
Seid gesegnet
Melly
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17.05.2006
Josie die zweite
Und noch ein Text über Josephine - diesmal in der Gegenwart. Wir sollten alle Chars, die der Kurs so entwickelt hatte, in einen Text packen... Ich hoffe, mir ist das einigermaßen gut gelungen - lest selbst:
Das Klassentreffen
Josie zog noch einmal ihre Lippen nach und warf einen prüfenden Blick in den Spiegel – perfekt! Der dunkle Lidschatten brachte ihre grünen Augen erst richtig zum Leuchten und das neue schwarze Spitzenkleid betonte mit seinem weiten Rock ihre schlanke Figur. Josie hatte schon immer gern schwarz getragen, was früher oft für dumme Bemerkungen gesorgt hatte. Sie zuckte die Schultern – egal, heute würde sie es ihnen zeigen. Heute war der perfekte Abend. Sie sah gut aus, hatte das perfekte Make-up für das perfekte Kleid und nichts würde ihr ihren Triumph ruinieren. Vor zwei Wochen war die Einladung zum Klassentreffen gekommen und erst hatte Josie gar nicht hingehen wollen. Bis ihre Freundin Lilith sie überredet hatte. „Du musst da hingehen! So schlimm wird es nicht werden. Schließlich bist du nicht mehr die kleine Josie von damals, sondern eine renommierte Autorin – ich wette, du bist von allen am erfolgreichsten.“ Lachend hatte Josephine nachgegeben – Lilith hatte recht. Ihre Schulzeit war zwar alles andere als toll gewesen, aber sie hatte sich ziemlich verändert und es würde Spaß machen, ihren ehemaligen Mitschülern zu zeigen, dass aus ihr trotz – oder gerade wegen – ihrer andauernden blöden Sprüche etwas geworden war. Aus der rebellischen Träumerin, die ihre roten Locken schwarz färbte und sich in der Schule langweilte war eine junge (mittlerweile wieder rothaarige) Frau geworden, die unter dem Namen Josephine Glace Fantasy-Romane schrieb und als neuer Stern am Autoren-Himmel gehandelt wurde. Sie war erfolgreich, das ließ sich kaum bestreiten. Josie steckte noch schnell ihre Schlüssel ein und verließ das Haus. In der Schule angekommen atmete sie noch einmal tief durch. Auch wenn sie nach außen hin cool wirkte, war sie doch ein wenig nervös. 10 Jahre war es jetzt her, dass sie den Abschluss gemacht hatte und sie hatte immer gedacht, das sie diesen grauen Kasten nie wieder betreten würde. „Josie? Josephine?? Bist du das wirklich? Ich kann ja kaum glauben, das du es bist – wie hast du dich verändert!!!“ Oh nein... Nicht Sandy! Warum musste ihr ausgerechnet Sandy gleich am Anfang über den Weg rennen! Noch bevor sie Zeit hatte, sich nach einem Fluchtweg umzusehen fiel ihr schon ein strahlendes blondes Bündel um den Hals, das nur aus weißen Zähnen, pinkfarbendem Lippenstift und dem Geruch von Pfefferminzkaugummis zu bestehen schien. „Ah, hallo Sandy. Wie…“ (Josie suchte nach einem passenden Wort, das nichts mit *du gehst mir auf die Nerven* zu tun hatte) „...nett, dich hier zu sehen.” Sie versuchte mühsam, sich aus der klammernden Umarmung der damaligen Cheerleaderin zu befreien. Ausgerechnet Sandy... In der Schule hatten sie kaum mehr als zwei Worte miteinander gewechselt. Sandy hatte ihre Girlie-Clique und Josie – Josie hatte ihre Bücher. Während Sandy sie plappernd in die Aula zog lief vor Josephines geistigem Auge ein Film ab. Sie selbst im schwarzen Schlabberlook an ihrem Spind, wie immer einen dicken Roman unter den Arm geklemmt. Kai, der ein paar Meter weiter stand und Sandy, die im kurzem Miniröckchen über den Flur stöckelte – allseits beliebt, immer lächelnd, immer freundlich, immer einen Schweif gackernder Mädchen hinter sich herziehend. Sie WAR nett, das musste Josie zugeben, aber sie war auf diese überzogene zuckersüße Art nett, von der Josie fürchtete, Karies zu bekommen. Sandy war immer überall vertreten und kümmerte sich um alles – eines der Mädchen, die einem Mittwochs schon freudestrahlend ein „wunderschönes Wochenende!!!