10.11.2006
Das Märchen von der traurigen Traurigkeit
So...da ich im Moment bissl depri bin und ich glaub, das geht auch andren so, hier mal nen Text zum Aufmuntern und drüber Nachdenken :-)
Das Märchen von der traurigen Traurigkeit
Es war eine kleine Frau, die den staubigen Feldweg entlangkam. Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war leicht, und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens. Bei der zusammengekauerten Gestalt blieb sie stehen und sah hinunter. Sie konnte nicht viel erkennen. Das Wesen, das da im Staub des Weges saß, schien fast körperlos. Es erinnerte an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen. Die kleine Frau bückte sich ein wenig und fragte: "Wer bist du?" Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. "Ich? Ich bin die Traurigkeit", flüstere die Stimme stockend und so leise, dass sie kaum zu hören war. "Ach, die Traurigkeit!" rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte begrüßen. "Du kennst mich?" fragte die Traurigkeit misstrauisch. "Natürlich kenne ich dich! Immer wieder einmal hast du mich ein Stück des Weges begleitet." "Ja, aber ...", argwöhnte die Traurigkeit, "warum flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?" "Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst nur zu gut, dass du jeden Flüchtigen einholst. Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst du so mutlos aus?" "Ich ... ich bin traurig", antwortete die graue Gestalt mit brüchiger Stimme. Die kleine, alte Frau setzte sich zu ihr. "Traurig bist du also", sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. "Erzähl mir doch, was dich so bedrückt." Die Traurigkeit seufzte tief. Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören wollen? Wie oft hatte sie sich das schon gewünscht. "Ach, weißt du", begann sie zögernd und äußerst verwundert, "es ist so, dass mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest." Die Traurigkeit schluckte schwer. "Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen. Sie sagen: Papperlapapp, das Leben ist heiter. Und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot. Sie sagen: Gelobt sei, was hart macht. Und dann bekommen sie Herzschmerzen. Sie sagen: Man muss sich nur zusammenreißen. Und sie spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken. Sie sagen: Nur Schwächlinge weinen. Und die aufgestauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe. Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen." "Oh ja", bestätigte die alte Frau, "solche Menschen sind mir schon oft begegnet. Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen. "Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen. Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist, hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid bricht wieder auf wie eine schlecht verheilte Wunde, und das tut sehr weh. Aber nur, wer die Trauer zulässt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen. Doch die Menschen wollen gar nicht, dass ich ihnen dabei helfe. Statt dessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit zu." Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt. Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlt, dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel. "Weine nur, Traurigkeit", flüstere sie liebevoll, "ruh dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr an Macht gewinnt." Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin: "Aber ... aber – wer bist eigentlich du?" "Ich?" sagte die kleine, alte Frau schmunzeln, und dann lächelte sie wieder so unbekümmert wie ein kleines Mädchen. "Ich bin die Hoffnung."
Autorin: Inge Wuthe
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07.11.2006
Der Drahtkorb
Ein junger Mann, der sich schon tage-, wochen-, ja monatelang bemüht hatte, beten zu erlernen und auch zu meditieren, stellte fest, dass einfach keine Erfahrung da war, die blieb. Er behielt nichts in den Händen zurück, es zerrann ihm alles wie Wasser zwischen den Fingern, nichts Greifbares war mehr da. Er war schon ganz verzweifelt und wollte schon mit dem Gebet und der Meditation aufhören, da hörte er von einem Weisen, der in der Wüste lebte und der ein Meister in Gebet und Meditation sei.
Also gut, dachte er, einen letzten Versuch will ich wagen und diesen Weisen besuchen und ihn fragen, wie denn das Beten ginge. Und er machte sich auf, fand den Weisen in der Wüste und fragte ihn: "Du bist doch ein Meister in Gebet und Meditation, lehre mich so beten, dass für mich auch ein Erfolg dabei herauskommt." Und der Weise sagte zu ihm: "Siehst du den dreckigen Drahtkorb dort liegen?" "Ja." "Dann nimm ihn und hole damit Wasser!"
Der junge Mann nahm den Drahtkorb, ging einige hundert Meter bis zum Brunnen, schöpfte mit dem Drahtkorb Wasser und machte sich auf den Weg zum Weisen. Doch bis er dort angekommen war, war alles Wasser aus dem Drahtkorb herausgelaufen. Der Weise sagte zu ihm: "Geh und hole Wasser!" Und er machte sich zum zweitenmal auf den Weg; doch der Erfolg war genau derselbe. Der Weise forderte ihn zum drittenmal auf: "Geh und hole Wasser!" Und das wiederholte sich noch einige Male, bis der junge Mann ungeduldig wurde und dachte, das klappt doch nie, ich frage den Weisen einmal.
Und er sagte zu ihm: "Du siehst doch, mit dem Drahtkorb kann man kein Wasser holen, es läuft alles heraus." Da sagte der Weise: "Genauso ist es mit dem Gebet, du hast zwar kein Wasser zu mir gebracht, aber der Drahtkorb, der am Anfang dreckig war, ist jetzt sauber, und so verhält es sich auch beim Beten. Wenn du beim Gebet nicht die Erfahrung hast, etwas in den Händen zurückzubehalten, so hat dich doch das Beten und Meditieren gereinigt."