“ wünschen und glaubten, es existiere keine Cliquenbildung an den Schulen. „Josie? Hörst du mir überhaupt zu?“ „Was? Oh, entschuldige, ich war ganz in Gedanken. Was hast du gesagt?“ „Ich fragte dich, was du so machst.“ Da war sie, DIE Chance, von ihrem Erfolg zu erzählen und der zuckersüßen Sandy zu erklären, das sie ihren Traum verwirklicht hatte. „Ich...“ Josie wollte grade anfangen, da wandte Sandy sich ab. „Sorry, aber da ist Joseph, ich muss ihm unbedingt was sagen. JOSEPH, warte mal!!!“ Sprach’s, drehte sich um und ließ Josie stehen. „Immer noch die gute alte Sandy, hm?“ ertönte hinter ihr eine wohlklingende Stimme. „Kai! Ich wusste gar nicht, das du auch kommst! Wie schön dich zu sehen!!!“ Josie hatte Kai ohne die zotteligen Dreadlocks und seine geliebten zerissenen Jeans erst gar nicht erkannt. In der Schule waren sie befreundet gewesen, sie war eines der wenigen Mädchen gewesen, die sich nicht von seinen Kifferfreunden und seiner Vogelspinne hatte abschrecken lassen. Im Gegenteil – sie war fasziniert gewesen von Ruby und hatte sie als Vorlage für die eine oder andere Geschichte genommen. Leider hatten sie sich nach dem Abschluss aus den Augen verloren – umso schöner war es, dass sie sich hier wiedertrafen. „Josephine Glace... Du hast dich verändert.“ Anerkennend musterte Kai sie und Josie wurde doch tatsächlich ein bisschen verlegen. „Du aber auch – wo sind die Jeans und die Dreadlocks?“ Kai zuckte mit den Schultern und grinste jungenhaft. „Na ja, irgendwann wird halt jeder mal erwachsen – und außerdem hält Lena nichts von zerissenen Hosen.“ „Du bist jetzt mit Lena zusammen?“ Josie erinnerte sich noch gut an die lebhafte Russin, die im vorletzten Schuljahr zu ihnen gestoßen war. Lena war trotz ihrer Sprachschwierigkeiten schnell zurechtgekommen, was sie nicht zuletzt ihrer kontaktfreudigen Art und ihrem Charisma zu verdanken hatte. Die Jungs rissen sich darum, mit ihr auszugehen und die Mädchen halfen ihr gern bei den Sachen, die sie nicht verstand. „Wo ist Lena? Hast du sie nicht mitgebracht?“ „Leider hatte sie keine Zeit, sie ist grade zu Besuch bei Verwandten und konnte nicht weg.“ Schade – Lena war eine der wenigen Personen, auf die Josie sich gefreut hatte. Sie unterhielten sich etwa eine Stunde lang und plötzlich fiel Josie ein, das sie Kilian noch gar nicht gesehen hatte. „Sag mal, weißt du, was aus Kilian geworden ist?“ Josie hatte eine lockere Freundschaft mit Kilian gehabt, aber heimlich immer für ihn geschwärmt. Er war anders als die anderen, ein eher stiller Typ, der sich rührend um seine Schwester kümmerte und nebenher in einem Museum jobbte. Josie war neugierig, was aus ihm geworden war. „Das weißt du nicht? Kilian hat Archäologie studiert und ist jetzt Dozent. Nebenher reist er in der Weltgeschichte rum und stöbert alte Dinge für ein großes Museum auf. Im Moment ist er glaub ich in Tibet oder so.“ Kilian war also ein erfolgreicher Archäologe – na ja, für Museen hatte er ja schon immer geschwärmt. Josie nahm sich vor, seine Adresse rauszukriegen und sich mal bei ihm zu melden. Vielleicht konnten sie ihre Bekanntschaft wieder auffrischen? Am Ende des Abends war Josie ganz überrascht, wie gut sie sich amüsiert hatte – Lilith hatte recht behalten, so schlimm war es nicht gewesen und zum nächsten Klassentreffen würde sie sicher wieder gehen.