Willi Hoffsümmer
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21.04.2006
meine Endlos-Story für Lesewütige
das kostet zwar nen bisschen Zeit aber ich hoffe es lohnt sich - Fortsetzungen schreib ich jeweils einfach in Kommentare, das nimmt sonst zuviel Platz ein. Viel Spaß beim Lesen! :-)
Erster Teil: die Welt des realen Lebens
*Kapitel 1 - Erinerungen*
Seufzend stand die junge Frau auf – wieder ein kalter, einsamer Tag in dieser merkwürdigen Welt, die so ganz anders war als Norrath, wo sie aufgewachsen und zu Hause war.
Spöttisch lächelnd betrachtete sie sich im Spiegel und streckte ihre Glieder. „Ach wie gut, dass niemand weiß...“ murmelte sie vor sich hin, während sie ihr sonst flammendrotes Haar bürstete. Wo hatte sie diesen Vers nur schon einmal gehört? Ach ja, in einer dieser Geschichten, die hier kleinen Kindern erzählt wurden und in denen ihr sonst so stolzes Volk zu unwirklichen Märchengestalten und Fabelwesen gemacht wurde. Wieder seufzte sie, als sie ihren Dolch weglegte, nach dem sie automatisch gegriffen hatte – sie, die gegen Drachen und Riesen gekämpft hatte, musste sich erst noch daran gewöhnen, dass junge Frauen, die mit Dolchen und Schwertern bewaffnet durch die Strassen zogen, hier nicht an der Tagesordnung waren. Die Menschen dieser skurrilen Welt, die sie selbst als „reales Leben“ bezeichneten, dachten doch tatsächlich, Frauen seien zarte Wesen, die vor der ach so bösen Welt beschützt werden mussten. Die Frau verdrehte genervt die Augen. Sie hatten wohl noch nie etwas von den grausamen Dunkelelfinnen gehört, die zwar unwiderstehlich waren, aber mit einem Lächeln in ihrem hübschen Gesicht kaltblütig über Leichen gingen, wenn sich ihnen jemand in den Weg stellte. Nun, SIE wusste von ihnen, war sie doch selbst die Nichte einer dieser blauen Jägerinnen. Überhaupt, diese Wesen, die sich „Mensch“ nannten – hah, schwächliche ungebildete Geschöpfe, die nicht einmal ansatzweise auch nur einen Funken der Magie besaßen, die sich in Norrath jedes Baby zu Nutze machen konnte – sei es, dass das Kind selbst des Zauberns kundig war oder indem es sich des einen oder anderen magischen Gegenstandes bediente, um gewisse Kräfte wirken zu lassen. Auch ihre angenommene Tochter – eine Hochelfe, die sie wie ihr eigen Fleisch und Blut liebte – konnte es. Armes Kind, sie hatte sie bei ihrer Flucht zurücklassen müssen. Doch das Mädchen war des Kämpfens mächtig, und es gab eine Reihe von Zauberkundigen in ihrer Familie, die versprochen hatten, die Kleine zu schützen...
‚Gut, dass meine Fähigkeiten es mir erlauben, mein Aussehen zu verändern, so dass ich unerkannt bleiben kann’ dachte die Frau, als sie sich selbst musterte. ‚Auch wenn ich es hasse, hier zu leben, so darf ich doch nicht entdeckt werden.’ Sie war daran gewöhnt, sich durch Masken in eine größere Rasse als ihre eigene – die der Gnome – zu verwandeln, so dass die Höhe sie nicht schwindelig machte. Kopfschüttelnd machte sie sich daran, dieses seltsame Getränk zu kochen, welches die Wesen hier „Kaffee“ nannten – was gäbe sie für ein gutes Glas Zwergenbier, sogar in ihrer Giftküche befanden sich Tränke, die wesentlich besser als dieses schwarze Gebräu schmeckten! Zum dritten Mal seufzend strich sie ihr Haar nach hinten – das leuchtende Rot war abgemildert worden und auch ihre sonst so intensiven grünen Augen, mit denen sie ihren Mann bezaubert hatte, strahlten nicht so, wie sie es in Norrath getan hätten. Das Schlimmste jedoch waren diese unmöglich kleinen, RUNDEN Ohren – wenn das ihr Mann sehen würde! „Sie haben wirklich ganze Arbeit geleistet, du siehst aus wie ein Mensch! Na ja, ich geh dann mal und suche mir eine neue Frau, schließlich hab ich mich damals in eine Gnomin verliebt...“ würde er mit einem Achselzucken und einem belustigten Ausdruck in seinen tiefgründigen Augen sagen. Er liebte es, sie aufzuziehen und meistens gelang es ihm mit Leichtigkeit, sie zu ärgern – manchmal zu leicht. Ein Schmunzeln glitt über ihre Lippen, als sie an die vielen Male dachte, an denen ihr Gatte nur um Haaresbreite an einer handfesten Ohrfeige (oder besser, dem gnomischen Gegen-stück, einem Tritt vor das Schienbein) vorbeigeschlittert war, nur weil er es gerne sah, wenn ihre Augen vor Eifersucht funkelten. Ach ja, ihr Mann... Wehmut legte sich über ihr Gesicht, verschleierte das leise Lächeln und verstärkte den Hauch von Traurigkeit, der sie in letzter Zeit immer zu umwehen schien. Wie sehr sie ihn vermisste, den stolzen Magier, den sie bei gemeinsamen Kämpfen kennen und lieben gelernt hatte... Sie schloss die Augen und dachte an die Zeit, die sie gemeinsam miteinander verbracht hatten...