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Josie
In "Die Qual der Wahl" hab ich ja schon ein wenig über meinen Kreativ Schreiben Kurs erzählt. Hier ist jetzt der erste Text, den ich dafür geschrieben hab, Josefine aus dem Jahre 1487:
Josefine – Anno Domini MCDLXXXVII
Schwarzer Rauch stieg zum Himmel empor und verdunkelte die Sonne. Der harzige Geruch brennenden Holzes wurde rasch durch den beißenden Gestank verbrannter Haare verdrängt, als die Flammen sich ihren Weg bahnten. Schrille Schreie gellten durch die Luft, mischten sich mit dem kreischenden Gejohle der Menge: „Seht her, da brennt sie, Elisabeth die Hexe, das Teufelsliebchen!!!“ Josefine ballte ihre Hände zu Fäusten. Wolken glühender Asche regneten auf sie herab, als ein Windstoß das Feuer weiter entfachte. Aber sie bleibt stehen, starrte stumm auf den Scheiterhaufen, während lautlose Tränen versuchten, ihren Schmerz zu löschen. Dort brannte Elisabeth, ihre kleine Schwester. Elisabeth, mit der sie als Kind Fangen gespielt hatte. Elisabeth, die so gern gelacht hatte und deren rotgoldene Haare sie jeden Abend zu dicken Flechten verwoben hatte. Jetzt verzog sich ihr Mund zu furchtbaren Schreien, weil Flammen sie in eine lodernde Fackel verwandeln wollten. Wenn sie ihr doch nur helfen könnte! Josefine streckte die Arme aus, stolperte schluchzend vorwärts, blind vor Tränen. Sie musste ihrer Schwester doch beistehen, ihr sagen, das alles gut werden würde, wie damals, beim Tod ihrer Mutter! Sie musste Elisabeth doch helfen!!! Aber sie konnte sie nicht erreichen, die Flammenwand war schon zu dich und die Hitze war zu groß. Hilflos musste Josefine mit ansehen, wie ihre geliebte Schwester sich in ein Häufchen Asche verwandelte, währen ein Meer von Mündern sie auslachte. Stumm stand sie da, die Hitze verdampfte ihre Tränen und endlich brachen sich Schmerz und Wut Bahn. Josefine schrie, schrie bis sie keine Luft mehr bekam und ihre Stimme zu einem heiseren Flüstern wurde. Aber niemand hörte sie, niemand reagierte, niemand kam, um Elisabeth zu helfen...