‚Oh ja, wir hatten sehr für unsere Liebe kämpfen müssen, eine Freundschaft zwischen Elf und Gnom wird gerade noch geduldet, eine Hochzeit dagegen ...’ Wieder entwich ein leiser Seufzer ihrer Brust. ‚Doch wir hatten Freunde bei den Hochelfen, so dass die Ältesten der Hochzeit schließlich wiederwillig zustimmten, wenn auch nur unter der Bedingung, das niemals ein Kind bei dieser Verbindung entstehen würde... Es war der schönste Tag meines Lebens, als Vater mich vermählte’ dachte sie und lächelte traurig. ‚Daran konnte auch der Keuschheitsgürtel nichts ändern, den man mir anlegte, um die Einhaltung der Bedingung zu gewährleisten.’ Ihre Lippen pressten sich zu einem schmalen Strich zusammen, als sie an den Gürtel dachte, der so verzaubert worden war, dass sie ihn trotz ihrer Fähigkeiten im Schlösser öffnen nicht hatte ablegen können. ‚Trotzdem waren wir glücklich miteinander, wir kämpften uns gemeinsam durch Norrath und hatten viel Spaß mit unseren Gefährten. Natürlich versuchten wir alles, um den Zauber, der uns den Nachwuchs versagte, zu brechen, doch es war vergebens.’ Da sie keine leiblichen Kinder haben konnten, nahmen sie sich schließlich einer kleinen Elfe an, die das Handwerk der Paladine erlernte. Der Wunsch nach einem eigenen Kind legte sich etwas, aber dann hörte das Paar von einem mächtigen Zauberer, der vielleicht im Stande wäre, den Bann zu lösen. Also machten die beiden sich auf, diesen großen Meister der arkanen Künste zu finden. ‚Hätten wir das doch nur nie getan, dann wäre ich jetzt noch immer zu Hause’ dachte die junge Frau bitter. ‚Denn tatsächlich existierte dieser Zauberer nicht, es war eine List der Ältesten, die noch immer gegen unsere Ehe waren. So wurde ich dann schließlich entführt und von meinem Mann getrennt. Doch eines Nachts schaffte ich es – ich entkam, als die Wachen einen Moment lang unaufmerksam waren.’ Ein triumphierendes Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. ‚Ich versteckte mich und schlich mich aus dem Lager, seitdem lebe ich auf der Flucht. Gut, dass ich diese alte Karte gefunden habe, in welcher der Weg in ein Reich namens „die reale Welt“ eingezeichnet war – aber wenn ich gewusst hätte, was mich hier erwartete, wäre ich wohl lieber weiter durch Norrath geflüchtet...’
Sie lehnte sich zurück und dachte an ihre Familie, von der sie schon so lange nichts mehr gehört hatte. Vielleicht sollte sie es wieder einmal wagen und nach Norrath gehen? Das hatte sie schon öfter getan – dankbar dachte sie an ihre Freunde, die es möglich machten, dass sie ihre Familie hin und wieder sehen konnte. Bei einer dieser Gelegenheiten hatte sie ihrem Gatten dann die freudige Nachricht bringen können, dass sie es endlich geschafft hatte – der Bann des Gürtels war gebrochen und sie waren endlich frei von dem Fluch, der sie davon abgehalten hatte, Kinder zu bekommen. Natürlich mussten sie jetzt doppelt vorsichtig sein, denn wenn die Ältesten davon hören würden, dass der Bann gebrochen war und sie ein Kind erwartete, wäre sie auch hier ihres Lebens nicht mehr sicher. Sie zuckte mit den Schultern und lächelte. Die Ältesten waren lange nicht so mächtig und allwissend, wie sie gerne taten – sonst wüssten sie, dass auch hier im Reich des realen Lebens Gnome, Zwerge und Elfen existierten. Sie hielten sich vor den Wesen, die hier lebten, versteckt – entweder lebten sie im Untergrund oder benutzten so wie sie selbst Illusionen, um nicht erkannt zu werden. Doch es gab gewisse Plätze, an denen sie sich trafen, um ein wohlschmeckendes Glas Bier zu trinken, die eine oder andere Geschichte zu hören und Neuigkeiten aus Norrath auszutauschen. Die junge Frau stand auf und schnallte sich ihre Waffen um. Dann hüllte sie sich in einen weiten Umhang und trat hinaus in die harte Welt des „realen Lebens“.
23:51 Veröffentlicht in zum Nachdenken | Permalink | Kommentarstatus (9) | Per Email verschicken