Etwas knallte laut und Josefine wachte auf. Heinrich stand vor ihr, er war wütend und hatte sie mit einer Ohrfeige geweckt. „Nichtsnutziges Weib! Nicht einmal schlafen lässt du mich! Du weißt doch, das wir morgen zur Frühmesse in die Stadt gehen und du brüllst hier rum dass die Milch sauer wird! Jetzt halt’s Maul und schlaf, dumme Pute!!“ Josefine wollte gerade etwas erwidern als ihr Blick auf die glühenden Holzscheite der Kochstelle fiel. Erschauernd wandte sie sich ab – seit einem Jahr trauerte sie jetzt um ihre Schwester, die unschuldig ein Opfer der Inquisition geworden war. Abend für Abend weinte sie um Elisabeth, bis sie erschöpft einschlief. Anfangs suchte sie noch Trost bei ihrem Mann, aber Heinrich war fest davon überzeugt, das Elisabeth schuldig war. Die andauernden Streitereien zermürbten sie mehr als die Prügel, die sie regelmäßig wegen ihres frechen Mundwerks bezog. Es kam Josefine vor wie eine ewige Spirale, ein Kreislauf, aus dem es keinen Ausweg gab. Und so machte sie weiter, mit ihrem Leben, das sie hasste, ihrem Mann, der sie nicht verstand, ihrer Trauer und ihrem Zorn, die langsam ihre Seele vergifteten. In diesem Moment wurde ihr klar, das es so nicht weitergehen konnte. Wenn Heinrich sie noch einmal schlug würde die ganze gärende schwelende Wut wie ein Sturm über sie hereinbrechen und sie wusste nicht, was dann passieren würde.
Am nächsten Tag begleitete Josefine Heinrich in die Kirche. Wiederwillig setzte sie sich und ließ ihre Gedanken schweifen – sie sah keinen Grund, aufmerksam zuzuhören. Die Kirche hatte ihr das Liebste genommen und ohnehin verstand sie kein Wort von dem, was der Pater da auf seiner Kanzel erzählte. Heinrich dagegen hing wie immer gebannt an den Lippen des Priesters. Josefine wusste, dass er ohne zu zögern sein ganzes Hab und Gut weggeben würde, sollte die Kirche es je von ihm verlangen. Heinrich erhoffte sich davon Erlösung vor dem Fegefeuer. Armer Teufel! Die Flammen kriegten einen immer, wenn sie einen wollten, Josefine hatte es vor einem Jahr gesehen. Elisabeth war die Unschuld in Person gewesen und dennoch hatte sie dem Feuer nicht entkommen können...
„Quia tuum est regnum, et potestas, et gloria in saecula, Amen!“ Erschrocken sah Josefine auf, als sie einen Stoß in die Rippen bekam. Heinrich warf ihr einen bösen Blick zu und verließ wortlos das Kirchenschiff. Kaum hatten sie den schmalen Weg erreicht, der aus der Stadt herausführte, fiel er polternd über sie her: „Was fällt dir ein! Sitzt da und träumst vor dich hin, während wir das Gebet sprechen!!! Hast du denn keinen Respekt vor der heiligen Kirche???“ Das war zuviel. Josefine sollte Respekt haben vor einer Kirche, die ihre arme Schwester wie ein Kaninchen gejagt und gehetzt hatte? Sie gefoltert und am Ende verbrannt hatte? „Respekt? Pah!“ Josefine spuckte aus. „Wie kann ich Respekt haben vor einer Kirche, die junge Frauen einfängt und sie solange auspeitscht bis sie alles sagen, was der Inquisitor hören will??? Wie rechtfertigen sie das?!?“ Josefine sah Heinrich an und wusste plötzlich, das sie zu weit gegangen war. Mit wutverzerrtem Gesicht stürzte er auf sie zu. „Dich werde ich Respekt lehren du undankbares Stück!!“ Schon war er bei ihr und versetzte ihr einen Schlag, das ihr Kopf zur Seite flog. Rotbrodelnder Zorn flammte in ihr auf und dann hatte sie plötzlich diesen Stein in der Hand. Im nächsten Moment sackte Heinrich regungslos zu Boden. Blut sammelte sich in einer Pfütze unter seinem Kopf und Josefine starrte fassungslos darauf. Was hatte sie getan? Sie hatte ihn getötet! Was sollte jetzt aus ihr werden? Hier konnte sie nicht bleiben! Ohne wirklich zu wissen wohin floh Josefine. Sie rannte den Weg entlang und da war sie, ihre Rettung. Im Wald würde sie sicher sein.
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